Nach der Corona-Krise: Muss Kurzabeitergeld versteuert werden?

  • Die Corona-Krise zwingt viele Arbeitnehmer in die Kurzarbeit und sorgt dadurch für drastische Lohneinbußen.
  • Nur wenige machen sich da bei all den Sorgen noch Gedanken um den steuerlichen Aspekt des Kurzarbeitergelds.
  • Wie wirken sich diese Lohnersatzleistungen auf die persönliche Steuererklärung aus?
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Stuttgart. Ein großer Teil der deutschen Arbeitnehmer befindet sich derzeit in Kurzarbeit. Am 20. April waren es 718.000 Unternehmen, die eine Anzeige für Kurzarbeit gestellt hätten, so die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch. Aktuell rechnet die Bundesregierung mit bis zu 2,35 Millionen Kurzarbeitern aufgrund der Corona-Krise.

Aktuell beträgt das monatliche Kurzarbeitergeld 60 Prozent der Höhe des Nettogehalts. Wer Kinder hat, für die ein Kindergeldanspruch besteht, bekommt 67 Prozent. Ab dem vierten Monat, das hat der Koalitionsausschuss am Mittwoch beschlossen, soll es auf 70 Prozent (77 Prozent für Haushalte mit Kindern) und ab dem siebten Monat auf 80 Prozent (87 Prozent für Haushalte mit Kindern), befristet bis Jahresende, aufgestockt werden.

Eine Tabelle zur Berechnung findet man auf der Website der Agentur für Arbeit.

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Lohnersatzleistungen gehören zur Anlage N

Wie sieht der steuerliche Aspekt des Kurzarbeitergelds aber aus? Muss man dieses am Ende des Jahres in der Steuererklärung mit angeben und dann auch versteuern?

Da das Kurzarbeitergeld nicht von der Bundesagentur für Arbeit an die Betroffenen ausgezahlt wird, sondern vom jeweiligen Arbeitgeber, findet man diese sogenannten Lohnersatzleistungen auf der jährlichen Lohnsteuerbescheinigung. Diese müssen in der Anlage N der Steuererklärung eingetragen werden. Dort ist sogar eine Zeile explizit für Kurzarbeitergeld oder andere Zuschüsse, Zuschläge und Aufstockungsbeiträge vorgesehen.

Kurzarbeitergeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt

Alle Formen von Kurzarbeitergeld sind steuerfrei, weil sie durch die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung getragen werden. Doch Vorsicht an dieser Stelle:

Das Kurzarbeitergeld muss quasi durch die Hintertür doch versteuert werden. Denn es unterliegt dem Progressionsvorbehalt, was bedeutet, dass das erhaltene Kurzarbeitergeld den persönlichen Steuersatz erhöht, mit dem das restliche Einkommen versteuert werden muss. Das Kurzarbeitergeld wird für die Steuerberechnung am Jahresende zum Einkommen addiert.

Das bedeutet, dass viele Empfänger von Kurzarbeitergeld für das Jahr der Kurzarbeit bei der Einkommenssteuererklärung nachzahlen müssen, weil bis dato auf das laufende Gehalt zu wenig Lohnsteuer abgeführt wurde.

Und je mehr ein Arbeitnehmer verdient, desto höher ist sein individueller Steuersatz. Leistungen wie das Kurzarbeitergeld, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sorgen also dafür, dass der persönliche Steuersatz steigt. Bei höherem Kurzarbeitergeld können entsprechend auch höhere Nachzahlungsbeträge anfallen.

Eine Steuererklärung ist Pflicht

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Wer Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten hat, ist zudem verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Für erhaltene Zahlungen im Jahr 2020 muss die Einkommenssteuererklärung ans Finanzamt nächstes Jahr bis spätestens 31.07.2021 abgegeben sein, wer sich Hilfe bei seiner Erklärung von einem Steuerberater holt, hat dagegen Zeit bis zum 28.02.2022.

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