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  • Corona in Italien: Industrie und Verbände fordern jetzt Krisenmanagement für deutsche Wirtschaft

Nach Corona-Ausbruch in Italien: Deutsche Wirtschaft ruft um Hilfe

  • Der Ausbruch des Coronavirus in Italien macht die deutsche Wirtschaft nervös.
  • Die Bundesregierung müsse sich um “wirtschaftliches Krisenmanagement” kümmern, fordern Industrie und Verbände.
  • Zugleich bereiten sich Konzerne wie Volkswagen auch auf einen Ausbruch in Deutschland vor.
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Berlin. Joachim Lang wählt angesichts des Corona-Ausbruchs deutliche Worte: “Die Auswirkungen des Virus sind in Ausmaß und Dauer derzeit überhaupt nicht einzuschätzen. Für die Konjunktur drohen schwere Auswirkungen", warnte am Montag der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Er glaubt, dass die Bundesregierung bald einschreiten muss, um die Wirtschaft zu stabilisieren.

Hintergrund ist der Corona-Ausbruch in Norditalien. Ähnlich – wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab – wie in China sind dort Teile der Wirtschaft vom Coronavirus lahmgelegt, es drohen deshalb Folgen für Lieferketten. Die italienische Regierung hatte nicht nur öffentliche Veranstaltungen untersagt, sondern auch Schließungen von Unternehmen angeordnet.

Coronavirus setzt Unternehmen zusätzlich unter Druck

Beim BDI, der schon länger vor den wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus warnt, werden die Appelle nun dringlicher: Abseits des Gesundheitsschutzes sei “wirtschaftliches Krisenmanagement” nötig, so Lang. „Die deutsche Industrie fordert ein koordiniertes wirtschaftspolitisches Vorgehen der Bundesregierung."

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Aufgrund großer Unsicherheiten auf den Weltmärkten sei die Konjunktur in Deutschland schon schwach ins neue Jahr gestartet. “Die Effekte der Epidemie erhöhen den Druck auf unsere Unternehmen zusätzlich”, heißt es beim BDI nun. Auch der Deutsche Aktienindex DAX gab am Montag zeitweise deutlich nach.

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Er glaube, dass das Coronavirus keine große Belastung für die Weltwirtschaft sei, hatte hingegen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in der vergangenen Woche gesagt.

Industrie- und Handelskammern warnen

Doch in Deutschland wächst die Sorge: “Viele Unternehmen prüfen, ob sie von den Folgen des Coronavirus betroffen sind,” bestätigte auch Volker Treier, Außenwirtschaftschef beim Industrie und Handelskammertag (DIHK) gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Ganz neu sei das Thema für die Wirtschaft nicht: “Vor allem im Ausland aktive Unternehmen haben das Thema seit einigen Wochen im Blick, schließlich sind die Betriebe mit Chinageschäft schon von den Auswirkungen betroffen – oder könnten es bald sein”, erklärte Treier weiter.

Unternehmen sorgen vor

“Wir bemerken, dass Unternehmen mit wesentlichen Lieferanten in der Region Task Forces aufbauen, um einen Produktionsausfall möglichst zu verhindern", sagte der stellvertretende Europa-Chef Michael Strohmer von Kearney. Die Analyse hatte die Beratungsgesellschaft allerdings vor Bekanntwerden des Ausbruchs in Italien erstellt.

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Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie setzte den Dax zu Wochenbeginn stark unter Druck.  © Reuters

Unter dem Strich halten sich die Auswirkungen auf die Produktion in Deutschland bislang allerdings in Grenzen. “Im Moment sind die Lieferketten noch nicht wirklich unterbrochen”, heißt es bei Kearney. Und Volkswagen gab am Montag sogar bekannt, dass die Produktion in China wieder anlaufe.

Sorge um die Autoindustrie

Zumindest für die Automobilindustrie wird das Virus noch aus einem anderen Grund zur Belastungsprobe: Weil die Nachfrage nach Fahrzeugen vor allem in Fernost sinkt, werde die weltweite Produktion wohl deutlich zurückgehen, prognostiziert Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöfer von der Universität St. Gallen.

Die deutsche Autoindustrie sei wegen des hohen China-Anteils von 35 Prozent am Gesamtumsatz besonders betroffen, so Dudenhöfer weiter. Er rechnet damit, dass die weltweite Produktion von um 2,7 Millionen Fahrzeuge auf 76,9 Millionen sinkt.

Volkswagen hält “erforderliche Materialien auf Vorrat”

Zugleich laufen informierten Kreisen zufolge auch in Deutschlands Unternehmen Vorbereitungen auf einen Corona-Ausbruch in der Bundesrepublik - auch wenn sich dazu kaum jemand offen äußern möchte. “Das Volkswagen Gesundheitswesen beobachtet die Entwicklung aufmerksam”, teilte der etwa der Autobauer aus Wolfsburg auf Anfrage vage mit.

VW verwies in dem Zusammenhang auf zahlreiche Regelungen für Dienstreisen nach China. Außerdem stimme sich das Unternehmen eng mit den deutschen Gesundheitsbehörden ab und halte für den Bedarfsfall die erforderlichen Materialien auf Vorrat, so ein Sprecher weiter.

Auch Lidl betroffen

Der Lebensmitteldiscounter Lidl bestätigte ebenfalls, Dienstreisen von und nach Italien bis auf Weiteres eingestellt zu haben. Zuerst berichtete das die „Heilbronner Stimme“ (Dienstag). Die Mitarbeiter habe man sensibilisiert, Hygienevorschriften einzuhalten und im Fall von Krankheitssymptomen rechtzeitig zum Arzt zu gehen.

Zudem habe Lidl in Italien am Freitag ein Lager und zwei Filialen südlich von Mailand geschlossen. Dies sei eine behördliche Präventionsmaßnahme im Rahmen der Gefahrenabwehr gewesen und habe nicht im Zusammenhang mit einer möglichen Ursache für die Ausbreitung des Coronavirus in der Region gestanden. In enger Abstimmung mit den Behörden habe eine Filiale den Betrieb inzwischen zeitweilig wieder aufgenommen, um die Lebensmittelversorgung der Menschen in den betroffenen Gebieten sicherzustellen.




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