Impfen beim Betriebsarzt: Unternehmen wollen so schnell wie möglich beginnen

  • Bei Volkswagen, bei BASF: In einigen wenigen betrieblichen Pilotprojekten werden Mitarbeiter bereits von Betriebsärzten geimpft.
  • Zahlreiche Unternehmen würden ebenfalls gerne so schnell wie möglich loslegen.
  • Doch bislang drückt die Politik auf die Bremse – auch, um eine Debatte über eine vermeintliche Privilegierung von Beschäftigten großer Unternehmen zu verhindern.
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Für die Werksärzte bei Daimler kann es gar nicht schnell genug gehen. Der Autobauer hat am Montag bereits mit der Registrierung der Beschäftigten für eine Corona-Impfung an den hiesigen Standorten begonnen. Die Stuttgarter sind nicht alleine. Zahlreiche Unternehmen wollen so schnell wie möglich ihre Belegschaft immunisieren. Und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger fordert, die Betriebsärzte den Hausärzten vorzuziehen.

„Wir stehen bereit – deutschlandweit sind im Vollbetrieb an allen Standorten täglich mehr als 3000 Impfungen möglich“, sagte Mehtap Krahe, die Daimlers Impfprojekt leitet. An sämtlichen deutschen Standorten seien Impfzentren und Impfstraßen so vorbereitet, dass nach der Zuteilung der Präparate „direkt mit der Impfung gestartet werden kann“, teilt Daimler mit. Der Konzern kehrt hervor, dass 70 Werksärzte und mehr als 200 medizinische Fachangestellte über große Expertise verfügten. Schließlich würden jährlich mehrere Tausend Impfungen vor geschäftlichen Reisen ins Ausland und Grippeimpfungen durchgeführt.

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In diese Richtung argumentiert auch Dulger: Betriebsärzte hätten guten Zugang zu den Beschäftigten. Impfungen auf betrieblicher Ebene genössen hohe Akzeptanz. „Zudem kann in diesen großen Strukturen deutlich effizienter geimpft werden als in Arztpraxen“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA). Die Schlussfolgerung daraus liegt nahe: Impfstoff nicht an Hausärzte, sondern prioritär an die Mediziner in den Unternehmen verteilen.

Privilegierung von Beschäftigten in großen Firmen befürchtet

Das ist für die Bundesregierung aber bislang ein Tabu. Auch Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens (SPD) machte am Montagmorgen in einem Interview mit dem Radiosender NDR Info klar, dass in ihrem Bundesland frühestens Ende Mai die Betriebsärzte beim Impfen zum Zuge kommen könnten, da dann erst genug Dosen zur Verfügung stünden, um auch die Priorisierung aufzugeben. Bis dahin gelte es aber, die gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu impfen. In dieser Diskussion spielt eine maßgebliche Rolle, dass manche Politiker eine Debatte über eine vermeintliche Privilegierung von Beschäftigten großer Unternehmen verhindern wollen – zumal eine immunisierte Belegschaft für die Firmen selbst viele Vorteile bringen kann.

Für Dulger zählt hingegen nun vor allem eins: Schnelligkeit. Betriebliche Impfungen würden maßgeblich zur „Beschleunigung der Durchimpfung der Bevölkerung“ beitragen, sagte er. Unterstützt wird er durch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU), der sich vor dem Impfgipfel am Montagnachmittag unter anderem für „Betriebsimpfungen“ starkgemacht hat. Denn in Unternehmen bestehe mit das größte Ansteckungsrisiko.

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Bisher nur wenige Pilotprojekte in Betrieben

Derzeit wir nur in wenigen betrieblichen Pilotprojekten geimpft – etwa bei Volkswagen an Standorten in Sachsen oder bei BASF am Stammsitz in Ludwigshafen; das Werk gilt als eine der größten Chemiefabriken in Europa. Vor wenigen Tagen begann dort die Kampagne mit etwa 400 Impfungen am Tag, die maximale Kapazität soll bei 600 liegen. Volkswagen hat sich sogar in seinem Stammwerk in Wolfsburg darauf vorbereitet, bis zu 15.000 Frauen und Männer wöchentlich zu impfen. Unter anderem auch der Chemiekonzern Bayer will zügig loslegen und dabei nicht nur die eigenen Leute, sondern auch deren Familienmitglieder und Beschäftigte von Fremdfirmen an Bayer-Standorten in die Impfaktionen einschließen. Ähnliches plant der Versicherungskonzern Allianz, der nach eigenen Angaben 27 Impfstraßen an 15 Standorten eingerichtet hat, die startklar seien.

Zahlreiche weitere Kooperationen sind bundesweit geplant. Es geht darum, gemeinsame Impfzentren einzurichten und sich bei der IT zu helfen, damit die Kommunikation mit den Behörden funktioniert. Viele kleinere Unternehmen sind nicht in der Lage, eine eigene Infrastruktur aufzubauen – schon allein weil es keinen eigenen Betriebsarzt gibt.

Noch steht nicht genügend Impfstoff für alle zur Verfügung

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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bislang allerdings immer wieder argumentiert, dass der Impfstoff noch zu knapp sei, um ihn auch an Betriebsärzte weiterzugeben. Doch Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) forderte unmittelbar vor dem Impfgipfel Spahn auf, Hürden für Betriebsärzte nun beiseitezuräumen: „Die Betriebe sind bereit und können und wollen sich in die Impfung einbringen“, heißt es laut dpa in einem Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium.

In Baden-Württemberg sollen in den nächsten Tagen erste Modellprojekte starten, bei denen Beschäftigte über 60 das Vakzin im Betrieb in den Oberarm gespritzt bekommen. Das Sozialministerium bittet die Bundesregierung auch dafür um schnelle Impfstofflieferung: In dem Bundesland können eine Million Dosen pro Woche verabreicht werden. Allerdings gibt es noch organisatorische Fragen zu klären. Zwar ist der Impfstoff kostenlos. Es muss aber noch geregelt werden, wie die Leistungen des medizinischen Personals abgerechnet werden. Außerdem fordert der Sozialminister, dass die Unternehmen nicht über den Umweg lokaler Impfzentren, sondern direkt vom Pharmagroßhandel und von Apotheken den Wirkstoff erhalten. Das Ministerium will am Mittwoch bei einem Stakeholder-Dialog mit Unternehmen und Betriebsärzten den Stand der Dinge erörtern. Auch Bayern plant, noch in dieser Woche das Impfen in mindestens zehn Betrieben zu starten. Firmen in Regionen mit hohen Inzidenzen sollen bevorzugt werden.

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