Corona-Impfung: Diese Unternehmen sichern die Logistik

  • Die Pharmahersteller haben mit Hochdruck Impfstoffe entwickelt – wenn diese zugelassen sind, schlägt die Stunde anderer Firmen.
  • Denn die Millionen Dosen Impfstoffe sicher gekühlt von der Produktionsstätte zum Impfzentrum zu bringen ist eine Mammutaufgabe.
  • Logistikunternehmen wie DHL und Lufthansa Cargo profitieren genauso wie Kühlspezialisten wie Va-Q-Tec und Binder.
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Die Zulassung des ersten Corona-Impfstoffs in der EU steht kurz bevor – und weitere könnten schon bald folgen. Wenn die Impfstoffe zur Verfügung stehen, muss der Rest der Lieferkette funktionieren. Und das stellt viele beteiligte Firmen vor große Herausforderungen.

Logistikunternehmen arbeiten an Konzepten für den Transport der hochsensiblen Güter, die, wie der Impfstoff von Biontech und Pfizer, bei minus 70 Grad gelagert werden müssen. Anbieter von Kühlcontainern und leistungsstarken Kühlgeräten fahren ihre Produktion hoch, um die Nachfrage bedienen zu können. Und auch die Hersteller von Spritzen sowie hochreinen Glasampullen sind derzeit extrem gefragt. Ein Überblick.

Verteilung und Lagerung: Eine Mammutaufgabe

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Die Impfstoffe gegen das Coronavirus müssen von den Produktionsstätten in aller Welt zunächst zu sogenannten Anlieferungszentren in Deutschland gebracht werden – davon sind laut Gesundheitsministerium bundesweit 27 geplant. Von dort werden sie dann weiter an die Impfzentren und an die mobilen Impfeinheiten in den Bundesländern verteilt.

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Dieser Transport ist eine Mammutaufgabe für die Logistikbranche. Den Großteil des Geschäfts werden wohl die Logistikriesen Deutsche Post DHL, Fedex, UPS sowie Kühne + Nagel unter sich aufteilen, weil diese Firmen sowohl Pharma-Geschäftszweige haben als auch einen gekühlten Transport sicherstellen können. Kühne + Nagel und DHL haben bereits mitgeteilt, dass sie erste Logistikverträge zu Covid-19-Impfstoffen abgeschlossen haben.

DHL schließt Vertrag mit Land Niedersachsen

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So hat das Land Niedersachsen mitgeteilt, mit DHL zu kooperieren. Die Deutsche-Post-Tochter werde rund 2,2 Millionen Impfdosen und etwa 350 Paletten Impfzubehör für das Land lagern und von dort zu den Impfstellen und Krankenhäusern transportieren, heißt es in einer Pressemitteilung. DHL plant demnach die Lagerung von Impfdosen in unterschiedlichen Temperaturbereichen. Je nach Impfstoff werden Kühlbereiche mit minus 70 Grad, minus 20 Grad und 2 bis 8 Grad bereitgestellt. Man bereite sich auch auf die Belieferung anderer Bundesländer vor, sagt Karsten Schwarz, CEO DHL Supply Chain für die Region Deutschland & Alpen. Die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss.

Lufthansa Cargo will Impfstoff nach Frankfurt fliegen

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Für den Transport der Impfstoffe aus anderen Ländern nach Deutschland könnte die Lufthansa-Frachttochter Cargo entscheidend werden. Denn aller Voraussicht nach würden größere Mengen der Impfstoffe in Mitteleuropa hergestellt, sagt Cargo-Chef Peter Gerber. „Für diesen Fall ist klar, dass die Lufthansa Cargo eine wichtige Rolle spielt.“ Dreh- und Angelpunkt wäre der Flughafen Frankfurt, wo derzeit rund 14.000 Quadratmeter „temperaturgeführte“ Umschlagkapazitäten zur Verfügung stünden.

Gerber rechnet mit einem Höhepunkt der Transportaufträge zwischen Mai und Oktober 2021. „Die Ausschreibungen laufen bereits. Auf diese haben wir uns natürlich gemeldet und ich gehe davon aus, dass es da in Kürze zu den ersten Abschlüssen kommen wird“, sagte er der dpa.

Va-Q-Tec sorgt für Kühlung unterwegs

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Auf dem Transportweg müssen die Impfstoffe ausreichend gekühlt werden. Entsprechende Kühlboxen und -container stellt die Würzburger Firma Va-Q-Tec schon seit 20 Jahren her. Bis zu zehn Tage lang können die Behälter in ihrem Inneren eine Temperatur von minus 70 Grad halten, ohne dass man dafür noch einmal Energie zuführen müsste. „Unsere Hochleistungskühlboxen basieren, vereinfacht gesagt, auf einem simplen Prinzip: dem Prinzip Thermoskanne“, sagt Unternehmensgründer Joachim Kuhn.

Mit einem der größten Pharmahersteller habe man bereits einen Vertrag abschlossen. Mehrere Tausende der Hochleistungstransportcontainer seinen voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2021 für den Hersteller im Einsatz. Mit etwa einem Dutzend weiterer Pharmafirmen sei man in Verhandlungen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Entsprechend begehrt ist Va-Q-Tec derzeit an der Börse. Im November kletterte der Aktienkurs um knapp 85 Prozent – um dann im Dezember wieder abzufallen als klar wurde, dass Biontech und Pfizer statt 100 Millionen doch nur 50 Millionen Impfdosen bis zum Ende des Jahres werden liefern können.

Tritec: „Unsere Lager sind leer“

Aber auch die Impfzentren vor Ort müssen Kühlgeräte haben, um die empfindlichen Vakzine lagern zu können. Deshalb verzeichnen Firmen wie der niedersächsische Hersteller Tritec eine deutlich höhere Nachfrage. Tritec stellt Kühlschränke und Ultratiefkühlschränke speziell für Labore, Blutbanken und Krankenhäuser her.

Die Firma Tritec liefert Spezialkühlschränke für den Corona-Impfstoff. © Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Die Geräte, deren Preis im Schnitt im niedrig fünfstelligen Bereich liegt, werden in der Regel erst auf Bestellung hergestellt. „Für alles, was wir in diesem Jahr noch liefern können, sind die Auftragsbücher komplett voll“, sagt Geschäftsführerin Birgitt Nolden. In den vergangenen vier Wochen habe sich die Zahl der Aufträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. „Unsere Lager sind leergefegt.“

Nach Angaben von Tritec wird pro Impfzentrum mindestens ein Tiefkühlschrank bis minus 70 Grad, ein Tiefkühlschrank bis minus 20 Grad und ein Medikamentenkühlschrank bis plus 5 Grad benötigt. „Wenn man sich für alles wappnen möchte, müsste man sich das anschaffen“, sagt Nolden.

Binder: Kühlschränke funktionieren auch bei Stromausfall

Ein großer Wettbewerber ist das badische Unternehmen Binder. Die Firma stellt ebenfalls Spezialkühlschränke für medizinische Zwecke her. Dabei geht es vor allem um Sicherheit: „Wenn zum Beispiel der Strom ausfallen würde, darf das was drin ist – und das sehr wertvoll ist – nicht kaputtgehen. Die Isolierung stellt sicher, dass 24 Stunden nichts auftaut“, erklärte Vizepräsident Peter Wimmer gegenüber dem SWR. Um die immense Nachfrage zu decken, habe Binder die Produktion kräftig hochgefahren. „Mehrarbeit, Sonderschichten, Leiharbeiter, Überstunden – alle diese Dinge, die flexibel sind, nutzen wir“, so Firmengründer Peter Binder gegenüber dem Sender.

Schott liefert bis zu zwei Milliarden Glasampullen

Um den Impfstoff abzufüllen, sind außerdem Ampullen aus Spezialglas nötig. Die Firma Schott aus Mainz, aber auch der Börsenkonzern Gerresheimer haben sich auf solche Laborutensilien spezialisiert und gehören zu den Weltmarktführern.

Schott hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten schon 350 Millionen Euro in die Erweiterung der Produktionskapazitäten investiert, um bestmöglich auf die bevorstehende Ausgabe von Covid-19-Impfstoffen vorbereitet zu sein. So könnte man nun bis zu zwei Milliarden Fläschchen bis Ende kommenden Jahres zur Verfügung stellen. Mehr als 100 Unternehmen, die an einem Impfstoff geforscht haben oder forschen, hätten bei Schott Verpackungen angefragt, so Unternehmenssprecher Salvatore Ruggiero gegenüber dem SWR.

Aktie von Gerresheimer profitiert

Das Besondere an den Impfstofffläschchen ist das hochreine Glas. Denn keine Partikel sollen sich mit dem Impfstoff vermischen. Mit diesem sogenannten Borosilikatglas arbeitet auch der deutsche Wettbewerber Gerresheimer. Der börsennotierte Verpackungshersteller rechnet damit, in den nächsten zwei Jahren bis zu einer Milliarde Injektionsfläschchen für Covid-19-Impfstoffe auszuliefern. Solche Nachrichten mögen Aktionäre: Auch die Papiere von Gerresheimer haben binnen Jahresfrist mehr als 40 Prozent zugelegt.

Der börsennotierte deutsche Konzern Gerresheimer stellt Verpackungen für den Medizinbereich her. © Quelle: -/Gerresheimer/dpa

Kein Engpass bei Spritzen

Der letzte Schritt in der Organisation der Impfung gegen das Coronavirus ist die Injektion selbst – und dafür braucht man Spritzen und Kanülen. Weltmarktführer dafür ist der amerikanische Hersteller Becton Dickinson (BD). Die Nummer zwei am Markt ist das deutsche Unternehmen B. Braun, zusammen versorgen die Firmen rund 80 Prozent des Weltmarktes ohne China. Die Volksrepublik hat eigene Spritzenhersteller.

Einen Engpass bei Spritzen erwartet Matthias Klumpp vom Fraunhofer-Institut indes nicht. „Es werden pro Tag in Deutschland allein bei den beiden führenden Herstellern BD und B. Braun zehn Millionen Spritzen produziert, da sind etwa 500.000 mehr für die Corona-Impfungen kein Problem – zumal aktuell ein Produktionsüberhang besteht, da insgesamt im Lockdown weniger Arztbesuche und Behandlungen stattfinden“, sagte er im Interview mit dem Fachmagazin Capital.

mit dpa

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