Wegen Hamsterkäufen: Handel macht 700 Prozent mehr Umsatz mit Klopapier

  • Die Produzenten von Toilettenpapier profitieren von der Corona-Krise: Allein in der Zeit von Februar bis März hat sich ihr Absatz um 700 Prozent erhöht.
  • Grund dafür sind sogenannte Hamsterkäufe zahlreicher Verbraucher, die entgegen allen Empfehlungen neben Nudeln auch Klopapier horten.
  • Der Handel kommt mit dem Auffüllen der Regale nur schwer hinterher. Zahlreiche Läden haben deshalb die Abgabemengen pro Kunde begrenzt.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Gewinner der Corona-Krise sind die Hersteller von Toilettenpapier. Sogenannte Hamsterkäufe beim Hygieneartikel haben den Absatz massiv erhöht. Von Februar zum März 2020 sei eine Steigerung um 700 Prozent zu verzeichnen, sagte Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), ohne genaue Zahlen zu nennen.

Kein Grund zur Panik: Hamsterkäufe sind unnötig

Video
Der Hamster in uns: Panikkäufe und Corona
0:44 min
„Hamstern“ beschreibt das Horten von Lebensmitteln oder knapp werdenden Dingen. Das Horten von Dingen hat eine lange Tradition.  © RND
Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Das Toilettenpapier nehme beim Kaufverhalten der Deutschen eine Sonderstellung ein, so der Sprecher. Wegen der Angst, man dürfe irgendwann nicht mehr das Haus verlassen, werde gebunkert. Es entstehe eine paradoxe Situation. Böttcher: "Einige wissen nicht, wohin damit. Andere haben zu wenig."

In der Corona-Krise wird Klopapier zur Mangelware

Die Corona-Krise hat in Deutschland in den vergangenen Wochen die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Toilettenpapier, aber auch nach Nudeln und Dosentomaten regelrecht explodieren lassen. Das ging bereits aus aktuellen Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlichte. Danach kauften die Verbraucher in der vergangenen Woche mehr als vier mal so viel Seife und mehr als drei mal so viel Toilettenpapier wie im Durchschnitt der vorangegangenen sechs Monate. Die Statistiker stützten sich auf eine Auswertung digital verfügbarer Kassendaten.

Deutsche kaufen dreimal so viel Toilettenpapier

Anzeige

Rund jeder dritte Verbraucher in Deutschland stockte in der vergangenen Woche angesichts der Corona-Krise seine Lebensmittelvorräte noch einmal auf. Bei Hygieneartikeln kaufte dagegen nur jeder Sechste mehr als sonst. Das ist das Ergebnis eines am Mittwoch veröffentlichten „Corona Consumer Checks“, für den das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) 1000 repräsentativ ausgewählte Personen befragte. Grund für die Hamsterkäufe sei offenbar die Befürchtung gewesen, nicht mehr wie gewohnt einkaufen zu können, erklärte das IFH.

Coronavirus: Immer informiert
Abonnieren Sie Updates für das Thema "Coronavirus" und wir benachrichtigen Sie bei neuen Entwicklungen
Anzeige

Konsumsoziologe: “Grenzwertiges Verhalten”

Der Berliner Konsumsoziologe Kai-Uwe Hellmann sieht in den Toilettenpapier-Hamsterkäufen in der Corona-Krise indes ein „grenzwertiges, beinahe pathologisches Verhalten“. „Die Leute, die acht Packungen Klopapier kaufen, reagieren völlig überdreht. Die Wahrnehmung dieser Menschen hat mit der Realität nicht viel zu tun“, sagte Hellmann in Berlin. Die Angst vor Lebensmittel- oder Hygieneartikel-Knappheit sei nicht gedeckt durch den aktuellen Stand der Lebensmittelversorgung, die zurzeit offensichtlich nicht infrage steht.

Diebe stehlen öfter Klopapier

Anzeige

In einigen Bundesländern kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Diebstählen von Klopapier. Erst am Mittwoch hatten Einbrecher in Gummersbach 20 Rollen Klopapier aus einem Toilettenwagen gestohlen. Der Wagen habe auf einem leerstehenden Kirmesgelände gestanden, erklärte die Polizei am Mittwoch. „In dem Toilettenwagen hatten es die Diebe nur auf eines abgesehen - Klopapier“, schrieben die Ermittler. In Würselen etwa schlugen Täter eine Autoscheibe ein, um an mehrere Rollen zu kommen.

Handel begrenzt Abgabe von Klopapier

In Drogerien und Supermärkten ist Toilettenpapier zurzeit bundesweit Mangelware. Grund dafür sind Hamsterkäufe der vergangenen Wochen aufgrund derer der Handel nach eigenen Angaben mit dem Auffüllen der Bestände nicht nachkommt. Zahlreiche Händler haben die Abgabe an Kunden in der Folge auf Einzelstückzahlen begrenzt.

RND/dpa/epd

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen