Trotz Corona: Eigenheime werden immer teurer

  • Mitten in der Corona-Krise kommt Bewegung auf den Immobilienmarkt.
  • Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser sind im dritten Quartal um 8,6 Prozent gestiegen.
  • Zugleich ist die Zeit der steigenden Mieten offenbar vorbei, und Mietwohnungen werden wieder etwas günstiger.
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Auf dem Immobilienmarkt tut sich was: Ein- und Zweifamilienhäuser sind im dritten Quartal noch einmal teurer geworden – und zwar im Bundesdurchschnitt um 8,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das geht aus einer Analyse des Forschungs- und Beratungsunternehmens F+B hervor. „Wir sind der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat“, sagt Geschäftsführer Bernd Leutner. Zugleich ist die Zeit der exorbitant steigenden Mieten offenbar vorbei.

Eigentumswohnungen beliebt wie nie

Der Boom bei den Eigenheimen ist in mehrfacher Hinsicht erstaunlich: Sie haben über mehr als zehn Jahre ohnehin schon eine konstante Wertsteigerung hingelegt. Das wurde zunächst mit dem ebenso konstanten Wirtschaftswachstum bei historisch niedrigen Zinsen erklärt. Immobilienfachleute mutmaßten, dass mit dem coronabedingten Konjunktureinbruch der Boom zu Ende geht. Das Gegenteil trat ein, wobei die Hilfsmaßnahmen des Staates von Volkswirten als ein wesentlicher Faktor betrachtet werden. Bemerkenswert ist auch, dass sich Eigentumswohnungen laut F+B binnen zwölf Monaten nur um 5,5 Prozent verteuert haben. Dabei war es hier in der Langfristbetrachtung lange deutlich steiler mit den Preisen nach oben gegangen als bei Eigenheimen. Aber teure Eigentumswohnungen werden vor allem in großen Städten offeriert. Und deren Attraktivität hat wegen Corona offenbar nachgelassen.

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Dazu passt, dass auch laut der Internetplattform Immobilienscout 24 im Frühjahr die Suchanfragen nach Eigenheimen zeitweise um 50 Prozent über den Werten des Vorjahres lagen, schwerpunktmäßig wurde in den Speckgürteln der großen Städte gesucht. Für viele Experten gilt es mittlerweile auch als erwiesen, dass Corona Arbeits- und Lebensweisen dauerhaft verändert: Homeoffice wird für viele zur Normalität. Berufstätige müssen seltener zum Arbeitsplatz pendeln. „Fällt der Weg ins Büro weg, bedeutet dies auch weniger Nachteile, wenn man in der Peripherie wohnt“, so Claus Michelsen, Immobilienexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Homeoffice-Lösungen in großem Maß bei Jobs in gehobenen Positionen naheliegend sind. Und das ist auch genau die Klientel, die sich das Häuschen im Grünen mit ausreichend Platz für das Heimbüro leisten kann.

Mietwohnungen werden nicht mehr teurer

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Gegenläufige Tendenzen sind bei Mietwohnungen zu erkennen. „Nach einer nunmehr zweijährigen Stagnationsphase sinken die Neuvertragsmieten im Vergleich der Quartale Q3/2020 zu Q2/2020 um 0,9 Prozent“, so die F+B-Experten, die unter anderem Kommunen bei der Berechnung von Mietspiegeln beraten. Leutners Kommentar zu diesen Zahlen: „Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen endgültig der Vergangenheit an.

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„In 28 der 50 teuersten Städte ging es nach unten – dieser Anteil hat sich seit Anfang des Jahres kontinuierlich erhöht. Ohne die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen hätte es nach F+B-Einschätzung sogar noch stärkere Rückgänge gegeben. Mit einem Minus von 1,6 Prozent im Quartalsvergleich verzeichnete München schwere Abschläge. Trotzdem ist die bayerische Hauptstadt noch immer das mit Abstand teuerste Pflaster hierzulande – 16 Euro pro Quadratmeter und Monat für eine 75 Quadratmeter große Standardwohnung. Im ebenfalls teuren Frankfurt (zwölf Euro) gab es zwar einen leichten Anstieg bei den Mieten, er fiel aber erheblich moderater aus als in den vergangenen zwei Jahren. Das zeigt: Gerade in den teuren Städten sind offenbar auch für Besserverdiener Schmerzgrenzen beim Mietpreis erreicht. Eine schwächere Nachfrage wegen Corona dürfte zusätzlich für Abschläge sorgen.

Mieten sinken in Berlin am schnellsten

Am deutlichsten nach unten geht es in Berlin, trotz eines recht niedrigen Durchschnitts von 8,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Minus 3,1 Prozent zum Vorquartal und minus 5,3 Prozent zum Vorjahresquartal hat F+B errechnet. Dies sei, so die Immobilienexperten, „als Auswirkung des Mietendeckels in seiner ersten Stufe zu interpretieren“.

Gestern wurde die zweite Stufe gezündet: Jetzt kann auch noch die Absenkung von monatlichen Zahlungen durchgesetzt werden, sofern sich diese als „überhöht“ definieren lassen. Der Berliner Senat geht davon aus, dass dies bei rund 340.000 Wohnungen der Fall sein dürfte. F+B hat nachgerechnet und kommt auf sogar 512.000 Einheiten, was einem Drittel des Bestandes der relevanten Wohnungen entspreche. Das Gesamtpotenzial der Absenkungen liege bei etwa 250 Millionen Euro pro Jahr. Vor allem Mieter, die in einer der 165.000 gut ausgestatteten Altbauwohnungen leben, würden davon profitieren.

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