Deutsche Maskenhersteller bangen um Zukunft ihrer Produktion

  • Noch im Frühjahr 2020 war medizinische Schutzausrüstung in Deutschland rar.
  • Infolgedessen wurde eine heimische Produktion aufgebaut.
  • Viele Hersteller müssen aber wohl schon Ende des Jahres aufhören – die Produktion rentiert sich nicht, und die Bundesregierung will keine Abnahme garantieren.
Anzeige
Anzeige

Berlin. Im Frühjahr 2020 gelangte die Corona-Pandemie auch nach Deutschland – und die Bundesrepublik war schlecht darauf vorbereitet. Es fehlte an medizinischer Ausrüstung. Besonders Schutzmasken waren rar und mussten im Ausland eingekauft werden.

Laut dem Deutschen Maskenverband bauten infolgedessen 180 Unternehmen in Deutschland eine Produktion auf – viele werden den Betrieb aber wohl schon Ende des Jahres einstellen müssen, wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel” berichtet.

Der Bund rief die „Bundesförderung von Produktionsanlagen und dem Patientenschutz dienender Medizinprodukte sowie deren Vorprodukte” ins Leben und stellte dafür etwa 40 Millionen Euro bereit. Die Inanspruchnahme der Förderung war aber an die Abmachung gekoppelt, bis Ende 2025 ausschließlich für den europäischen Binnenmarkt zu produzieren.

Einfache OP-Masken aus China hätten derzeit einen Stückpreis von rund 2,5 Cent. In Deutschland seien allein die Herstellungskosten etwa dreimal so hoch, zitiert der „Spiegel” den Manager des Medizinproduktegroßhändlers Medika, Michael Koch. In Deutschland produzierte FFP2-Masken seien sogar fünfmal so teuer wie vergleichbare Produkte aus China. Die Qualität der beschafften Masken aus China wurde jedoch schon gehäuft kritisiert.

Anzeige
Die Pandemie und wir Unser Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

Der Bund garantierte den Unternehmen eine Abnahme bis Ende 2021. Auch soll eine nationale Reserve für medizinische Ausrüstung angelegt werden. Über 2021 hinaus will sich der Bund aber nicht auf eine garantierte Abnahme festlegen – denn der Preis entscheidet.

Anzeige

Für die Unternehmen, die eine Maskenproduktion aufgebaut haben, könnte das Geschäftsmodell also unrentabel werden. „Wir werden dann wahrscheinlich die Maschinen abdecken, und sie werden dort verstauben”, sagte Michael Koch dem „Spiegel”.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann stellte eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung und erhielt vom Bundesgesundheitsministerium die Antwort: „Da alle Vergabeverfahren dem nationalen und europäischen Vergaberecht unterliegen, kann die Bundesregierung nicht pauschal eine prozentuale Priorisierung nationaler Hersteller vornehmen.”

Hoffmann kritisiert das Verfahren der Bundesregierung: Es habe die nationale Reserve bereits mit „Schrottmasken gefüllt, die der Gesundheitsminister nicht wegwerfen wollte.” Es brauche dringend eine europäische Produktion, die unabhängig von anderen Märkten existiere, so Hoffmann.

RND/sic

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen