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Wirtschaftsforscher: „Delta-Variante ohne Zweifel das derzeit größte Risiko für die Konjunktur“

Gesperrt ist die Gastronomie derzeit nicht – doch was, wenn es wegen der Delta-Variante wieder so weit kommt?

Hannover.In Großbritannien grassiert weiterhin die sogenannte Pingdemie: Immer öfter benachrichtigt die Corona-App Nutzerinnen und Nutzer über Risikokontakte, schließlich breitet sich die Delta-Variante des Coronavirus auf der Insel rasend schnell aus. Und weil das ständige Pingen der Smartphones meist mit einer Quarantäne einhergeht, fehlen der BBC zufolge derzeit Hunderttausende am Arbeitsplatz. Das wirft ein Schlaglicht darauf, wie schwer es ist, mit der hoch-ansteckenden Delta-Variante zu leben – was zunehmend auch deutschen Ökonominnen und Ökonomen Kopfzerbrechen bereitet.

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Denn derzeit impft die Bundesrepublik gegen eine Delta-Welle an. „Wir sehen aber in Großbritannien gerade, dass trotz relativ hoher Impfquoten nicht nur die Zahl der Infektionen schnell steigt, sondern auch die der Krankenhauseinweisungen zuzunehmen beginnt“, warnte Jürgen Matthes vom arbeitgebernahen Institut für Wirtschaft (IW) in Köln gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Und so entscheidet sich im Vereinigten Königreich gerade, „ob man mit der nächsten Welle nicht umgehen kann wie mit einer Grippesaison“, wie es Matthes formulierte.

Verdirbt Delta die Konsumlaune?

Während das IW Matthes zufolge die Situation genau, „aber noch nicht mit großer Sorge“ beobachtet, sind Experten des gewerkschaftsnahen IMK-Institut skeptischer. „Die Delta-Variante ist ohne Zweifel das derzeit größte Risiko für die Konjunktur“, ist IMK-Forscher Thomas Theobald überzeugt. Das IMK hatte zuletzt prognostiziert, dass sich der Konsum ab Sommer zur Stütze der Konjunktur entwickeln würde. „Aber genau da sehen wir nun Risiken“, erklärte Theobald mit Blick auf Ansteckungsängste bei Kunden oder gar erneute erneute Einschränkungen wie Lockdowns.

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Die sind in Deutschland bislang nicht geplant, aber auch hier steigt die Zahl der Neuinfektionen stark an. Völlig ausgeschlossen sind erneute Einschränkungen deshalb auf lange Sicht nicht. „Ob neue Restriktionen kommen, entscheidet am Ende die Politik. Die war in Deutschland bislang allerdings risikoaverser als in Großbritannien“, meint etwa Matthes.

Schulen bleiben Risikogebiete

Deutlicher wurde die Wirtschaftsweise Veronika Grimm gegenüber dem RND zu möglichen Schulschließungen. Die gehen ebenso mit Bildungsverlusten bei Kindern wie mit Betreuungsproblemen für Beschäftigte einher. „Ich glaube nicht, dass wir in Deutschland entscheiden werden, das Virus ungebremst durch die Schulen laufen zu lassen – am Ende kommt es dann doch zu weiteren Bildungsverlusten, mit all den Folgen für die betroffenen Schüler und hohen zukünftigen Kosten für die Volkswirtschaft“, sagte die Nürnberger Ökonomin.

„Gerade bei niedrigen Inzidenzen sollte das Testen in Schulen, nach Reisen und bei Veranstaltungen und auch für Ungeimpfte im Betrieb zur Routine werden, um schnell auf eine mögliche neue Dynamik des Infektionsgeschehens reagieren zu können“, forderte Grimm deshalb. Dringend notwendig sei an Schulen außerdem ein Umstieg auf die zuverlässigeren, poolweise ausgewerteten PCR-Tests. Die Ausstattung der Klassenzimmer müsse ebenfalls schon jetzt mehr Aufmerksamkeit erhalten.

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Erste Rufe nach mehr Homeoffice

Auch beim IMK und beim IW sieht man weiter Handlungsbedarf. Harte Einschränkungen will IW-Experte Matthes zwar vermeiden, aber Testpflichten und Kontrollen ergäben durchaus Sinn, ebenso wie Anreize, um die Impfquote zu erhöhen. „Eigentlich sollte man auch an die Arbeitgeber appellieren, die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen, wenn Präsenzarbeit nicht unbedingt nötig ist“, schlug IMK-Forscher Theobald vor.

Wie Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch erklärte, hat sich das Bundeskabinett zumindest auf eine weitestgehende Beibehaltung der Quarantäneregeln für Reiserückkehrer geeinigt. Eine Fortführung oder ein Ausbau der Teststrategie seien ebenfalls im Gespräch, sein Ministerium befürworte das auch, sagte Spahn bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Spahn warnt vor Corona-Inzidenz von mehr als 800 im Oktober

Gesundheitsminister Jens Spahn hat vor einem drastischen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland gewarnt.

Deren Anlass war indes die Vorstellung der sogenannten „Nationalen Reserve Gesundheitsschutz“. Denn mit Blick auf Masken und andere Schutzkleidung will die Bundesregierung künftig besser vorsorgen und entsprechende Lagerbestände aufbauen.

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