Keine Zulassung für Impfstoff: Curevac gibt vorerst auf

  • Curevac hat angekündigt, seinen bereits entwickelten Corona-Impfstoff nicht mehr auf den Markt zu bringen.
  • Zuvor hatten sich Zweifel gemehrt, ob das Vakzin der ersten Generation überhaupt wirksam genug ist.
  • Nun soll es ein neuer und dem Unternehmen zufolge besserer Impfstoff richten.
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Hannover. Zeitnah wird es keinen Corona-Impfstoff von Curevac geben. Das Tübinger Unternehmen, einst Hoffnungsträger im Kampf gegen die Pandemie, hat am Dienstag erklärt, keine Zulassung für sein mRNA-Vakzin der ersten Generation mehr anzustreben. Die Hoffnungen ruhen nun auf einer möglichen zweiten Impfstoffgeneration.

Bei CVnCoV, dem Vakzin der ersten Generation, hatte sich schon im Sommer eine niedrige Wirksamkeit abgezeichnet. Laut Zwischenergebnissen klinischer Studien lag sie bei 48 Prozent, zu wenig für eine Zulassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). „Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern“, hoffte Curevac-Vorstandschef Franz-Werner Haas damals.

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Rückzug aus dem Zulassungsverfahren

Am Dienstag folgte die ernüchternde Ankündigung: „CVnCoV wird aus dem laufenden Zulassungsverfahren bei der EMA zurückgezogen“, erklärte Curevac per Pressemitteilung. Hintergrund sei eine „aktuelle Information“ der EMA, der zufolge frühestens im zweiten Quartal 2022 eine Zulassung realistisch sei. „Wir kommen in dieser Pandemie nicht mehr zum Tragen“, sagte Haas in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Dabei war Curevac einst ein Hoffnungsträger: Kurz nach Ausbruch der Pandemie hatte das unter anderem von SAP-Gründer Dietmar Hopp unterstützte Unternehmen bekannt gegeben, an einem Impfstoff zu feilen. Mit 300 Millionen Euro stieg der Bund damals bei dem Unternehmen ein, bis heute hält die Kreditanstalt für Wiederaufbau 16 Prozent der Anteile.

Auch flossen knapp 200 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium. Und die EU-Kommission griff Curevac unter die Arme, garantierte per Vorverkaufsvertrag die Abnahme von Impfstoff im Wert von 450 Millionen Euro.

Andere waren schneller

Doch das Rennen um den Impfstoff haben vorerst andere Hersteller gewonnen: Biontech/Pfizer und Moderna haben bereits Milliarden Dosen mRNA-Impfstoff auf den Markt gebracht, konnten auf bis zu 95 Prozent Wirksamkeit verweisen. Warum das bei Curevac nicht klappte, ist unklar. Anders als die Konkurrenz setzten die Tübinger bislang auf einen Impfstoff mit unmodifizierter mRNA. Diese wird tendenziell schneller vom Immunsystem des Körpers zerstört – was bei Impfstoffen zu einer geringeren Wirksamkeit führen könnte.

„Der weltweite Kampf gegen Covid-19 geht weiter“, betonte Haas allerdings bei der Pressekonferenz. Curevac wolle sich nun voll auf die Entwicklung eines Impfstoffs der zweiten Generation konzentrieren. Erste präklinische Tests hätten gezeigt, dass der sogenannte CV2CoV-Impfstoff deutlich mehr Potential habe und das Immunsystem bei ihm eine bessere und ausgewogenere Reaktion zeige, auch mit Blick auf den Schutz vor der Deltavariante des Coronavirus.

Neuer Impfstoff geplant

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Bis CV2CoV auf den Markt kommt, dürfte aber noch mindestens ein Jahr vergehen – ein Jahr, in dem weltweit andere Vakzine verimpft werden. Deshalb spricht man bei Curevac nicht mehr davon, Teil der Pandemiebekämpfung zu sein. Vielmehr gehe es künftig um eine endemische Lage, in der immer wieder vulnerable Personen geschützt und Ausbrüche bekämpft werden müssten. Wenn es nach Curevac geht, möglichst mit CV2CoV – einem eher preiswerten Impfstoff, wie Entwicklungsleiterin Mariola Fotin-Mlezek betonte.

Ob sich die Hoffnungen erfüllen, wird sich noch zeigen müssen, auch wenn man beim Curevac-Partner Glaxosmith Kline (GSK) den Schritt begrüßte: „Im Vergleich zu Curevacs Impfstoffkandidaten der ersten Generation CVnCoV zeigte CV2CoV deutliche Verbesserungen in präklinischen Tests“, sagte dort der wissenschaftliche Leiter Rina Rappuoli.

Curevac-Aktie stürzt ab

Die Finanzmärkte reagierten indes skeptischer, die Aktie von Curevac fiel bis zum Nachmittag um 7 Prozent, seit Jahresbeginn hat sie mehr als die Hälfte an Wert verloren. Auch ist unklar, ob der nun möglicherweise endende Liefervertrag mit der EU in Rückzahlungen von Curevac mündet.

Und dann ist da noch der vorproduzierte Impfstoff, den Curevac nun wegwerfen muss: „Ohne Zulassung können wir den natürlich nirgendwo hingeben“, sagte Haas.

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