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Nach Siemens: Auch Dax-Konzern Infineon zahlt Mitarbeitern freiwillig Corona-Bonus

  • Nach den Angestellten von Siemens erhält nun auch das Fabrikpersonal von Infineon eine freiwillige Sonderzahlung.
  • Mit bis zu 1000 Euro pro Kopf honoriert der Chipkonzern, dass Mitarbeiter während der Ausgangssperren zum Teil in den Fabriken übernachteten.
  • Infineon profitiert teilweise sogar von der Corona-Krise.
Thomas Magenheim-Hörmann
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Der Münchner Chipkonzern Infineon zahlt seinen 20.500 Fabrikarbeitern pro Kopf bis zu 1000 Euro Corona-Bonus. Nach Siemens ist es der zweite Dax-Konzern, der eine solche freiwillige Anerkennung für fast die Hälfte der weltweit 46.665 Beschäftigten zahlt. Im ersten Höhepunkt der Krise hätten Mitarbeiter wegen Ausgangssperren teils in den Chipfabriken übernachtet, begründete Konzernchef Reinhard Ploss die Sonderbehandlung des Fertigungspersonals.

Leisten können sich die Münchner die Boni in insgesamt zweistelliger Millionenhöhe, weil sie im Geschäftsjahr 2019/20 (zum 30. September) der Pandemie geschäftlich weitgehend getrotzt haben. Die Umsätze gingen auf vergleichbarer Basis um rund 4 Prozent zurück, wuchsen unter dem Strich aber wegen eines Zukaufs um 7 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro.

Infineon plant 10,5 Milliarden Euro Umsatz

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Der Jahresüberschuss sank um weit mehr als die Hälfte auf 368 Millionen Euro. Er war aber auch von der Milliardenübernahme des US-Wettbewerbers Cypress belastet. Die wahre Ertragskraft von Infineon gibt die operative Gewinnmarge wieder, die im Jahresvergleich moderat von 16,4 auf 13,7 Prozent gesunken ist und im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 mit 16,5 Prozent wieder auf das Vorkrisenniveau steigen soll. Inklusive der Cypress-Geschäfte peilt Ploss dieses Geschäftsjahr zudem 10,5 Milliarden Euro Umsatz an.

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Als großer Autozulieferer haben die Münchner zwar im Corona-Jahr auch unter dem zeitweisen Einbruch der globalen Autoproduktion gelitten. Der hat aber nicht alle Arten von Fahrzeugen getroffen. Denn Elektroautos erfreuen sich immer größerer Nachfrage vor allem in Europa, freut sich Ploss. „In einem Elektroauto sind 80 Prozent mehr Chips verbaut als in Verbrennern“, erklärt er. Für mehr Chips je Gefährt sorgt mit zunehmenden Vorstufen des autonomen Fahrens noch ein weiterer Trend, der die Schwäche der Autoindustrie aus Sicht eines Chipkonzerns deutlich abfedert.

Corona-Krise-taugliche Produkte

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Zudem habe sich die Autoindustrie in den letzten Monaten stärker und schneller erholt als erwartet, sagt Ploss. Andere Industrien, denen Infineon zuliefert, würden zwar noch schwächeln. Aber Infineon habe auch da Produkte im Programm, die speziell in Corona-Zeiten gefragt sind. Besonders hob Ploss einen mit bisher ungekannter Genauigkeit messenden Sensor für Kohlendioxid (CO₂) hervor, der mit dem CO₂-Gehalt der Luft automatisch auch deren Aerosolgehalt bestimmt. Er signalisiert damit, wie viele Coronaviren potenziell in Raumluft enthalten sind.

Der in Echtzeit messende Sensor eigne sich für einen flächendeckenden Einsatz in Schulen oder anderen Einrichtungen, um bei kritischer Aerosolkonzentration zu alarmieren, preist Ploss die Innovation. Nachgefragt werde sie allerdings bislang kaum, was ihn verwundert. Infineon setzt den Sensor nun erst einmal im eigenen Betrieb ein, um das dortige Personal zu schützen. Das ist durch einen zeitweisen Einstellungsstopp zahlenmäßig binnen Jahresfrist leicht um 65 Stellen geschrumpft. Gespart hat Infineon auch durch das Verschieben von Gehaltserhöhungen für Tarifbeschäftigte und das Aussetzen von Vergütungserhöhungen für Manager. Knapp 150 Millionen Euro Ersparnis sind so zusammengekommen. Aktionäre erhalten mit 27 Cent für 2019/20 5 Cent weniger Dividende je Aktie.

Infineon kommt gut durch die Krise

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Aber im Vergleich zu anderen Konzernen auch im Dax kommen bei Infineon von Beschäftigten bis Aktionären alle relativ schmerzlos durch die Corona-Krise. „Unser Geschäft ist robust und konzentriert auf langfristige Wachstumsfelder“, betont Ploss. Das gelte vor allem für Digitalisierung, Elektromobilität und Energieeffizienz. Mit den Produkten des Zukaufs Cypress könne Infineon nun auch komplette Systeme für das Internet der Dinge anbieten. „Wir haben das weltweit breiteste Produktportfolio dafür und konkrete Ausbaupläne“, sagt der Konzernchef und blickt trotz der zweiten Pandemiewelle optimistisch nach vorne.

RND

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