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Corona-Pandemie befördert Stadtflucht und Wunsch nach größeren Wohnungen

  • Die Corona-Pandemie verändert die Arbeitswelt – und damit die Vorlieben bei der Wohnungssuche.
  • Gefragt sind größere Wohnungen mit Arbeitszimmer.
  • Auch das Leben auf dem Land wird beliebter.
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München/Hamburg. Die Corona-Pandemie verstärkt zwei für Stadt- und Verkehrsplaner unerfreuliche Trends: die Stadtflucht und das Bedürfnis nach größeren Wohnungen. Das berichten Immobilienmakler und die Ökonomen des Münchner Ifo-Instituts gleichermaßen. Ein maßgeblicher Faktor dabei: die Arbeit im Heimbüro.

„Es gibt kein Massenrollen der Möbelwägen, aber eine gewisse Verlagerung ergibt sich“, sagt Stephan Kippes, der Marktforscher des Immobilienverbands IVD Süd in München. Die in dem Verband organisierten Makler registrieren in den vergangenen Monaten sowohl deutlich gestiegenes Interesse an Wohnungen und Häusern im Umland Münchens und anderer großer bayerischer Städte als auch Anfragen nach größeren Wohnungen, insbesondere mit Arbeitszimmer.

Das ist keine weiß-blaue Besonderheit, sondern ebenso im nördlichen Teil der Republik zu beobachten. „Wir haben in Hamburg das Phänomen, dass das Interesse über die zehn Kilometer in den Speckgürtel hinausgeht bis in ländliche Regionen hinein“, sagt Peter-Georg Wagner, Geschäftsführer des norddeutschen IVD-Zweigs. Ein Beispiel für eine vermehrt ins Blickfeld Hamburger Interessenten geratene Kleinstadt ist das gut 50 Kilometer entfernte, aber bequem per Zug erreichbare Lüneburg.

Landbewohner wollen nicht weg

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Das Münchner Ifo-Institut ließ in einer Kooperation mit dem Portal Immowelt kürzlich 18.000 Menschen bundesweit nach ihren Wohnwünschen befragen. Das Ergebnis: In Großstädten mit mehr als einer halben Million Einwohner sagten 13 Prozent der Befragten, dass sie diese im Laufe der nächsten 12 Monate gern verlassen würden. Bei Landbewohnern dagegen ist das Bedürfnis nach einem Wohnortwechsel sehr viel geringer.

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Erleichtert wird die Flucht aus der großen Stadt durch den coronabedingten Trend zur Arbeit in den eigenen vier Wänden. Vor allem in Dienstleistungsberufen, für die zum Arbeiten nur ein Computer benötigt wird, ist der Home Office-Anteil eineinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie immer noch hoch.

Mehrheit wünscht sich Fortführung des Homeoffice

Bei den Arbeitnehmern wünsche sich eine Mehrheit der Menschen, die während der Pandemie zu Hause gearbeitet haben, dies auch nach der Pandemie beizuhalten, „jedoch auf einem niedrigeren Niveau als während der Krise“, sagt Jean-Victor Alipour, der Experte für das Heimbüro beim Ifo-Institut. „Im Schnitt wünscht man sich ein bis drei Tage in der Woche Homeoffice.“ Wer seltener pendeln muss, für den wird ein Umzug hinaus aus der Stadt attraktiver.

Der Arbeitsmarkt wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich arbeitnehmerfreundlich entwickeln, da alle Experten wachsenden Fachkräftemangel erwarten. Das erleichtert es den Menschen in gesuchten Berufen, beim Chef vorteilhafte Bedingungen auszuhandeln.

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Doch das trägt auch dazu bei, dass der seit Jahrzehnten wachsende Wohnraumbedarf pro Person mutmaßlich weiter zunehmen wird. „Die Frage nach dem Arbeitszimmer, die früher nie von großer Bedeutung war, kommt jetzt sehr viel häufiger“, sagt IVD Nord-Geschäftsführer Wagner. Kleine Wohnungen ohne Balkon - in Fachkreisen als „Gefangenenwohnung“ bekannt - hingegen sind out.

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Wohnraumbedarf steigt seit Langem

Der Wohnraumbedarf pro Person steige seit Langem pro Jahr um etwa 0,2 bis 0,4 Quadratmeter, sagt Marktforscher Kippes. „Das klingt nicht viel, aber es summiert sich im Laufe der Jahre.“ Für die Kommunen bedeutet das, dass heutzutage weit mehr Wohnungen als in den Nachkriegsjahrzehnten gebaut werden müssen, um den Bedarf zu decken. In Bayern etwa ist die Durchschnittsgröße einer Wohnung seit 2010 laut Statistischem Landesamt um etwa vier Quadratmeter gestiegen.

Sollten in den nächsten Jahren kontinuierlich mehr Menschen in das Umland der großen Städte ziehen und dort größere Wohnungen suchen, wird eine Folge größerer Platz- und Baubedarf in diesen Kommunen sein. Auch die Verkehrsbelastung könnte steigen, je nachdem, ob der Trend zum Heimbüro wirklich ein dauerhafter sein wird.

„Wenn ich eine Zahl nennen müsste, würde ich von etwa 20 bis 25 Prozent der Beschäftigten ausgehen, die in den kommenden Jahren mindestens einmal in der Woche zu Hause arbeiten“, sagt Ifo-Experte Alipour. In den Dienstleistungsberufen dürfte die Quote nach Einschätzung des Wissenschaftlers noch etwas höher liegen.

RND/dpa

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