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Corona-Krise: IAB rechnet mit schweren Folgen für den Arbeitsmarkt

Das IAB geht von einem vorrübergehend deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit aus. (Symbolbild)

Das IAB geht von einem vorrübergehend deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit aus. (Symbolbild)

Hannover. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet aufgrund der Corona-Krise schwere Folgen für den Arbeitsmarkt. "Wir gehen davon aus, dass wir vor einer schweren Rezession stehen. Dementsprechend wird das auch für den Arbeitsmarkt eine schwierige Zeit“, sagte Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen am IAB, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND)

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Grundsätzlich funktioniere der Arbeitsmarkt gut, er sei lange Zeit – auch bei konjunkturellen Schwankungen nach unten – robust geblieben. “Diese Robustheit gegenüber solchen Schwankungen hilft auch jetzt, aber die Ausfälle von Wirtschaftstätigkeit in großem Umfang schaffen ganz neue Herausforderungen”, sagt Weber. Derartige Ausfälle gebe es im normalen Konjunkturgeschehen sonst nicht.

Experte erwartet vorübergehend deutlichen Anstieg von Arbeitslosigkeit

Derzeit deute vieles auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit hin: “Man muss davon ausgehen, dass das vorübergehend deutlich der Fall sein wird”, betont Weber. Es komme jetzt darauf an, wie lange die Einschränkungen anhalten. "Wenn die Einschränkungen noch halbwegs im zeitlichen Rahmen bleiben und die Lage wieder zur Normalität zurückkehrt, wird es zwar eine extrem harte Phase, die man aber auch überdauern kann“, sagt Weber. Wenn die Einschränkungen aufgrund der Corana-Krise jedoch zu lang andauern und die Krise auch auf Finanzmärkte übergreift, werde es auch für den Arbeitsmarkt “extrem heikel”.

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Corona-Krise: Arbeitsagenturen bekommen mehr Anfragen

Nachdem die Arbeitsagenturen den Kundenkontakt auf Notfälle reduziert hat, haben die zahlreichen Anrufe das Telefonnetz des Providers überlastet. “Wir sind in einem Modus, der uns ziemlich auf Trab hält“, sagt die Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit Iris Löhner. Der Andrang zeigt: Die Folgen der Corona-Krise sind bereits jetzt bei vielen Branchen deutlich spürbar. „Wir haben tatsächlich ein erhöhtes Anfrage- und Beratungsaufkommen“, sagt Löhner.

Konkrete Zahlen gebe es bislang aber noch nicht – und auch die Frage, ob es sich bei den Anfragen um Anträge auf Arbeitslosengeld, Grundsicherung oder anderes handelt, konnte die Sprecherin auf Nachfrage nicht beantworten. Jedoch kommen die Anfragen vor allem von Beschäftigten in Branchen, welche stark von der Corona-Krise beeinträchtigt sind. “Wir können Anrufe in verschiedenen Branchen verzeichnen: beispielsweise Messebauer, Busunternehmen, Logistik, Transport sowie Hotels und Gaststätten”, sagt Löhner.

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Um eine zweite Ansteckungswelle in Deutschland zu vermeiden, sind einige Verhaltens- und Hygieneregeln zu beachten.

Liquiditätshilfen und staatliche Lohnfortzahlung mögliche weitere Maßnahmen

“Wenn man mit dem Arbeitsmarkt noch einigermaßen durchkommen will, ist man auf massive staatliche Unterstützung angewiesen”, betont Weber. Das IAB gehe davon aus, dass Mittel wie Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen entscheidend sind, um schlimmeres zu verhindern. “Eine staatliche Lohnfortzahlung wäre eine gute Option für alle, die aus Gründen wie Kinderbetreuung oder Quarantäne nicht mehr arbeiten können”, sagt der IAB-Experte. Denn dadurch könnten Einkommensausfälle vermieden werden.

"Wir brauchen außerdem Liquiditätshilfen für Betriebe und für Selbstständige“, fordert Weber und plädiert zudem dafür, die Modalitäten sehr flexibel zu gestalten. Es müsse ermöglicht werden, dass Betriebe einen möglichst langen Zeitraum für eine Rückzahlung bekommen oder bei einer schwerwiegenden Krisenentwicklung auf Rückzahlungen auch verzichtet werden könnte.

"Eine denkbare Maßnahme wäre Kurzarbeit für Minijobber“, sagt Weber. Minijobber hätten zwar normalerweise kein Recht auf Kurzarbeit, weil sie auch nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Doch das solle man dennoch in dieser Situation ermöglichen.

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Bundesagentur für Arbeit: “Kunden brauchen sich keine Sorgen um ihre Existenz zu machen”

Derzeit werden Kundenkontakte bei den Arbeitsagenturen zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden gemieden – doch der Anspruch auf bestimmte Leistungen beim Arbeitslosengeld oder in der Grundsicherung hängt grundsätzlich vom persönlichen Erscheinen ab. Wie wird mit dieser Situation umgegangen? “Wir haben für diese Fälle Notfallregelungen getroffen. Arbeitslos melden kann man sich nun telefonisch, den Antrag auf Grundsicherung kann man online stellen“, sagt Löhner. Aus einem Terminversäumnis ergäben sich keine Nachteile oder Sanktionen.

Jedoch wird derzeit selbst von einem Telefonanruf abgeraten, da das Telefonnetz des Providers der Arbeitsagenturen überlastet ist. Auswirkungen auf die Beabeitung der Anfragen resultieren laut Löhner daraus jedoch nicht. "Es ist alles sichergestellt, Kunden brauchen sich keine Sorgen um ihre Existenz zu machen.“ Es gebe auch keinen Grund zur Sorge, dass die Arbeitsagenturen dem erhöhten Aufkommen der Anfragen nicht gerecht werden können. “Wir sind auch auf ein mögliches höheres Ausmaß vorbereitet. Bei Bedarf werden wir unsere Teams mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen vorübergehend verstärken”, sagt Löhner.

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