Reifen retten Continentals Bilanz

  • Die Kosten der Chipkrise bleiben großenteils an Zulieferern hängen.
  • Die Prognose für das zweite Halbjahr bleibt bei Continental vorsichtig.
  • Für teureren Kautschuk werden wohl die Reifenkunden zahlen.
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Hannover. Die Autobranche wird noch bis weit ins nächste Jahr hinein unter der Chipkrise leiden, aber die Lasten sind ungleich verteilt. Während die Hersteller die Knappheit nutzen, um die Preise ihrer Autos hoch zu halten, spüren die Zulieferer vor allem die zusätzlichen Kosten. Die Branche teilt sich, „ein bisschen sehen wir das im Moment so“, sagte Continental-Finanzvorstand Wolfgang Schäfer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Frachtkosten steigen drastisch

Der hannoversche Zulieferkonzern kommt zwar ebenfalls aus der Krise, die Prognose bleibt aber vorsichtig: „Nach einem bereits verhaltenen Jahresstart hat der anhaltende Mangel an Halbleitern die Automobil­produktion im zweiten Quartal wie erwartet stark gebremst“, sagte Vorstandschef Nikolai Setzer. Gleichzeitig ist es teurer geworden, die knappe Ware pünktlich herbeizuschaffen. Allein die Sonderfrachten werden den Konzern in diesem Jahr rund 200 Millionen Euro zusätzlich kosten.

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Die Branche streitet um Lastenteilung

Hinter den Kulissen wird in der Autobranche seit Monaten heftig darum gekämpft, wer die Lasten von Lieferengpässen und Produktions­stopps zu tragen hat. So fordern Transport­unternehmen von der Autoindustrie Gespräche über eine Kostenbeteiligung. Werksschließungen würden mit wenigen Tagen Vorlauf angekündigt, die Folge seien teure Standzeiten der Lkw, kritisiert etwa Nikolja Grabowski, Vorstand von Elvis, einem europäischen Verbund internationaler Spediteure. Das setze die Transportwirtschaft massiv unter Druck.

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Die Chipprobleme sind einer der Gründe, warum Continentals Zuliefersparte Automotive weiter in der Verlustzone steckt. Für den Gewinn des zweiten Quartals ist deshalb vor allem die Gummisparte des traditionsreichen Reifenherstellers verantwortlich. Von einem „starken ersten Halbjahr“ sprach Setzer. Bei den Reifen sind zwar ebenfalls Materialien knapp und Rohstoffkosten gestiegen, aber bei Privatkunden lassen sich Preiserhöhungen leichter durchsetzen als bei den großen Autoherstellern.

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Continental werde versuchen, die höheren Kosten so weit wie möglich weiterzureichen, sagte Schäfer, ohne Details zu nennen. Während beim Naturkautschuk der Höhepunkt der Preisentwicklung schon erreicht sein könnte, dürfte es bei anderen Rohstoffen noch weiter aufwärtsgehen.

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„Insgesamt arbeitet sich der Konzern, der seit 2019 in einer tiefgreifenden Umstrukturierung steckt, langsam wieder zum Vorkrisenniveau hoch. Von einem „respektablen Ergebnis“ ist in der Zwischenbilanz die Rede. Im zweiten Quartal lag der Umsatz mit knapp 10 Milliarden Euro um die Hälfte über dem Wert des Vorjahres­zeitraums.

Damals lähmten allerdings Lockdowns fast überall in der Welt das Geschäft. Bis zum Vorkrisen­niveau aus dem zweiten Quartal 2019 fehlt noch mehr als eine Milliarde Euro Umsatz.

Die Sparten Automotive und Kautschuk (Rubber) sind mit jeweils rund 4 Milliarden Euro Quartals­umsatz etwa gleich groß. Weitere 1,8 Milliarden Euro steuert die Antriebstechnik (Powertrain) bei, die unter dem Namen Vitesco abgespalten wurde und im September an die Börse gehen soll.

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Die Börse reagiert enttäuscht

Aus den Verlusten ein Jahr zuvor hat der Konzern im zweiten Quartal Gewinne gemacht: Operativ verdiente Continental 711 Millionen Euro, unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 545 Millionen Euro. Damit setzt sich der Trend aus dem ersten Quartal fort, im Rest des Jahres könnte sich der Gewinn wegen steigender Kosten eher etwas abschwächen.

Der Konzern bleibt im Wesentlichen bei seinen Prognosen für Umsatz und Gewinn, will zum Jahresende aber deren oberen Rand erreichen. Im Vergleich zu anderen Konzernen, die ihre Ziele aktuell höher setzen, war das der Börse zu wenig: Der Conti-Kurs fiel zum Handelsstart um mehr als 3 Prozent und erholte sich nur wenig.

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