Commerzbank-Vorständin: „Billig allein hat keinen Wert“

  • Um die Commerzbank steht es seit Jahren nicht gut.
  • Sabine Schmittroth vom Vorstand der Commerzbank will das angeschlagene Geldhaus neu ausrichten – auch mithilfe von Digitalisierung.
  • Doch mit Blick auf Zinsen und Kosten ist eine bedingungslose Gebührenfreiheit nicht mehr möglich, erzählt sie im RND-Interview.
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Die Commerzbank geht seit Jahren durch schwere Zeiten. Wie kann man die eigenen Leute auf diesem Weg eigentlich noch mitnehmen, Frau Schmittroth?

Das Wichtigste ist eine gute, vertrauensvolle Kommunikation. Sagen, warum etwas entschieden und was geplant ist. Natürlich gibt es viele individuelle Sorgen und Ängste. Da sind wir bis zum Vorstand gefordert zuzuhören. Jeder Mensch braucht Sicherheiten, um etwas Neues zu wagen.

Was wollen Sie denn wagen?

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Für die Einzelnen geht es dabei oft um Veränderung und Mobilität – und im Grunde ist das auch das Thema für die gesamte Bank. Wir sind die beste Direktbank und die beste Filialbank in Deutschland. Die Commerzbank der Zukunft wird das Beste aus beiden Welten vereinen. Die Kunden werden nicht mehr ein Angebot bei der Comdirect und eins bei der Commerzbank haben, sondern ein gemeinsames Angebot nutzen. Sie bekommen günstigen und komfortablen Onlineservice wie etwa das Comdirect Brokerage – also Wertpapierhandel – und gleichzeitig Zugriff auf persönliche Beratung. Ich habe richtig Lust, das mit meiner Mannschaft zu bauen.

Man könnte die Geschichte auch anders erzählen: Die Commerzbank muss drastisch sparen und ihr Filialnetz halbieren. Das Onlineangebot ist für viele Kunden die Notlösung.

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Das ändert sich dramatisch. Junge Kunden kommen kaum in die Filiale, und immer mehr Ältere überwinden die Hemmschwelle zum Onlinebanking. Da hat das vergangene Jahr extrem geholfen. Wegen der Pandemie haben viele Menschen neue Wege zu uns gesucht und gemerkt: Das funktioniert sehr gut – auch bei Beratungsbedarf am Telefon oder in der Videokonferenz. Da wird die Uhr nicht mehr zurückgedreht.

Wie weit sind Sie denn mit dem Umbau? Von 790 Filialen bundesweit wollen Sie auf 450 runter, 10.000 Stellen werden gestrichen.

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Ich habe nicht umsonst von vertrauensvoller Kommunikation gesprochen: Wir sind in Gesprächen, und wenn es Ergebnisse gibt, werden zuerst unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert.

Die Einigung mit der Arbeitnehmerseite sollte möglichst vor der Hauptversammlung klappen. Die ist am 5. Mai.

Das betrifft die Rahmenvereinbarung. Wir werden uns alle Mühe geben, das zu schaffen.

Werden 450 Filialen das letzte Wort sein, oder geht es danach weiter?

Wir werden uns sehr genau anschauen, wie unsere Kunden uns fordern. Das Filialnetz, wie wir es jetzt bauen wollen, ist das, was aus heutiger Sicht richtig und sinnvoll ist. Wir werden immer wieder schauen und die Erfordernisse abwägen: Abdeckung der Fläche, Kosten und veränderte Kundenbedürfnisse.

Online geht inzwischen fast alles, aber nicht Bargeld. Wie wollen Sie das in einem dünneren Filialnetz lösen?

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Für viele Menschen ist das einer der wichtigsten Aspekte. Wir werden eine Menge ausprobieren, immer abhängig von den lokalen Verhältnissen. Wir haben Kooperationen mit anderen Banken, mit Supermärkten und Tankstellen. Aber es gibt Punkte in Deutschland, wo nichts davon vorhanden ist. Da müssen wir die richtige Lösung für den Einzelfall finden.

Ihre Konkurrenten haben das gleiche Thema. Ist es nicht an der Zeit, dass sich die Branche gemeinsam Gedanken macht?

Die Bargeldversorgung ist logistisch sehr aufwendig und kostet viel Geld. Grundsätzlich ist es sicher ein sinnvoller Ansatz, gemeinsam Infrastrukturkosten zu sparen, gerade im Zahlungssystem. Aber da ist nichts spruchreif.

Alles wird digital – wie lange brauchen wir überhaupt noch Bargeld?

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Das frage ich mich auch. Digital ist es so viel praktischer, und sehen Sie sich Schweden an, die sind längst viel weiter. Warum soll es uns nicht gelingen, den Umgang mit Bargeld drastisch zu reduzieren? Corona hat auch hier etwas bewegt. Gerade die mobilen Bezahlmöglichkeiten wie über das Smartphone werden immer mehr genutzt. Nun wird die Commerzbank also mindestens zur Hälfte digital.

Aber können das nicht andere längst besser? Die neuen Smartphone-Banken graben Ihnen doch das Wasser ab.

Da brauchen wir uns beim technischen Standard nicht zu verstecken, und unsere Comdirect-Kunden lieben die Marke. Das Sicherheitsgefühl spielt da eine große Rolle. Und im Gegensatz zu anderen bieten wir in Zukunft allen Kunden den direkten Übergang in die Beratung. Wir decken einfach mehr ab. Bei uns muss sich der Kunde nicht entscheiden. Wir sind sein finanzieller Lebensbegleiter. Wir sind digital und persönlich, die digitale Beraterbank. Aber die Konkurrenz bleibt billiger.

Sabine Schmittroth hat das Bankgeschäft in den Achtzigerjahren bei der Dresdner Bank gelernt und kam mit deren Übernahme 2009 zur Commerzbank. Ihr Feld war immer das Privatkundengeschäft, wo sie 2015 in den Bereichsvorstand berufen wurde. Seit Anfang 2020 ist die 55-Jährige Mitglied des Konzernvorstands. Zunächst war sie für Personalthemen zuständig, seit einigen Monaten auch für das Privatkundengeschäft. Vorgänger Michael Mandel hatte sich im Streit um die Strategie verabschiedet. © Quelle: Alexandra Lechner/Commerzbank

Verdient die auch Geld?

Das ist den Kunden im Zweifel egal. Sollte es aber nicht. Es muss eine Ausgewogenheit geben zwischen dem Kundennutzen und der Profitabilität der Bank. Billig allein hat keinen Wert. Weder für den Kunden noch für uns. Nur ökonomisch erfolgreiche Banken sind ein zuverlässiger Partner.

Ihr Vorstandschef Manfred Knof hat neue Preismodelle angekündigt. Gibt es weitere Gebühren?

Basisdienste, die wirklich genutzt werden, gibt es bei uns weiter kostenlos. Aber mit Blick auf Zinsen und Kosten ist eine bedingungslose Gebührenfreiheit nicht mehr möglich. Das betrifft die gesamte Branche. Unsere Leistung ist schließlich etwas wert. Jeder fragt sich doch im Moment, wie er sein Geld erhalten kann, niemand will Guthabengebühren zahlen. Es ist also individuelle Anlageberatung gefragt, und das können wir. Das Ergebnis ist ein besserer Ertrag – für beide Seiten.

Stichwort Parkgebühren: Immer mehr Institute holen sich das halbe Prozent Strafzins, das sie für kurzfristige Anlagen bei der EZB zahlen, von ihren Kunden zurück. Wie hält es die Commerzbank?

Wir haben das zunächst bei mehr als 250.000 Euro getan und die Grenze dann auf 100.000 Euro gesenkt. Wenn das Zinsniveau so bleibt – und danach sieht es vorerst aus – werden Guthabengebühren ein Thema bleiben. Aktuell haben wir aber nicht vor, diese an die große Mehrheit unserer Privatkunden weiterzugeben. Die Kunden können Geld bei uns ja auch ertragreicher anlegen.

Die Commerzbank hat in den vergangenen Jahren aggressiv Kunden geworben. Fürchten Sie nicht, dass die Ihnen bei Reizthemen wie Negativzins und Gebühren alle wieder abspringen?

Wenn man Preise verändert, besteht das Risiko, Kunden zu verlieren, immer. Aber warum soll es uns denn nicht gelingen, die Kunden für uns zu begeistern? Viele wissen ja noch gar nicht, was sie alles bei uns machen können.

Die Wachstumsstrategie ist jedenfalls offensichtlich gescheitert.

Wir haben vieles auch dank des Wachstums erreicht, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zu Recht stolz darauf. Und wir hatten auch im vergangenen Jahr Kundenwachstum – trotz Corona und geschlossener Filialen! Aber das Ziel kann nicht Wachstum um jeden Preis sein. Wir werden dafür sorgen, dass es rentables Wachstum ist.

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