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CO₂-Grenzwerte: Daimler und Volkswagen sind laut Studie noch nicht auf Kurs

  • Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einhalten zu können, gelten in der EU verschärfte CO₂-Grenzwerte.
  • Einer Untersuchung zufolge müssen sich manche Autobauer noch mehr ins Zeug legen.
  • Ansonsten drohen Milliardenstrafen.
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Brüssel/Hannover. Die Nachfrage nach Elektroautos zieht an – doch einige Autohersteller wie Daimler oder VW sind laut einer Studie noch nicht auf Kurs zu hinreichend geringen CO₂-Werten. Damit könnte es für sie schwierig werden, hohe Strafen in der EU zu vermeiden. Dieses Zwischenfazit zog der europäische Umweltdachverband Transport & Environment (T&E) am Montag. Er hatte dazu die Absatzentwicklung verschiedener Autokonzerne seit dem Jahresbeginn ausgewertet.

Demnach wird der Marktanteil von Elektroautos in Europa dieses Jahr von 3 auf 10 Prozent steigen und könnte im kommenden Jahr sogar 15 Prozent erreichen. T&E führt dies auf den seit 1. Januar in der Europäischen Union gültigen Flottengrenzwert von 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zurück. Außerdem hat der Absatz vor allem kleiner E-Fahrzeuge durch Kaufprämien in der Corona-Krise angezogen.

Der Flottengrenzwert bezieht sich auf den Durchschnitt aller verkauften Fahrzeuge eines Herstellers. E-Autos ohne Emissionen während der Fahrt drücken den Durchschnitt und können so höhere CO₂-Werte großer SUVs ausgleichen. An dieser gegenseitigen Gewichtung von alternativen Antrieben und Verbrennern gibt es auch Kritik, weil sich der Ausstoß schwerer Spritschlucker so insgesamt „schönrechnen“ lässt. Für Stickoxide (NOx) gelten dagegen typspezifische Grenzwerte.

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Viele Autohersteller bereits über Grenzwert

Laut der T&E-Analyse der Verkaufszahlen im ersten Halbjahr erfüllen die PSA-Gruppe mit Peugeot, Citroën und Opel, Volvo, Fiat-Chrysler und die BMW-Gruppe schon jetzt das CO₂-Durchschnittsziel. Renault, Nissan, Toyota, Mazda und Ford seien nur noch zwei Gramm davon entfernt. Allein die Verkäufe des Renault Zoe drückten den Flottendurchschnitt des französischen Herstellers um 15 Gramm und stellten die Einhaltung des Grenzwerts sicher, hieß es.

Volkswagen sei hingegen noch fünf Gramm vom Flottengrenzwert entfernt, Daimler neun Gramm. Auch Hyundai-Kia (drei bis sieben Gramm) und Jaguar-Land Rover (13 Gramm) lägen bislang darüber. Sie müssten entweder mehr Plug-in-Fahrzeuge verkaufen oder durch die Zusammenlegung von Emissionen mit anderen Unternehmen ihre Werte verbessern.

Von der Leyen für schärfere CO₂-Ziele

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EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen fordert noch eine Verschärfung der CO₂-Ziele. Sie schlägt vor, die Gesamtmenge aller Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken – bisher lag das Ziel bei 40 Prozent. Der genaue Umfang muss in den nächsten Wochen noch mit dem EU-Parlament und den EU-Staaten geklärt werden. Viele Parlamentarier hatten sich sogar für eine CO₂-Verringerung um 60 Prozent gegenüber 1990 ausgesprochen.

Strafzahlungen in Milliardenhöhe drohen

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Im Fall zu hoher Emissionen drohen der Autoindustrie Strafzahlungen. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ würden diese für Volkswagen mehr als eine Milliarde Euro betragen und für Daimler rund eine halbe Milliarde, falls der aktuelle Rückstand nicht aufgeholt werden kann. Beide Hersteller haben allerdings erst kürzlich ihre verfügbare E-Modell-Palette deutlich ausgeweitet.

VW will CO₂-Bepreisung von 60 Euro pro Tonne

Der VW-Konzern will bis zum Jahr 2024 insgesamt 48 Milliarden Euro in den Ausbau der E-Mobilität stecken. Aus seiner Sicht sind die Klimaziele wichtig, um den Umbau zu mehr alternativen Antrieben zu schaffen. VW unterstützt etwa eine „deutliche CO₂-Bepreisung“ von 60 Euro pro Tonne ab 2023. Das Unternehmen hält die geforderten Verschärfungen prinzipiell für umsetzbar. Jedoch dürfe man mögliche Folgen für die Jobs bei dem ohnehin schon schwierigen Umbruch in der Autobranche nicht unterschätzen, hieß es Mitte September.

Opel: CO₂-Regeln wichtiger als Umsatz

Der Konkurrent Opel erklärte die Einhaltung der EU-Umweltvorgaben zu seinem wichtigsten Unternehmensziel. Es sei „unerlässlich“, die CO₂-Regeln einzuhalten, sagte Vorstandschef Michael Lohscheller dem „Handelsblatt“ (Montag). Das sei auch wichtiger als der Absatz.

Opel gehört seit Sommer 2017 zum französischen PSA-Konzern. Die Marke wurde von der Corona-Krise hart getroffen und kämpft mit einem sinkenden Marktanteil. Der Absatz brach um mehr als die Hälfte ein, auch weil CO₂-ungünstige Modelle aus dem Programm gestrichen wurden. Mit PSA-Technik kommen nun zunehmend Elektromodelle auf den Markt.

RND/dpa

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