Chronologie des Dieselskandals: Das schmutzigste Kapitel der VW-Geschichte

  • Im September 2015 gab Volkswagen zu, Dieselmotoren manipuliert zu haben.
  • Eine Abschaltautomatik sorgte dafür, dass die Autos auf dem Prüfstand weniger Stickoxid ausstießen als im Betrieb auf der Straße.
  • Betroffen waren weltweit elf Millionen Fahrzeuge.
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Der Dieselskandal ist das wohl schmutzigste Kapitel der VW-Geschichte. Vor fast fünf Jahren nahm alles seinen Anfang: Im September 2015 räumte Volkswagen gegenüber der US-Umweltbehörde EPA Manipulationen bei Diesel-Abgastests ein. VW hatte damals eine Software eingesetzt, die während der offiziellen Emissionstests die Motorsteuerung so änderte, dass das Fahrzeug auf dem Prüfstand weniger Abgase ausstieß als im realen Betrieb auf der Straße. Diese Funktion wurde als Abschalteinrichtung bezeichnet. Weltweit waren etwa elf Millionen VW-Dieselfahrzeuge betroffen, in Deutschland waren es etwa 2,5 Millionen Autos.

Autos mussten zurück in die Werkstätten

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte für Deutschland in der Folge einen verpflichtenden Rückruf angeordnet. Die Halter wurden schriftlich aufgefordert, ihre Autos in die Werkstätten zu bringen, um die Software zu aktualisieren – in vielen Fällen musste außerdem ein zusätzliches Bauteil eingesetzt werden.

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VW muss Schadenersatz für manipulierte Diesel zahlen
1:56 min
Käufer manipulierter Dieselautos haben Anspruch auf Schadenersatz. Das hat der Bundesgerichtshof am Montag im Zusammenhang mit dem VW-Dieselskandal geurteilt.  © Anne Grüneberg/Reuters

Die VW-Kunden fühlten sich geprellt: Viele hatten absichtlich einen vermeintlich sauberen Diesel gekauft, um dann festzustellen, dass ihr Auto wesentlich mehr Abgase in die Luft pustet als vom Hersteller versprochen. Und auch der Wiederverkaufswert für einen VW-Diesel sank immens. Viele Kunden schlossen sich deshalb Sammelklagen an oder zogen selbst vor Gericht.

Die Chronik der Abgas-Affäre:

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2015: Der Abgasskandal wird publik

3. September 2015: VW räumt hinter den Kulissen gegenüber der US-Umweltbehörde EPA Manipulationen bei Dieselabgastests ein.

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18. September: Die EPA teilt mit, VW habe eine Software eingesetzt, um Testmessungen des Schadstoffausstoßes künstlich zu drücken.

23. September: Vorstandschef Martin Winterkorn tritt zurück.

25. September: Der VW-Aufsichtsrat beruft Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef und trifft weitere Personalentscheidungen.

28. September: Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen.

15. Oktober: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet den Pflichtrückruf aller VW-Dieselautos mit Betrugs-Software an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,5 Millionen Wagen in die Werkstatt.

2016: Der Abgasskandal beschäftigt den Bundestag

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16. März 2016: Erster deutscher Schadensersatzprozess eines Privatkunden. Urteil des Landgerichts Bochum: VW muss keine Wagen zurücknehmen.

22. April: Der Abgasskandal brockt VW für 2015 mit 1,6 Milliarden Euro den größten Verlust aller Zeiten ein.

16. Juni: Volkswagen will sich nach dem Abgasskandal grundlegend neu aufstellen und unter anderem die Elektromobilität massiv ausbauen.

7. Juli: Erste Sitzung des Abgas-U-Ausschusses des Bundestags.

8. Juli: Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft startet ein Verfahren, um über Bußgelder unrechtmäßige Dieselgewinne abzuschöpfen.

8. August: Das Landgericht Braunschweig gibt den Startschuss für ein Musterverfahren wegen der Aktionärsklagen gegen Volkswagen.

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1. September: Das Bundesverkehrsministeriums wirft auch Fiat den Einsatz „unzulässiger“ Abschalteinrichtungen vor – Fiat dementiert.

7. September: Die Vorwürfe gegen Bosch werden konkreter. Der VW-Zulieferer habe jahrelang von den Manipulationen seines Großkunden wissen müssen, klagen geschädigte Dieselbesitzer in den USA.

8. Dezember: Die EU-Kommission sieht massive Mängel bei der Aufarbeitung des Abgasskandals und geht gegen Deutschland vor.

15. Dezember: Sigmar Gabriel (SPD), Peter Altmaier (CDU) und Barbara Hendricks (SPD) sagen im U-Ausschuss aus, sie hätten erst nach Aufdeckung des Skandals 2015 von verbotenen Praktiken erfahren.

20. Dezember: Im Rechtsstreit um Hunderte Zivilklagen verkündet ein US-Richter einen Kompromiss. VW soll Kunden, Behörden, Händlern und US-Bundesstaaten über 16 Milliarden Dollar an Entschädigung zahlen.

2017: Erste Verurteilung in den USA

9. Januar 2017: Es wird bekannt, dass das FBI einen VW-Manager wegen des Dieselskandals festgenommen hat. Fünf weitere werden angeklagt.

11. Januar: VW und das US-Justizministerium einigen sich in einem zweiten großen Vergleich zu den strafrechtlichen Fragen auf eine Zahlung von 4,3 Milliarden Dollar.

12. Januar: In den USA gerät nach Volkswagen auch Fiat Chrysler wegen auffälliger Abgaswerte ins Visier der Behörden.

19. Januar: Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn erscheint vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Abgasskandal.

3. Februar: VW-Abgasaffäre: Piëch belastet Winterkorn und sagt vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig aus, dass Winterkorn bereits vor September 2015 von der Abgasaffäre wusste.

26. August: In den USA ist erstmals ein VW-Mitarbeiter infolge der Abgasaffäre verurteilt worden. VW-Ingenieur James Liang muss mehr als drei Jahre ins Gefängnis.

07. Dezember: Der VW-Manager Oliver Schmidt wird zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt. Ein US-Gericht sprach ihn mitschuldig an der Manipulation von Dieselmotoren.

2018 Abgastest mit Affen schockiert die Welt

28. Januar 2018: Es wird bekannt, dass VW in den USA Affen einem Abgastest ausgesetzt hat. Der Konzern wollte damit beweisen, dass die Schadstoffbelastung in den Fahrzeugen abgenommen hat. Der Aufschrei ist riesig.

14. April 2018: VW-Markenchef Herbert Diess wird neuer Volkswagen-Konzernchef. Er löst Matthias Müller ab.

14. Juni 2018: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig verhängt ein Bußgeld über eine Milliarde Euro gegen VW. Der Konzern teilt mit: “Volkswagen akzeptiert das Bußgeld und bekennt sich damit zu seiner Verantwortung.”

18. Juni 2018: Audi-Chef Rupert Stadler wird festgenommen. Grund ist laut Staatsanwaltschaft Verdunklungsgefahr im Dieselskandal. Auch in Autos der Konzerntochter wurde die Betrugssoftware eingebaut.

2019 Fahrverbote für ältere Diesel treten in Kraft

1. Januar 2019: In Stuttgart gilt seit dem 1. Januar das erste großflächige Fahrverbot für Diesel der Abgasnorm 4. Die Deutsche Umwelthilfe hatte zuvor geklagt, weil die Schadstoffbelastung in einigen deutschen Städten höher war, als der europäische Grenzwert erlaubt.

1. Juni 2019: In weiteren Städten treten Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge in Kraft – darunter in Hamburg und Darmstadt.

2020: Sammelklage und BGH-Urteil

30. April 2020: Volkswagen und die Verbraucherzentrale einigen sich nach einer Sammelklage auf einen Vergleich für Dieselkunden. 235.000 Kunden bekommen je nach Automodell Beträge zwischen 1350 und 6250 Euro ausgezahlt.

25. Mai 2020: In seinem ersten Urteil zum VW-Abgasskandal stellt der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe fest, dass klagende Käufer ihr Auto zurückgeben und das Geld dafür einfordern können. Auf den Kaufpreis müssen sie sich aber die gefahrenen Kilometer anrechnen lassen.

mit dpa

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