Chinas Superreiche parken ihr Vermögen am Handgelenk

  • Die Volksrepublik China ist in diesem Jahr zum größten Markt für Luxusuhren avanciert.
  • Seit der Immobilienkrise im Land sind die Uhren als Investment noch attraktiver geworden.
  • Doch der Hype hat noch andere Gründe.
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Peking. Das Parkview Green ist eines der nobelsten Einkaufszentren in der chinesischen Hauptstadt. Vor der pyramidenartigen Glasfassade prangt eine Engelsstatue in glänzendem Silber, entlang der Auffahrt kurven deutsche und italienische Edelkarossen umher.

Im Shoppingcenter selbst haben die Superreichen die Qual der Wahl: Nicht nur einer von insgesamt zehn offiziellen Rolex-Händlern Pekings begrüßt die gut betuchte Kundschaft, sondern gleich nebenan locken ebenfalls die Uhrenmacher Tudor und IWC Schaffhausen. Derzeit jedoch sind die wirklich begehrten Modelle ohne Wartezeiten gar nicht zu haben.

Tatsächlich wurden noch nie so viele Luxusuhren in China verkauft wie dieser Tage. Allein die Schweizer Konzerne haben in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres ihre Exporte in die Volksrepublik im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gesteigert. Im Oktober publizierte die Unternehmensberatung Deloitte eine Studie, demnach fast 60 Prozent aller Schweizer Uhrmacher fortdauerndes Wachstum für den chinesischen Markt prognostizieren.

Der Boom hat mehrere Gründe

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Das hat zum einen damit zu tun, dass die Chinesen seit den strengen Grenzschließungen nicht mehr quarantänefrei ins Duty-free-Paradies nach Hongkong reisen können, wo sie zuvor ihre Statussymbole eingekauft haben – ohne die saftige Luxussteuer, die Festlandchina erhebt.

Generell lenkt die Oberschicht ihren Konsum um, denn an Reisen ins Ausland ist derzeit gar nicht zu denken. Aufgrund der „Null Covid“-Strategie werden selbst Trips im Inland immer brenzliger: Erst am Mittwoch riegelten die Behörden die 13-Millionen-Metropole Xian wegen einer Handvoll Infektionsfälle ab.

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Der Ansturm auf Rolex und Co. hat jedoch auch mit einer sich verändernden Wirtschaft zu tun: Traditionell parkten die Chinesen ihr Erspartes vor allem in Immobilien, bis zu 80 Prozent des Privatvermögens ist in den Bausektor investiert. Doch im Zuge der Evergrande-Krise strauchelt die gesamte Branche, zudem wird sie von der Zentralregierung mittlerweile streng reguliert. „Häuser sind zum Wohnen da und nicht zum Spekulieren“, lautet ein Ausspruch von Staatschef Xi Jinping, der dieser Tage oft von den Staatsmedien zitiert wird.

Die Vorteile der Luxusuhren

Da Immobilien keine Rendite mehr abwerfen und die Aktienkurse rasant schwanken, bieten sich Luxusuhren noch stärker als zuvor fürs Investment der Superreichen an. Im Gegensatz zu Häusern sind Uhren auch „beweglich“: Sie lassen sich über die Grenze ins Ausland transportieren, wenn der Zollbeamte nicht so genau aufs Handgelenk schaut.

Viele Chinesen nutzen dieses eigentlich illegale Schlupfloch, um ihren Wohlstand aus dem Land zu schieben. Denn offiziell darf ein jeder Bürger aufgrund der strengen Kapitalverkehrskontrollen pro Jahr nur umgerechnet 50.000 Dollar aus dem Land bringen.

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All dies steht entgegengesetzt zur derzeitigen Politik von Staatschef Xi. Dieser propagiert „Wohlstand für alle“ und bittet die Reichen des Landes immer offensiver zur Kasse: Unternehmer werden zu Spendenzahlungen gedrängt oder werden in den Staatszeitungen für ihren dekadenten Reichtum angeprangert.

Mehr als nur ein Statussymbol

Dabei symbolisieren Schweizer Luxusuhren nicht nur Status und traditionelles Handwerk, sondern ebenjene Dekadenz und oftmals Korruption. In den Jahren vor Xi Jinpings Amtszeit, als kritische Berichte gegen Politiker noch geduldet wurden, war es ein regelrechter Volkssport unter Investigativreportern sowie selbst ernannten Bürgerjournalisten, Lokalpolitiker aus der Provinz mit ihren goldenen Uhren am Handgelenk abzufotografieren.

Wenig Luxus zu sehen: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hält anlässlich des 100. Jubiläums der Kommunistischen Partei Chinas eine Rede. © Quelle: Li Xueren/XinHua/dpa

In den Bildunterschriften wurde dann nicht nur der Preis des Uhrenmodells notiert, sondern auch der offizielle Monatslohn der Parteikader.

Mittlerweile gibt sich die KP-Führung wesentlich bescheidener: Statt Designerhemden trägt man mittlerweile meist eine funktionale Mao-Jacke, und das Handgelenk bleibt nackt.

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