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Fließende Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit: So beugen Sie einem Burn-out im Homeoffice vor

  • Nach getaner Arbeit nach Hause kommen, den Stress hinter sich lassen und abschalten: Das war aufgrund von Haushalt, Familie und Alltag noch nie leicht.
  • Seit anderthalb Jahren erschwert die Corona-Pandemie die Situation zusätzlich.
  • Um Burn-out vorzubeugen, sind auch Führungskräfte gefragt.
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Berlin. Der Wechsel ins Homeoffice mit Beginn der Pandemie hatte für viele Beschäftigte positive Seiten, andere haben sich inzwischen zumindest an die neuen Arbeitsbedingungen gewöhnt. Es gibt aber auch Beschäftigte, die unter psychischen Folgen der Arbeit zu Hause leiden.

Manch einem droht sogar ein Burn-out. Frauen trifft es öfter als Männer. „Studien zeigen, dass häufig sie es sind, die sich neben ihrem Job um die Kinder kümmern, wenn Kitas und Schulen geschlossen sind“, sagt Franziska Stiegler, Leiterin des Projekts Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA) der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA).

Auch Singles gehören zur Gruppe derjenigen, die Gefahr laufen, im Homeoffice einen Burn-out zu erleiden. „Der soziale Austausch ist nachweislich eine wichtige Ressource für die psychische Balance, fehlender Austausch kann Stress auslösen“, sagt Stiegler.

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Entgegen der allgemeinen Erwartungshaltung ist Burn-out jedoch keine anerkannte wissenschaftliche Diagnose des international geltenden Klassifikationssystems psychischer Erkrankungen. Burn-out ist demnach ein Syndrom, das „aus chronischem Stress am Arbeitsplatz resultiert, der nicht erfolgreich verarbeitet wird“. Das äußere sich etwa in Form von Erschöpfung, zunehmender geistiger Distanz oder einer negativen Haltung zum eigenen Job – und führe letztlich zu einem verringerten Leistungsvermögen. Allerdings besteht laut aktuellem Kenntnisstand keine Einheitlichkeit im Beschwerdebild, was einer Anerkennung als Krankheit ebenfalls im Wege steht.

Oft stecken hinter einem Burn-out laut Wissenschaft auch nicht benannte Depressionen. Denn auch sie äußern sich zum Beispiel in Form einer schlechten Stimmung, Antriebslosigkeit sowie Interessens- und Freudeverlust. Die Ursachen aber, darunter genetische Faktoren, biologische Ursachen oder Verlusterlebnisse, sind vielfältig. Eine große Rolle spielt deshalb die Frage: Was hat zu dem Gefühl der Überforderung geführt?

Beschäftigte erkennen keinen Sinn in Arbeit

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Generell klagen viele, die im Homeoffice arbeiten, darüber, dass die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen. Wodurch es schwer fällt, frische Energie für den Alltag zu tanken. Die Folge: Betroffene fühlen sich innerlich ausgebrannt. „Sie sind chronisch erschöpft und haben Schwierigkeiten, einen Sinn in oder ein Interesse an ihrer Arbeit zu finden“, erläutert Prof. Eric Quintane von der internationalen Wirtschaftsuniversität ESMT in Berlin.

Hinzu kommt laut Quintane, dass Betroffene oft an ihrer Fähigkeit zweifeln, ihre Arbeit gut zu machen. Nicht selten ist das Leistungsvermögen tatsächlich verringert. Mit dem Erschöpft- und Depressivsein sowie den Selbstzweifeln gehen häufig Schlafprobleme einher.

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Wenn es dann am nächsten Tag darum geht, den Anforderungen im Job – und noch dazu im Privatleben – gerecht zu werden, sind Betroffene müde und gereizt. „Burn-out wird immer noch nicht als Krankheit anerkannt“, sagt Quintane. Immerhin sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Burnout seit 2019 als einen „Faktor, der die Gesundheit beeinträchtigen kann“.

Wenn das Homeoffice auf die Psyche drückt: Zeit für professionelle Hilfe

Kommt es immer öfter dazu, dass Betroffene sagen oder denken „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr“, ist es ratsam, sich professionelle Hilfe zu holen. „Am besten ist es, so früh wie möglich gegenzusteuern“, sagt Stiegler.

Krankenkassen bieten Präventionsmaßnahmen wie Onlinetrainings an. „Auch eine Beratungsstelle zu kontaktieren und sich dort kostenlos beraten zu lassen, ist hilfreich“, so Stiegler. Solche Angebote gibt es etwa bei Wohlfahrtsverbänden.

Burn-out sollte kein Stigma sein

Quintane betont, dass Personen, die an einem Burn-out leiden, nicht stigmatisiert werden sollten. „Burn-out ist kein Zeichen dafür, dass Mitarbeiter schwächer, weniger belastbar oder leistungsschwächer sind als andere.“

Bevor es zum Burn-out kommt, können sich Beschäftigte immer wieder Tipps zum gesunden und erfolgreichen Arbeiten im Homeoffice ins Gedächtnis rufen. Zum Beispiel, dass es wichtig ist, für die richtige technische und ergonomische Ausstattung zu sorgen. Oder sich selbst klare Routinen zu schaffen, also etwa regelmäßige Pausen einzulegen, pünktlich Feierabend zu machen und für ausreichend Bewegung zu sorgen. Feste Essensrituale mit ausgewogener Kost geben Struktur im Arbeitsalltag.

Burn-out im Homeoffice vorbeugen: Regelmäßiger Austausch mit der Führungskraft

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Daneben gilt es, sich regelmäßig digital auszutauschen, sowohl mit dem Team als auch mit der jeweiligen Führungskraft. „Idealerweise kontaktiert jeder Vorgesetzte mindestens einmal die Woche Mitarbeiter, fragt, wo im Homeoffice gegebenenfalls der Schuh drückt und bespricht mögliche Lösungen“, so Stiegler. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst sollten mögliche Probleme offen ansprechen.

Ebenso sind die Arbeitgeber gefragt, wenn es darum geht, Mitarbeitende vor Burn-out im Homeoffice zu schützen – laut Arbeitsschutzgesetz sind sie dazu sogar verpflichtet.

Digitale Spuren können Hinweis auf Überlastung geben

„Ein Ansatz könnte sein auszuloten, ob der Anfall an Arbeit angemessen auf alle Mitarbeiter verteilt ist“, sagt Quintane. Hilfreich könne sein, die „digitalen Spuren“, die Homeoffice-Beschäftigte an einem gemeinsamen Produkt hinterlassen haben, auf ihre Häufigkeit auszuwerten.

„Also den E-Mail-Verkehr, Telefonprotokolle und Aufzeichnungen von Besprechungen in digitalen Plattformen in den Blick nehmen, ohne den Inhalt zu betrachten“, so Quintane. Eine von ihm initiierte Studie an der ESMT zeigte, dass überlastete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so gut identifiziert werden konnten.

Burn-out erkennen: Hilft dabei ein Algorithmus?

Quintane und sein Team arbeiten derzeit an einem intelligenten Algorithmus, der auslotet, welche Faktoren mit einem Burn-out in verschiedenen Organisationen zusammenhängen können. „Unser langfristiges Ziel ist es, ein automatisiertes Warnsystem zu entwickeln, das Burn-out verhindert.“

Beschäftigte können auch selbst verstärkt darauf achten, wie es ihnen geht. Etwa, indem sie „in einem Tagebuch notieren, was ihnen im Homeoffice gut tut und was nicht“, sagt Franziska Stiegler. So verschafft man sich selbst erst einmal Klarheit – und kann darauf basierend Dinge ändern.

RND/dpa

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