Mit Curevac-Beteiligung beginnt Impfstoff-Roulette an der Börse

  • Die Nachricht, dass der Bund bei Curevac für 300 Millionen Euro einsteigt, hat den Fokus vieler Investoren noch mehr auf die Biotech-Branche setzen lassen.
  • Das Tübinger Unternehmen hat Mitbewerber, die an der Börse gelistet sind.
  • Wie lukrativ sind diese Unternehmen, lohnt es sich als Anleger, dort (noch) einzusteigen?
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Stuttgart. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind weltweit viele Pharma- und Biotech-Unternehmen dabei, einen zuverlässigen Impfstoff gegen das Coronavirus zu finden. Wann es einen solchen auf dem Markt geben wird und ob wir alle ihn verabreicht bekommen können, ist derzeit nur schwer zu prognostizieren. An der Börse wird seit vielen Wochen heftig spekuliert, welches Unternehmen es schaffen und sich hier einen Vorsprung in der Impfstoffentwicklung erarbeitet haben könnte.

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CureVac kann Tests mit Coronaimpfstoff starten
1:32 min
Das Biotec-Unternehmen CureVac kann möglicherweise 2021 einen Impfstoff gegen Corona anbieten.  © Reuters

Dass der Bund nun im Rennen um einen Corona-Impfstoff bei der Tübinger Biotechfirma Curevac für die Summe von 300 Millionen Euro eingestiegen ist, befeuert das Thema noch einmal gewaltig. Die Beteiligung des Bundes entspricht circa 23 Prozent der Anteile an Curevac, das somit derzeit mit rund 1,3 Milliarden Euro bewertet wird.

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Bund-Beteiligung an Curevac lässt aufhorchen

Der Bund will hierbei aber keinerlei Einfluss auf das Unternehmen ausüben. Die Beteiligung lässt dennoch aufhorchen und zeigt, wie sensibel die Themen Biotechnologie und Impfstoff für die deutsche Bundesregierung geworden sind, nachdem US-Präsident Trump schon vor Wochen versucht hatte, massiven Einfluss auf die Branche und auf das Unternehmen Curevac selbst zu nehmen.

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Die Beteiligung des Bundes an Curevac dürfte nicht die letzte Nachricht sein, die die Branche in den Fokus geraten lässt. Das Unternehmen dürfte weiter für Schlagzeilen sorgen - allein schon wegen des geplanten Börsengangs. Der soll dem Unternehmen zufolge noch in diesem Sommer an der US-Technologiebörse Nasdaq in New York erfolgen.

Biontech - der Konkurrent aus Mainz

Den Gang auf das Börsenparkett, der zusätzliches wichtiges Kapital einbringt, haben derweil diverse Mitbewerber von Curevac längst hinter sich und erforschen mit hohen Summen im Hintergrund auch das Coronavirus.

Ebenso wie Curevac setzt unter anderem beispielsweise das Mainzer Biotechunternehmen Biontech bei seinen Forschungsarbeiten auf Impfstoffe auf Basis der sogenannten Boten-RNA (mRNA). Das Unternehmen hat sich bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus aber mit dem US-Pharmakonzernen Pfizer zusammengetan.

Dass kleinere Biotech-Unternehmen mit großen Konzernen Partnerschaften eingehen, passiert in der Branche sehr oft. Denn die großen Pharma-Konzerne haben die nötigen finanziellen Mittel sowie die benötigten Produktions- und Vertriebsmöglichkeiten.

Erfolgreiche Partnerschaft mit Pfizer

In der Partnerschaft Biontech und Pfizer wird im Fall von Covid-19 der genbasierte Impfstoff BNT162 getestet. Am 23. April war schon eine klinische Phase-1-Studie in Deutschland gestartet, die mittlerweile abgeschlossen ist. Anfang Mai folgte eine weitere Phase-1-Studie in den USA. Dort soll der Impfstoff an 360 Erwachsenen getestet werden.

An der Börse ist Biontech im Vergleich zu Curevac ein Schwergewicht. Das seit November 2019 an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistete Unternehmen wird derzeit mit etwa zehn Milliarden Euro bewertet.

Moderna: Der Curevac-Konkurrent aus den USA

Zu den Unternehmen, die sich im Wettlauf um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs befinden, gehört auch der US-Biotechkonzern Moderna. Aktuell wird das Unternehmen an der Börse mit 20 Milliarden US-Dollar bewertet. Die Amerikaner sind ebenso wie Biontech eine Partnerschaft bei der Covid-19-Forschung eingegangen. Moderna hat sich mit dem Schweizer Pharmaunternehmen Lonza verbündet.

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Beide Unternehmen, Biontech und Moderna, haben bereits eine größere Zahl an Produkten in die klinischen Prüfungen gebracht und verfügen auch in der Entwicklung von Corona-Impfstoffen über einen gewissen Vorsprung gegenüber Curevac. Denn die Tübinger haben bisher noch keinen Unternehmenspartner für ihr Impfstoffprojekt gewonnen, dafür aber einen EU-Kredit von 80 Millionen Euro für die Entwicklung und Produktion eines Corona-Impfstoffs erhalten.

Impfstoff-Roulette an der Börse

Der Run auf die Corona-Impfstoffe und die Hoffnungen vieler Investoren auf sprudelnde Gewinne der betreffenden Unternehmen spiegelt sich auch in den Aktienkursen wider:

So verzeichnet der Aktienkurs von Moderna in den vergangenen sechs Monaten ein Plus von mehr als 230 Prozent, auf Sicht von 12 Monaten kommt derweil die Biontech-Aktie auf ein Plus von mehr 240 Prozent.

Absoluter Top-Titel unter den Corona-Biotech-Papieren ist aber Novavax. Hier trieb die Spekulation, dass das bisher eher unbekannte US-Biotech-Unternehmen einen Impfstoff gegen Corona erfolgreich entwickelt haben könnte, den Aktienkurs von 4 US-Dollar im Januar auf mittlerweile über 40 US-Dollar je Anteilsschein. 1000 Prozent Kursgewinn in einer so kurzen Zeit ist verlockend – aber auch gefährlich.

Biotech-Aktien sind eine spekulative Anlage

Denn ob und wie gut die verschiedenen Impfstoffkandidaten wirken, ist bisher noch völlig unklar. Biotech-Aktien gehören nicht erst seit der Corona-Krise zu den spekulativeren ihrer Art, da die Suche nach einem zuverlässigen neuen Wirkstoff im Biotech- und Pharmasektor häufig der berühmten Suche einer Nadel im Heuhaufen gleicht.

Zudem ist davon auszugehen, dass es kaum mehrere Corona-Impfstoffe schaffen werden, eine Zulassung der weltweiten Arzneimittelbehörde zu bekommen. Folglich werden viele Biotech-Unternehmen nur bedingt Gewinne mit ihren Ergebnissen machen – und solche negativen Meldungen spiegeln sich dann am Ende auch in einem wieder einbrechenden Aktienkurs wider.

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