Bulgarien könnte der Türkei das geplante VW-Werk abluchsen

  • Eigentlich schien es klar, dass VW ein neues Werk in der Türkei baut.
  • Doch seit der Konzern seine Pläne wegen der Syrien-Offensive der Türkei auf Eis gelegt hat, machen sich andere Länder wieder Hoffnung.
  • Bulgarien will nun sein Angebot für den VW-Konzern nachgebessert haben.
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Nachdem die VW-Spitze die Pläne für ein neues Werk in der Türkei auf Eis gelegt hat, buhlt Bulgarien um die Gunst des Autokonzerns. Eigentlich hatte der osteuropäische EU-Staat die Hoffnung schon aufgegeben – nun hat der ehemalige Staatschef Rossen Plewneliew den Wolfsburgern aber ein verführerisches Subventionsangebot gemacht. „Wir haben einen Weg gefunden, dem Volkswagen-Konzern statt 135 Millionen Euro 250 bis 260 Millionen Euro anzubieten“, sagte Plewneliew der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ).

In den vergangenen Wochen hatte sich abgezeichnet, dass sich VW für die Türkei als künftigen Standort des neuen Werks entscheiden würde. Sogar eine Tochtergesellschaft hat der Autobauer dafür schon in der Türkei gegründet. Denn das Werk wird bald benötigt. Dort sollen unter anderem Passat-Modelle vom Band laufen, während in Deutschland die Fabriken auf die Fertigung von E-Autos umgestellt werden. Insgesamt soll es um eine Investition in Höhe von etwa 1,5 Milliarden Euro gehen.

Dabei war die Entscheidung für die Türkei nicht unumstritten. Mehrere EU-Parlamentarier hatten schon kritisch reagiert, bevor die türkische Offensive in Nordsyrien in der vergangenen Woche begann. Sie äußerten den Verdacht, VW könnte mit hohen Beihilfen an den Bosporus gelockt werden – während Bulgarien als EU-Staat nur begrenzte rechtliche Spielräume für Staatszuschüsse hat.

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Angebot mit der EU abgesprochen

Plewneliew, der Präsident des bulgarischen Automobilclusters ist, glaubt nun, beim Angebot nachbessern zu können. Die Infrastruktur für VW – also Autobahn-, Zug- und U-Bahn-Anbindung – eingerechnet, biete Bulgarien VW insgesamt Leistungen im Wert von 800 Millionen Euro an. Das Angebot sei mit der EU-Kommission abgesprochen, betonte Plewneliew gegenüber der „FAZ“.

Bulgarien spiele nach den Regeln, sagte Plewneliew außerdem: „Wir sind ein stabiler, demokratischer Rechtsstaat in der EU, in dem VW zu günstigen Konditionen mit hervorragend ausgebildeten Arbeitskräften produzieren kann.“

Auch Rumänien meldet sich zu Wort

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Wie „Spiegel Online“ berichtet, umwirbt auch Bulgariens Nachbar Rumänien Volkswagen erneut. Demnach sagte Handelsminister Stefan Radu Oprea, die Regierung habe neue Gespräche mit dem Volkswagen-Konzern angestoßen.

Der hatte sich Ende August in einer Grundsatzentscheidung für das Werk in der Türkei ausgesprochen. Angesichts der türkischen Offensive in Nordsyrien kündigte das Unternehmen am Dienstag aber an, die Pläne vorerst nicht weiter zu verfolgen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, sagte, „unter aktuell gegebenen Bedingungen“ sei eine Investition von Volkswagen in der Türkei nicht vorstellbar. Zum aktuellen Vorschlag aus Bulgarien äußerte sich VW nicht.

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