Brummi-Fahrer: Schwere Bedingungen für “Helden der Corona-Krise”

  • Lastwagenfahrer bekommen sonst nicht allzu viel Lob zu hören.
  • Gerade jetzt werden sie zu Helden der Corona-Krise: Sie sorgen dafür, dass die Supermarktregale weiter gut gefüllt sind.
  • Doch ihr Job ist schwer, sie arbeiten unter widrigen Bedingungen - gerade jetzt.
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Irschenberg. Für die meisten heißt es derzeit daheimbleiben. Die Straßen sind leer gefegt. Die Lastwagen aber rollen weiter, zumindest jene, die wichtige Güter geladen haben, etwa Nudeln oder Klopapier. Zwar gibt es im Transportgewerbe wegen des eingeschränkten Warenverkehrs drastische Einbrüche. Mancher Brummifahrer hat aber gerade jetzt gut zu tun. Supermärkte haben teils ihre Lieferfrequenz erhöht. Mehr Bedarf herrscht laut Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) teils auch bei pharmazeutischen Produkten oder Baumaterial - und Online-Bestellungen boomen.

Dabei haben es Lkw-Fahrer in der Krise nicht leicht. Sie müssen durch besonders von der Pandemie betroffene Gebiete in Italien und Österreich - und warmes Essen nach der langen Schicht nicht wie sonst zu haben: Gaststätten haben dicht.

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"Es ist schwer geworden", sagt Brummi-Fahrer Viktor Lásló Varga aus Ungarn, der am Rastplatz Irschenberg an der A8 von München Richtung Salzburg und Brenner Pause macht. Schließlich könne er mit dem riesigen Lkw nicht auf einen Parkplatz am Supermarkt fahren.

Keine Toilette, keine Dusche: Manche Firmen hatten Angst vor Ansteckung

Zu Beginn der Corona-Beschränkungen standen Fahrer oft vor verschlossenen Sanitäranlagen, manche Firmen ließen sie aus Angst vor Ansteckung nicht duschen oder zur Toilette. Teils seien sie behandelt worden "wie Aussätzige", zitiert der BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt Klagen von Fahrern: "Wir bekommen eine mobile Toilette hingestellt und können nicht mal die Hände waschen."

Das Raststätten-Unternehmen Tank & Rast hat rasch reagiert. An allen Rastanlagen mit Tankstellen stünden sanitäre Einrichtungen inklusive Duschen kostenfrei zur Verfügung, teilte ein Sprecher Ende März mit. Die Anlagen würden regelmäßig kontrolliert und wo nötig zusätzlich gereinigt. Das Angebot an warmen Mitnahmegerichten wie Currywurst und Leberkäse sei erweitert worden, zu einheitlich festgelegten Preisen.

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In Bayern hat sich Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) laut Ministerium mit Tank & Rast für diese Lösung eingesetzt - und lobt die Arbeit der Fahrer. "Sie stellen trotz aller Widrigkeiten sicher, dass wir mit Lebensmitteln und den wichtigsten Gütern des täglichen Bedarfs versorgt werden. Das geht nur, wenn sie auch selbst gut versorgt werden."

Verband fordert Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel für Fahrer

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Der BGL verlangt für die Brummifahrer weitere Maßnahmen zum Gesundheitsschutz. Sie müssten "möglichst umgehend" mit Schutzmasken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln ausgestattet werden. An den Be- und Entladestellen müsse absolutes Kontaktverbot herrschen. "Da fordern wir, dass der Fahrer mit dem Be- und Entladen nichts zu tun haben sollte", sagt BGL-Chef Engelhardt.

Ein schwieriges Thema bleibt laut Engelhardt die Rollende Landstraße in Österreich zwischen Wörgl und Brenner, bei der Lkw oder Sattelzüge per Bahn befördert werden. Verladung und Fahrt dauern erheblich länger als der Weg über die Autobahn. Auch jenseits der Corona-Krise sorgt das verschärfte sektorale Fahrverbot Tirols für Kritik. Seit 1. Januar dürfen bestimmte Waren, darunter Baustoffe, Kraftstoffe, Getreide, Papier und Pappe nur noch mit sehr neuen Lastwagen durch Tirol transportiert werden, die ab dem 1. September 2018 zugelassen wurden. Viel mehr Lastwagen als bisher müssen damit auf die Rollende Landstraße.

Die Fahrer müssen auf der 93 Kilometer langen Strecken in einem Begleitwaggon mitfahren - und der sei besetzt mit Kollegen "aus aller Herren Länder", wie Engelhardt sagt. Angesichts der Ausbreitung des Virus keine angenehme Vorstellung.

Die Österreichischen Bundesbahnen setzen nun zusätzlich Busse ein, um Platz zu schaffen, sodass ausreichender Sicherheitsabstand möglich ist. "Alle Vorgaben werden eingehalten", betont ein Sprecher. Es gebe im Zug und an der Verladestelle WCs mit Möglichkeiten zum Händewaschen. Nach jeder Fahrt werde geputzt und desinfiziert.

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“Wenn die Lastwagen stehen bleiben, kommt die richtige Krise”

Viele Fahrer bleiben trotz aller Widrigkeiten gelassen. "Ich hab keine Angst", sagt Fahrer Viktor Lásló Varga. Ich passe ein bisschen mehr auf." Kontakt zu Kollegen vermeidet er. Zum Schutz vor dem Virus hat er Desinfektionsmittel dabei. "Wenn ich in die Kabine einstiege, desinfiziere ich Hände und Schuhe - und ein bisschen Haare und Bart." Er ist sich seiner Rolle bewusst. "Wenn die Lastwagen stehen bleiben, dann kommt die richtige Krise: Dann gibt's keine Nahrung mehr."

RND/dpa

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