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Die Folgen des Kriegs für Russlands Energiebranche

Von BP bis Equinor: Jetzt stemmt sich auch das große Geld gegen Putin

Die PCK-Raffinerie in Schwedt: Der russische Ölkonzern Rosneft hatte im vergangenen Jahr die Kontrolle über die Anlagen übernommen.

Die PCK-Raffinerie in Schwedt: Der russische Ölkonzern Rosneft hatte im vergangenen Jahr die Kontrolle über die Anlagen übernommen.

Frankfurt. Der Exodus beginnt: Westliche Firmen ziehen sich aus Russland zurück. Allen voran der Ölmulti BP, der bislang der größte ausländische Investor in Wladimir Putins Reich war. Deutsche Energie­unternehmen folgen dem britischen Vorbild bislang noch nicht.

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Die Liste der Firmen verlängerte sich am Montag im Stundenrhythmus. Auf ihr standen bis zum Nachmittag unter anderem die britische Großbank HSBC, die weltgrößte Flugzeugleasing-Firma Aercap oder der Energieriese Equinor aus Norwegen. Hinzu kamen der Staatsfonds des skandinavischen Landes und sein australisches Pendant. Beide wollen ihre Investments in russische Unternehmen so schnell wie möglich abstoßen.

Am schwersten wiegt aber der Schritt von BP. Der russische Angriff auf die Ukraine bringe eine fundamentale Veränderung, sagte Verwaltungs­rats­chef Helge Lund. Die aktuellen Entwicklungen hätten zu dem Entschluss geführt, dass das Engagement beim staatlichen Ölkonzern Rosneft „einfach nicht weitergeführt“ werden könne – nachdem BP mit den russischen Kollegen 30 Jahre lang problemlos zusammengearbeitet habe.

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Zudem legen Konzernchef Bernhard Looney und sein Vorgänger Bob Dudley ihre Posten im Rosneft-Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung nieder. An dessen Spitze steht nach wie vor Gerhard Schröder, Altbundeskanzler und SPD-Mitglied.

BP nimmt Milliardenverlust in Kauf

BP nehme mit dem Rückzug „finanzielle Konsequenzen“ in Kauf, die sich in der nächsten Quartalsbilanz bemerkbar machen würden, heißt es in einer Mitteilung an die Belegschaft. Ein Konzernsprecher sagte, es sei mit Abschreibungen in Höhe von 25 Milliarden Dollar (22,3 Milliarden Euro) zu rechnen. BP will seinen Rosneft-Anteil von 20 Prozent abstoßen. Ein Verkauf der Papiere dürfte derzeit nach Einschätzung von Analysten kaum möglich sein. Es würde auf einen Totalverlust hinauslaufen.

Die Entscheidung war offenbar auf Druck der britischen Regierung zustande gekommen. Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng schrieb denn auch auf Twitter, der nicht provozierte Einmarsch der russischen Streitkräfte müsse ein Weckruf für die britischen Unternehmen sein, die in Putins Land investiert hätten. Damit fordert der Minister auch andere Firmen auf, ihre Verbindungen mit Russland zu kappen.

Vom Bundes­wirtschafts­ministerium hieß es am Montag: „Die Bundes­regierung hat keinen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen.“ Aber bei Beteiligungs­fragen gebe es eine Investitions­prüfung. Das war als Hinweis auf die geplante Übernahme von weiteren 37,5 Prozent der Anteile an der PCK-Raffinerie in Schwedt an der Oder gemeint. Das Kartellamt hatte kurz vor der Ukraine-Invasion den Deal genehmigt. Damit hätte Rosneft knapp 92 Prozent der Anteile übernommen. Nun spricht aber vieles dafür, dass die Transaktion von der Regierung verboten wird.

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Die Debatte könnte bald weitere Firmen erreichen. So sind die Energie­unternehmen Wintershall-Dea und Uniper stark in Russland engagiert. Ein Uniper-Sprecher teilte auf Anfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND) mit: „Wir möchten das aktuell nicht kommentieren.“ Die Ex-Eon-Tochter ist einer der führenden europäischen Akteure im Erdgasgeschäft. Ein Wintershall-Dea-Sprecher sagte: „Unser Vorstand analysiert die Situation bereits sehr sorgfältig, einschließlich der rechtlichen Implikationen.“

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Das Unternehmen hatte vorigen Donnerstag Geschäftszahlen präsentiert, ohne Fragen von Journalisten zuzulassen. Stattdessen wurde ein Statement von Vorstandschef Mario Mehren verbreitet. Darin heißt es: Der russische Staatspräsident hat eine Militäroperation gegen die Ukraine angeordnet. Diese militärische Eskalation des Konflikts sehen wir mit sehr großer Sorge und Betroffenheit. Menschen sterben. Wir sind schockiert, was passiert!“

Wintershall ist der wichtigste deutsche Partner des staatlichen Gasmonopolisten Gazprom. Unter anderem fördert ein Gemeinschafts­unternehmen in Sibirien Gas. Wintershall gehört mehrheitlich dem Chemiekonzern BASF. Gut ein Viertel der Anteile wird zudem vom russischen Oligarchen Michail Fridman kontrolliert. Uniper und Wintershall gehören auch zu den Finanziers der neuen Erdgaspipeline Nord Stream 2, die von der Bundes­regierung auf Eis gelegt wurde.

Kooperation mit Rosneft ist nicht mehr haltbar

Der Münchner Hightech­konzern Infineon liefert indes ab sofort – wie die US-Halbleiter­hersteller Intel und AMD sowie TSMC aus Taiwan – keine Computerchips mehr an Russland. Es gehe um Geschäfte im Umfang einer zweistelligen Millionen­summe, erklärte ein Sprecher. Angaben zur genauen Art der bislang gelieferten Chips gibt es nicht. Der Konzern produziert Halbleiter vor allem für die Autoindustrie.

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Derweil räumte Equinor-Chef Anders Opedal ein: „In der gegenwärtigen Situation sehen wir unsere Position als unhaltbar.“ Er fügte hinzu: „Wir werden neue Investitionen in unsere russischen Geschäfte stoppen, und wir werden einen Prozess starten, um aus unseren Joint Ventures in einer Weise auszusteigen, die mit unseren Werten in Übereinstimmung steht.“ Eqiunor gehört mehrheitlich dem norwegischen Staat. Der Konzern ist einer der größten europäischen Öl- und Gasproduzenten. Er beutet gemeinsam mit Rosneft zwei große Vorkommen in Sibirien aus.

Die britische HSBC-Bank teilte mit, dass die Beziehungen zu einer Reihe russischer Institute heruntergefahren würden. Dazu gehöre auch die dortige Nummer zwei VTB. Hintergrund ist, dass zahlreiche russische Unternehmen zu einer No-Go-Zone für westliche Geldhäuser werden, weil zu den Sanktionen gegen Russland auch gehört, einen Großteil der dortigen Finanzbranche aus dem Swift-System zu werfen, mit dem internationale Transaktionen organisiert werden.

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