Börsendebüt von Coinbase: ein „Meilenstein“ für Kryptowährungen

  • Die Krypto-Handelsplattform Coinbase geht an die Börse.
  • Ein Experte einer Bankenhochschule in Frankfurt sieht den Börsengang als „wichtigen Meilenstein“ für Kryptowährungen.
  • Bei Notenbankern ist die Skepsis bezüglich der Kryptos jedoch noch groß.
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Willkommen in der Welt der Superlative: Coinbase hat am Mittwoch einen der spektakulärsten Börsengänge in jüngster Zeit hingelegt. Kurz nach der Erstnotiz  an New Yorker Technologiebörse Nasdaq kletterte der Kurs über die Marke von 400 Dollar. Die Handelsplattform für Kryptogeld  erreichte damit eine Bewertung von rund 105 Milliarden Dollar, was in etwa dem Daimler-Konzern entspricht.

Wobei das US-Unternehmen nichts anderes als eine Software betreibt, mit der digitale Währungen ge- und verkauft werden können. Doch Investoren betrachten die Firma mit ganz anderen Augen. „Ich glaube, Coinbase ist das Microsoft, Google oder Facebook dieses Jahrzehnts“, sagte beispielweise Garry Tan im TV-Sender der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Coinbase: 730 bis 800 Millionen Dollar Umsatz im ersten Quartal 2021

Tan gehört mit seiner Firma Initialized Capital zu den frühen Investoren der Handelsplattform. Tan kann mit deren Notierung an der Nasdaq nun Kasse machen. Genau wie der 37-jährige Brian Armstrong, der Coinbase 2012 gründete und rund 40 Millionen Aktien der Firma besitzt. In den Anfängen war sie nur für eine kleine Gruppe von Nerds interessant, die an digitale Währungen glaubten – Geld, was nur auf Computern existiert und von komplexen Rechenoperationen geschaffen wird. Armstrong und sein damaliger Mitstreiter Fred Ehrsam bauten von Anfang an darauf, sich an die Regelwerke für Finanzdienstleister zu halten, während andere Plattformen sich in Grauzonen des damals noch sehr jungen Geschäftsfelds aufhielten.

Auch Coinbase hatte mehrfach Ärger mit Börsenaufsehern – zuletzt im März wegen inkorrekter Handelsdaten. Die dennoch relativ große Verlässlichkeit ist einer der maßgeblichen Gründe dafür, dass die Plattform zum größten Umschlagplatz weltweit für die Kryptos geworden ist. Mit den Gebühren, die Investoren für Transaktionen zahlen müssen, bestreitet Coinbase fast ausschließlich seine Einnahmen. Und die sind in den vergangenen Monaten explosionsartig gestiegen. Das Management teilte kürzlich mit, dass unter dem Strich ein Gewinn von 730 Millionen bis 800 Millionen Dollar im ersten Quartal hängen geblieben sei. Das ist mehr als doppelt so viel wie im gesamten vergangenen Jahr. Das Unternehmen hat rund 1700 Beschäftigte und rund 56 Millionen Nutzer weltweit – was für einen Internetdienstleister noch immer eine bescheidene Zahl ist.

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New York: Das Logo der Coinbase-App ist auf dem Bildschirm eines Handys zu sehen. Inmitten der aktuellen Bitcoin-Rekordjagd geht mit Coinbase ein Schwergewicht der Kryptobranche an die Börse. Foto: Richard Drew/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. © Quelle: Richard Drew/AP/dpa

Weiterer Bitcoin-Rekordwert: rund 54.000 Euro pro Münze

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Der Grund für das extreme Wachstum: Coinbase segelt gewissermaßen im Windschatten von Bitcoin, der mit Abstand wichtigsten Kryptowährung. Und die hat ihren Wert in den zurückliegenden zwölf Monaten fast verzehnfacht. Eine digitale Münze kostete gestern Nachmittag rund 54.000 Euro – ein weiterer Rekordwert, der vielen Marktbeobachtern nicht mehr geheuer ist. Tatsächlich hat der Bitcoin schon eine heftige Kapriole vollführt, und zwar in beide Richtungen. Für manche steckt dahinter nichts anderes als Zockerei in einer bislang nie gekannten Dimension. Andere sehen darin nichts weiter als das Abbild einer extrem schnell wachsenden Popularität des neuen Geldes.

Tatsächlich wurde Ende vorigen Jahres die Aufmerksamkeit dadurch gesteigert, dass der Internet-Bezahldienstleister Paypal erklärte, künftig auch Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Die Hysterie wurde zusätzlich gesteigert, als Tesla-Chef Elon Musk zunächst vage Andeutungen machte und dann einen beträchtlichen Teil der Liquiditätsreserven des Elektroautobauers in Bitcoins anlegen ließ. Seither gibt es kein Halten mehr. Mit der steigenden Nachfrage wachsen die Umsätze von Coinbase, die Firma verdient bei jedem Kauf und Verkauf mit, der über die Plattform läuft. Im Gleichschritt legte der Wert des Unternehmens zu. Was Armstrong zu einem der Bestverdiener unter den Firmenchefs weltweit macht – denn er lässt sich in Aktienoptionen bezahlen. Bloomberg hat sein aktuelles Gehalt auf eine Million Dollar pro Tag taxiert – allerdings brutto.

Experte: „Börsengang von Coinbase für die Kryptowährungen ein wichtiger Meilenstein“

Armstrongs Unternehmen ist gleichwohl nur eine von weltweit mehr als 200 Plattformen für Internetgeld. Aber: „Der Börsengang von Coinbase ist für die Kryptowährungen ein wichtiger Meilenstein“, sagte Philipp Sandner, Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance & Management, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Das Unternehmen öffne sich jetzt noch stärker für Investoren und könne seine Expansion weiter fortführen. „Dadurch wird einerseits transparenter, wie die Welt der Kryptowährungen funktioniert. Außerdem begünstigt dies eine stärkere Verbreitung des digitalen Geldes und den Ausbau des Ökosystems rund um Bitcoin und Co.“, so Sandner. Gemeint sind neben Handelsplattformen unter anderem die sogenannten Verwahrstellen, wo das digitale Geld „gelagert“ wird.

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Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbandes Bitkom, sieht ebenfalls eine wachsende Akzeptanz: „Auch große Unternehmen ergänzen mit Kryptowährungen ihr klassisches Investment für ihre Rücklagen“, sagte er dem RND. Zudem würden Zahlungsdienstleister künftig verstärkt Kryptowährungen integrieren, was die Nutzung im Alltag weiter voranbringe. Das Digitalgeld und die zugrunde liegende Blockchain-Technologie hätten ferner auch das Potenzial, „Bezahlvorgänge zum Beispiel zwischen Maschinen komplett zu automatisieren, woraus sich völlig neue Geschäftsmodelle etwa in der Industrie ergeben“.

Kryptogeld: Skepsis bei Notenbankern noch groß

Dennoch ist gerade bei Notenbankerinnen und Notenbankern die Skepsis immer noch groß. So hat etwa Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), das Kryptogeld als „spekulatives Asset ohne einen erkennbaren fundamentalen Wert“ bezeichnet. Sandner hingegen betont: „Zentralbanken müssen keine Angst vor Bitcoin und Co. haben.“ Schließlich handele es sich nicht um Zahlungsmittel im klassischen Sinn wie den Euro oder den Dollar, sondern eher um eine technologische Neuerung, die seltenen Rohstoffen wie Gold oder Silber ähnlich ist. „Der entscheidende Faktor ist dabei die Knappheit. Deshalb wird sich Kryptogeld in der Zukunft immer stärker als zusätzliche Kategorie für die Kapitalanlage auch bei Privatkunden durchsetzen“, so der Experte von der Bankenhochschule.

Er entkräftet auch den immer wieder vorgebrachten Hinweis, dass das Digitalgeld besonders auf die organisierte Kriminalität eine große Anziehungskraft habe: „Das Narrativ, dass Kryptowährungen für Geldwäsche benutzt werden, das noch vor zwei, drei Jahren bestand, stimmt längst nicht mehr.“ Insbesondere auf der Coinbase-Plattform gebe es wirksame Mechanismen, die Geldwäsche und andere kriminelle Aktivitäten verhinderten. Schließlich habe Coinbase auch bei der hiesigen Finanzaufsicht Bafin eine Zulassung beantragt. Bei einer Genehmigung – die Sandner für wahrscheinlich hält – wird die Plattform mit einem konventionellen Finanzdienstleister gleichgestellt, was zusätzliches Vertrauen in Kryptogeld schaffe. Rohleder sieht ebenfalls enorme Potenziale: „Es muss darum gehen, den Markt für weitere Akteure attraktiv zu machen, ohne Innovationen zu verhindern.“

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