Börsen am Mittwoch: TV-Duell im US-Wahlkampf bremst Dax aus

  • Nachdem die US-Börsen am Dienstag ihre dreitägige Erholungsrally nicht fortführen konnten, präsentiert sich auch der Dax zur Wochenmitte schwächer.
  • Das allgemein als chaotisch gewertete gestrige TV-Duell im US-Präsidentschaftswahlkampf hält die Anleger davon ab, weitere Aktienzukäufe zu machen.
  • Unter den Einzelwerten standen die Aktien von Covestro als Dax-Schlusslicht im Anlegerfokus.
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Frankfurt. Das von Beobachtern als chaotisch gewertete TV-Duell im US-Präsidentschaftswahlkampf hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte in die Flucht getrieben. Der Dax notierte am späten Vormittag 0,69 Prozent tiefer bei 12.737,27 Punkten.

„Auch wenn nicht wirklich viele ein geordnet ablaufendes und durch Sachlichkeit geprägtes TV-Duell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden erwartet hatten, die Präsidentschaftsdebatte hätte kaum chaotischer ausfallen können“, stellte Marktanalyst Milan Cutkovic von Axitrader fest. „Damit wächst unter den Investoren zunehmend die Angst, dass auch die Wahl selbst im Chaos enden könnte, falls Trump eine eventuelle Niederlage nicht akzeptieren sollte.“ Frische Konjunkturdaten gaben zunächst keine größeren Marktimpulse.

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Unter den Einzelwerten standen die Aktien von Covestro als Dax-Schlusslicht mit einem Kursverlust von 4,7 Prozent im Anlegerfokus. Der Kunststoffkonzern will dem niederländischen Chemiekonzern Royal DSM dessen Sparte für harzbasierte Farben und Anstriche für gut 1,6 Milliarden Euro abkaufen. Covestro will den Kauf mit Eigen- und Fremdkapital finanzieren sowie durch den eigenen Barmittelfluss. Aus einer dafür vorgesehenen Kapitalerhöhung sollen rund 450 Millionen Euro erlöst werden. „Die Übernahme erscheint auf den ersten Blick teuer“, erklärte Analyst Markus Mayer von Baader.

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Die Papiere von S&T, die vorbörslich noch um mehr als 2 Prozent fester notiert hatten, sackten im Xetra-Handel um mehr als 9 Prozent ab. Der österreichische IT-Dienstleister bestätigte nach einer kritischen Analystenaussage seine Jahresziele. Das dritte Quartal sei mit Blick auf Umsatz und Gewinn „sehr gut“ verlaufen. Beide Größen seien aus eigener Kraft gesteigert worden.

Der Pharmakonzern Merck KGaA kann nach dem Ende eines Patentstreits mit einem Sonderertrag rechnen. Merck will eine Rückstellung von 365 Millionen Euro auflösen, nachdem der Konzern im Streit um ein Patent mit Biogen vor einem US-Berufungsgericht Recht bekommen hat. Davon könnte maximal „ein mittlerer bis hoher zweistelliger Millionenbetrag im Finanzergebnis zu verbuchen sein“. Die Anleger beeindruckte dies offenbar wenig, denn die Merck-Aktien büßten zuletzt 0,7 Prozent ein.

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Wall Street beendet dreitägige Erholungsrally

Dem US-Aktienmarkt ist derweil schon am Dienstag nach einer dreitägigen Erholungsrally der Schwung abhanden gekommen. Der Dow Jones Industrial fiel um 0,48 Prozent auf 27.452,66 Punkte. Jetzt bleibt ihm nur noch ein Tag, um seine Monatsbilanz noch zu schönen: Bislang hat er im September 3,4 Prozent verloren. Er steuert damit auf den ersten Verlustmonat seit dem Corona-Crash im März zu.

Vor der ersten Fernsehdebatte zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden dominierte die Zurückhaltung. Skeptisch aufgenommen wurde auch ein demokratischer Entwurf für ein 2,2 Billionen US-Dollar schweres Konjunkturprogramm, das am Markt weiter als schwer durchzusetzen angesehen wurde. Für neue Unsicherheit sorgte außerdem die Tatsache, dass die Zahl der weltweiten Todesopfer in der Corona-Pandemie die Millionenschwelle erreicht hat.

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Auch die anderen Indizes gingen am Dienstag schwächer aus dem Handel. Der marktbreite S&P 500 verlor ebenfalls 0,48 Prozent auf 3335,47 Punkte. Für den technologielastigen Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 0,37 Prozent bergab auf 11.322,95 Zähler.


Beyond Meat-Aktien gesucht

Unternehmensseitig sorgte vor allem ein Kurssprung bei Beyond Meat auf das höchste Niveau seit einem Jahr für Aufsehen. Eine verstärkte Präsenz der hergestellten Fleischersatzprodukte in den Walmart-Läden schickte die Aktien auf ihre Rally. Zeitweise ging es prozentual zweistellig nach oben, am Ende blieb ein immer noch kräftiger Aufschlag von 9,5 Prozent übrig.

Im Dow zollte der Flugzeugbauer Boeing einer zweitägigen Erholungsrally Tribut. Die Aktien fielen um 1,5 Prozent, nachdem Hoffnung auf eine baldige Wiederzulassung der 737-Max-Jets sie an den vergangenen beiden Tagen um etwa 15 Prozent nach oben getrieben hatte. Die aktuellen Pandemie-Sorgen belasteten am Dienstag auch wieder die Aktien von Fluggesellschaften - und damit die wichtigsten Kunden von Boeing. United, Delta und American Airlines büßten bis zu vier Prozent ein. Hotelbetreiber wie Wynn Resorts oder Marriott verloren bis zu 3,6 Prozent.

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Allgemein verblasste die zuletzt spürbare Erholung auch bei den Technologiewerten. Apple zum Beispiel verloren 0,8 Prozent und wurden so auch zur Belastung für den Dow. Eine positive Branchenausnahme waren jedoch diverse Chipaktien. Ein Anstieg bei Micron um zwei Prozent zeigt, dass die Anleger bei dem Unternehmen frohen Mutes auf die nachbörslich erwarteten Quartalszahlen blicken.

Kursgewinne gab es in der Tech-Branche außerdem bei einigen Social-Media-Aktien, allen voran Facebook mit einem Anstieg um fast zwei Prozent. Analyst Ross Sandler von Barclays Research äußerte sich in einer Studie ermutigend, was den digitalen Werbemarkt betrifft, und blickt konstruktiv auf Aktien wie Facebook, die davon profitieren könnten.

Euro erneut fester

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1702 (Montag: 1,1670) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8545 (0,8568) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,90963 (0,90508) britische Pfund, 123,61 (123,02) japanische Yen und 1,0795 (1,0816) Schweizer Franken fest.

RND/casc/dpa

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