Börsen am Donnerstag: Corona-Sorgen bremsen Dax aus

  • Nachdem die US-Börsen am Vorabend deutlich schwächer geschlossen hatten, muss auch der Dax am Donnerstag um seine Gewinne kämpfen.
  • Die Sorge, dass die steigenden Coronavirus-Infektionszahlen erneute Lockdowns zur Folge haben könnten, bremst die Kurse aus..
  • Ein etwas schwächer als erwarteter Ifo-Geschäftsklimaindex sorgt ebenfalls für verhaltene Anlegerstimmung.
Anzeige
Anzeige

Frankfurt. Am deutschen Aktienmarkt hat sich nach zwei Stabilisierungstagen in Folge die Stimmung wieder eingetrübt. Börsianer verwiesen am Donnerstag auf die weiter steigenden Corona-Infektionszahlen; zudem war der Ifo-Geschäftsklimaindex etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Am Montag hatte die Furcht vor einer weiteren Corona-Infektionswelle die Aktienmärkte bereits schwer belastet.

Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte büßte am Donnerstag 1,05 Prozent auf 26 496,07 Punkte ein. Der Leitindex Dax machte immerhin anfängliche Verluste von rund 1 Prozent wett und lag am Mittag 0,04 Prozent höher bei 12.648,51 Punkten.

Hierzulande waren zuletzt wieder Ängste entstanden, die steigenden Coronavirus-Infektionszahlen könnten erneute Lockdowns mit schweren wirtschaftlichen Auswirkungen zur Folge haben. So erreichte Großbritannien mit mehr als 6000 neuen Fällen innerhalb eines Tages den höchsten Stand an Corona-Neuinfektionen seit Anfang Mai. Das Testsystem des Landes geriet in den vergangenen Wochen an seine Grenzen: In vielen Testzentren waren kaum noch Tests verfügbar, teilweise mussten Bürger mit Symptomen mehrere Hundert Kilometer fahren. Angesichts der stark steigenden Zahlen gelten auch wieder schärfere Schutzmaßnahmen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Die vom Ifo-Geschäftsklimaindex gemessene Stimmung in deutschen Unternehmen hat sich im September zwar trotz steigender Corona-Neuinfektionen erneut aufgehellt, Analysten hatten aber einen noch etwas stärkeren Anstieg erwartet. “Die deutsche Wirtschaft befindet sich auch im September weiter auf Erholungskurs, aber mit nachlassendem Tempo”, schrieb Michael Holstein, Leiter des Bereichs Volkswirtschaft bei der DZ Bank. Viele Dienstleistungssparten litten unter den wieder steigenden Infektionszahlen und der damit verbundenen Unsicherheit über mögliche neue Einschränkungen.

Unter den Einzelwerten schafften die Aktien von SNP ein Plus von 1,1 Prozent. Der Softwareanbieter und IT-Berater vereinbarte eine globale Partnerschaft mit dem japanischen IT-Unternehmen Fujitsu zur Nutzung von SNP-Software.

Der Licht- und Elektronikspezialist Hella litt derweil auch im ersten Quartal seines neuen Geschäftsjahrs unter den Folgen der Corona-Krise. Während das Unternehmen beim Umsatz etwas unter den Erwartungen der Analysten lag, schnitt es beim bereinigtem operativen Ergebnis ein wenig besser ab. Die im MDax notierten Anteilsscheine legten um 0,6 Prozent zu.

Anzeige

New Yorker Börsen schließen deutlich im Minus

Anzeige

Die US-Aktienmärkte haben am Mittwoch deutlich Federn lassen müssen. Angeführt wurde die schwache Tendenz vom Technologiesektor und von Energiewerten. Der Dow Jones Industrial schloss mit einem Minus von 1,92 Prozent bei 26 763,13 Punkten. Der marktbreite S&P 500 sank um 2,37 Prozent auf 3236,92 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100 fiel um 3,16 Prozent auf 10 833,33 Zähler.

Börsianer verwiesen auf Aussagen von Vertretern der US-Notenbank Fed, die eine nur langsame Erholung der US-Konjunktur signalisierten. Fed-Präsident Jerome Powell warnte vor einem noch weiten Weg zu einer vollständigen wirtschaftlichen Erholung und betonte die Notwendigkeit weiterer Stützungsmaßnahmen. Charles Evans, Chef der regionalen Notenbank von Chicago, sagte, dass die Leitzinsen steigen könnten, noch bevor das Inflationsziel der Fed erreicht sei.

“Die Hängepartie in Sachen Konjunkturpaket in den USA dürfte die Wall Street und damit auch die anderen Börsen in den kommenden Tagen und Wochen ausbremsen”, sagte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Man habe sich darauf eingestellt, dass das Konjunkturpaket und die Anschlussfinanzierung des Arbeitslosengelds schnell kämen. Nun aber schwinde die Hoffnung zusehends. “Gleichzeitig zeigen erste Konjunkturdaten, dass die Ausgabenfreude der Amerikaner nachlässt, was nachvollziehbar ist, schließlich sind Millionen arbeitslos und stehen ohne die Zuwendungen der Regierung finanziell unter Druck.”

Johnson & Johnson macht Hoffnung auf Impfstoff gegen Covid-19

Bei den Einzelwerten standen unter anderem die Aktien von Johnson & Johnson im Anlegerfokus. Der Pharmakonzern begann einen Großtest für einen Impfstoff gegen Covid-19. Bis zu 60 000 Freiwillige lassen sich den Wirkstoff verabreichen, der bereits nach einer Impfung wirken soll. Johnson & Johnson ist das vierte Unternehmen, das seinen Kandidaten in den USA in die letzte Testphase gebracht hat. Die Anteilsscheine von J&J gingen mit einem knappen Plus von 0,2 Prozent aus dem Handel.

Anzeige

Im Mittelpunkt des Interesses standen zudem Nike und Tesla. Während Nike-Aktien nach unerwartet starken Quartalszahlen des Sportartikelkonzerns um 8,8 Prozent stiegen und ein Rekordhoch markierten, sackten Tesla-Papiere nach einer Veranstaltung zu Batterien für Elektroautos um 10,3 Prozent ab.

Die Aussagen zur Leistungsfähigkeit der Tesla-Antriebszellen und deren Kosten seien ambitionierter als erwartet, schrieb Analyst Philippe Houchois von JPMorgan. Wenig Neues habe es dagegen bei der Strategie für die stationäre Stromspeicherung gegeben. Auch das von Tesla-Chef Elon Musk angekündigte Schnäppchenmodell riss die Anleger nicht vom Hocker. "Viel Hype, wenig Erkenntnisse am “Battery Day"”, resümierte Analyst Konstantin Oldenburger von CMC Markets.

Nike habe im ersten Geschäftsquartal die Konsensschätzung für den Gewinn so deutlich übertroffen wie seit zehn Jahren nicht mehr, schrieb Analyst Jay Sole von UBS. Alexandra Walvis von Goldman Sachs sah sich in ihrem Vertrauen in das langfristige Wachstum und die Profitabilität durch den Fokus auf den Online-Handel bestätigt. Im Fahrwasser der Nike-Aktien stieg auch der Kurs des Kontrahenten Under Armour um 4,9 Prozent.

Euro wieder unter Druck

Der Eurokurs hielt im US-Handel sein niedriges Niveau aus dem europäischen Geschäft. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,1656 US-Dollar gehandelt.

Anzeige

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1692 (Dienstag: 1,1740) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8553 (0,8518) Euro gekostet.

RND/casc/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen