Börse: Dax nach EZB-Notpaket moderat im Plus

  • Nach der Ankündigung eines weiteren Notpakets durch EZB hat sich der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag stabilisiert.
  • Der Dax lag im frühen Handel moderat im Plus.
  • Zuvor hatten die Börsen in Asien und an der New Yorker Wall Street erneut teils massive Verluste verbucht.
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Frankfurt. Nach der Ankündigung eines weiteren Corona-Notpakets durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag stabilisiert. Der Dax stieg im frühen Handel um 1,9 Prozent auf 8603,42 Punkte. Der MDax stieg um 1,6 Prozent auf 18.192,91 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte sogar um 2,6 Prozent zu.

Im Dax lagen am Donnerstag solche Papiere vorn, die Anleger als große Verlierern des Coronavirus ausmachen: MTU Aero Engines, Deutsche Post, Lufthansa und Deutsche Bank erholten sich um bis zu sieben Prozent. Die Lufthansa streicht das Flugprogramm wegen der Coronakrise noch stärker zusammen als bisher bekannt. Im MDax erholten sich Airbus-Aktien um fast zehn Prozent.

Als Profiteure des Coronavirus werden an der Börsen immer wieder die Aktien des Online-Händlers für Tierbedarf Zooplus sowie der Biopharmazeutika-Hersteller Biontech und Heidelberg Pharma gehandelt. Hier reichten die Kursgewinne von 13 bis zu 27 Prozent.

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Der Markt braucht positive Nachrichten

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie hat die EZB in der Nacht ein Notkaufprogramm für Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro angekündigt. Es soll dabei um Wertpapiere der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft gehen.

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“Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliches Handeln”, schrieb EZB-Chefin Christine Lagarde auf Twitter. “Wir sind im Rahmen unseres Mandats entschlossen, das volle Potenzial unserer Werkzeuge auszuschöpfen”, betonte sie.

Börsianer äußerten sich am Morgen zurückhaltend zum Vorgehen der EZB. Voraussetzung für nachhaltig stabile Märkte seien positive Nachrichten über die Entwicklung der Zahlen der vom Coronavirus Infizierten, hieß es.

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Seit Beginn des Crash an den Börsen Ende Februar war der Dax um mehr als 5000 Punkte oder fast 40 Prozent eingebrochen. Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens, der zum Erliegen kommende Transport und Verkehr sowie die Schließung von Produktionsstätten lasteten immer schwerer auf den Kursen. Anleger, Analysten und Händler versuchen, die Auswirkungen des sich ausbreitenden Virus auf die künftigen Ergebnisse der Unternehmen abzuschätzen - und an den Börsen eine angemessene Bewertung der Wertpapiere zu finden.

Politik hofft auf wieder ruhigere Märkte

Die rasche Ausbreitung des Virus hatte zuletzt enorme Kursausschläge an den Finanzmärkten zur Folge. Viele institutionelle Investoren sahen sich wegen der rasch und stark zunehmenden Schwankungen quasi gezwungen, risikobehaftete Anlagen wie Aktien zu veräußern. Das wiederum hatte den Abwärtsdruck noch verstärkt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hofft, dass die Börsen und Märkte das Notprogramm der EZB positiv aufnehmen. Der CDU-Politiker sagte am Donnerstag im Deutschlandfunk, es sei eine sehr weitreichende Maßnahme, die zum Ziel habe, das Vertrauen internationaler Finanzmärkte zu stärken.

Man müsse verhindern, dass der Euroraum insgesamt in eine Schieflage gerate. Er sei aber auch der Auffassung, man dürfe nicht den Fehler machen, dass jedes Land für sich loslege. Die Probleme sollten auf europäischer Ebene diskutiert werde

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Asiens Börsen weiter im Sinkflug

In Asien waren dagegen am Donnerstag die Märkte weiter abgesackt. An der Leitbörse in Tokio rutschte der Nikkei-Index für 225 führende Werte am Donnerstag um 173,72 Punkte oder 1 Prozent auf den Schlussstand von 16.552,83 ab.

An der Aktienbörse in Seoul prägten erneut Panikverkäufe den Handel. Der Leitindex Kospi verlor 8,4 Prozent und schloss unter der psychologisch wichtigen Schwelle von 1500 Zählern bei 1457,64.

Die japanische Notenbank hat sich im Kampf gegen die Virus-Folgen ähnlich wie die EZB wieder in das Marktgeschehen eingeschaltet. Die Bank von Japan (BoJ) bietet den Banken weitere 4 Billionen Yen (rund 34 Milliarden Euro) Liquidität an und weitet das Anleihekaufprogramm um 1,3 Billionen Yen aus, wie sie am Donnerstag in Tokio mitteilte.

Man werde wenn nötig flexibel agieren, um die Wirtschaft am Laufen zu halten und die Finanzmärkte zu stabilisieren. Erst vor zwei Tagen hatte die japanische Notenbank mit Schritten zuletzt gegen die wirtschaftlichen Verwerfungen durch die Coronavirus-Krise reagiert.

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Wall Street in Rezessionsangst

Zuvor war schon in New York der Dow Jones am Mittwoch um 6,3 Prozent abgesackt und hatte noch mit knapp 19.900 Punkten geschlossen. In wenigen Wochen der sich stetig vergrößernden Coronavirus-Krise hat der Index damit nahezu alle Gewinne seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump 2017 eingebüßt. An der New Yorker Wall Street rechnen Investoren mittlerweile mit einer Rezession in den USA.

Schwere Turbulenzen gab es am Mittwoch auch beim umfassenderen US-Index S&P 500. Der Handel wurde für 15 Minuten ausgesetzt; am Nachmittag hatte der Verlust an einem Punkt 7,9 Prozent betragen. Gegen Ende war es ein Verlust um 5 Prozent.

Die US-Regierung machte im Kongress Druck, um ihr eine Billion Dollar schweres Rettungspaket durchzubekommen. 500 Milliarden Dollar sollen an Amerikaner in zwei Tranchen in den nächsten beiden Monaten per Scheck zukommen - damit sie im wirtschaftlichen Stillstand durch die Coronavirus-Pandemie ihre Kosten decken können. Der Senat verabschiedete zunächst ein Maßnahmenpaket, das Krankheitsurlaub und kostenlose Tests auf das Coronavirus enthält. Mit Trumps Unterschrift würde es in Kraft treten.

RND/dpa


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