Börsen am Montag: Deutsche Bank an der Dax-Spitze

  • Der Dax hat im aktuellen Monat bislang fast 3 Prozent zulegen können. Damit hat der August seinem Ruf als schlechter Börsenmonat noch keine Ehre gemacht.
  • Das könnte sich laut Experten nun ändern, es rücken wieder die Risiken in den Vordergrund.
  • Am Montag kann der deutsche Leitindex zunächst mit Gewinnen punkten, bester Wert ist die Deutsche Bank.
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Frankfurt. Am deutschen Aktienmarkt wurden am Montag dank der Aussicht auf neue US-Konjunkturhilfen Gewinne verbucht. Am Vormittag rückte der deutsche Leitindex Dax um 0,39 Prozent auf 12.724,65 Punkte vor.

Für den MDax der mittelgroßen Werte ging es um 0,46 Prozent hoch auf 27.265,95 Punkte. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gewann knapp 0,6 Prozent.

Börsianer hoffen, dass in den USA nun endlich neue Wirtschaftshilfen umgesetzt werden zur Bekämpfung der Corona-Krise. US-Präsident Donald Trump brachte diese mittlerweile per Erlass auf den Weg, nachdem im US-Kongress die Verhandlungen darüber gescheitert waren. Allerdings stehen Teile seiner Verfügungen laut Kritikern auf sehr dünnem Eis, denn alle Maßnahmen, die neue Finanzmittel erfordern, bedürfen der Zustimmung des US-Kongresses. Dort wären Trumps Republikaner aber auf einen Kompromiss mit den Demokraten angewiesen. Belastend wirken derweil weiter die US-chinesischen Spannungen.

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Im Juli hatte der Dax bei 13.314 Punkten noch den höchsten Stand seit Beginn des weltweiten Corona-Börsencrashs erreicht. Diesen Einbruch hatte der deutsche Leitindex fast komplett wieder aufgeholt. Dann aber ging der im März begonnenen Erholungsrally die Luft aus. Die Marke von 12.800 Zählern war zuletzt das höchste der Gefühle, an diesem Widerstand war das Börsenbarometer zuletzt immer wieder gescheitert.

Wenig kursbewegende Nachrichten

In der Berichtssaison in Deutschland geht es am Montag zunächst ruhiger zu, bevor im Wochenverlauf weitere Unternehmenszahlen erwartet werden. Auch konjunkturell hat die Agenda am Montag keine besonders wichtigen Termine zu bieten.

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Im Dax eroberten die Titel der Deutschen Bank die Spitze mit plus 3,1 Prozent. Der europäische Bankensektor präsentierte sich zum Wochenauftakt insgesamt sehr fest.

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Mit Bertrandt und Atoss Software stehen zwei SDax-Werte im Blick. Die Neunmonatszahlen des Ingenieurdienstleisters Bertrandt sollten einem Händler zufolge für eine positive Kursreaktion ausreichen. Vorbörslich noch schwächer, gewannen sie zuletzt 0,6 Prozent. Die Papiere des Softwarekonzerns Atoss rückten um 1,8 Prozent vor, nachdem sie zuvor bis auf ein Rekordhoch bei 115 Euro gestiegen waren. Nach positiven Analysteneinschätzungen gewannen Morphosys und Carl Zeiss Meditec 3,6 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent.

Dax generell auf Richtungssuche

Die allmählich auslaufende Saison der Quartalsberichte börsengelisteter Unternehmen konnte dem Gesamtmarkt zuletzt schon keinen Schwung mehr verleihen. Zu unsicher sind vor allem die Aussichten auf den Rest des Jahres und zu stark hatten sich die Kurse zuvor schon erholt. “Im Moment fehlen neue Käufer, die auf dem aktuellen Kursniveau in den Markt kommen”, konstatierte Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Der Dax sei “auf Richtungssuche”.

Gegenwind gab es in den vergangenen Wochen vom starken Euro. Die Gemeinschaftswährung stieg zum US-Dollar seit Anfang Juli um fast sieben US-Cent auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Für den mit zahlreichen Exporteuren gespickten Dax ist das eine schwere Bürde, dürften sich die ungünstigen Wechselkurse doch in den nächsten Quartalsberichten negativ niederschlagen. Während der Dax in der Phase des steigenden Euro noch um gut 2 Prozent zulegen konnte, brachte es der US-Leitindex Dow auf 6 Prozent.

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Starker Euro - schwacher Dollar

Doch die Stärke des Euro ist eher eine Schwäche des Dollar. Denn dieser wertet auch zu anderen Devisen wie dem Yen, dem Schweizer Franken und dem britischen Pfund ab. "Der wesentliche Grund für die Dollar-Schwäche ist eine nachhaltige Kehrtwende der US-Geldpolitik", sagte Thu Lan Nguyen, Währungsexpertin der Commerzbank. Die Notenbank Fed dürfte die Leitzinsen auf absehbare Zeit bei nahe Null belassen. Damit unterscheide sich ihre Geldpolitik nicht mehr von der anderer wichtiger Notenbanken, "insbesondere der Europäischen Zentralbank", so die Analystin.

Sollten sich gute Umfragewerte des Demokraten Joe Biden im Rennen um die US-Präsidentschaft verfestigen, droht den Börsen auch von der politischen Seite Ungemach. "Das Pendel scheint bereits sehr stark zu Gunsten der Demokraten auszuschlagen. Aus Marktsicht könnte das wenig erfreuliche Entwicklungen wie Steuererhöhungen verheißen", sagte Strategin Stefanie Holtze-Jen vom Vermögensverwalter DWS. Sicher sei die Abwahl Trumps im November aber keineswegs.

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Zahlen von Telekom und RWE diese Woche

Derweil spielt die Musik mit Blick auf die Geschäftsberichte in der neuen Woche eher in der zweiten und dritten Reihe. Aus dem Dax warten noch Nachzügler wie die Deutsche Telekom und die Stromkonzerne RWE (beide am Donnerstag) und Eon (am Mittwoch) mit Quartalszahlen auf.

Überschaubar ist die Agenda der Konjunkturdaten. Die vom ZEW Institut am Dienstag zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturerwartungen dürften sich im August den zweiten Monat in Folge eingetrübt haben. “Grund hierfür ist klar die steigende Zahl von Neuinfektionen weltweit und speziell in Europa im Zuge der Feriensaison”, merkte die Landesbank BayernLB an. Unterstützung für die Aktienkurse ist also von dieser Seite zumindest nicht zu erwarten.

Wall Street: Dow Jones dreht ins Plus

Der Dow Jones Industrial hat am Ende einer guten Börsenwoche noch eine kleine Schippe draufgelegt. Der US-Leitindex drehte am Freitag im späten Handel ins Plus, während die beiden technologielastigen Nasdaq-Indizes unter Gewinnmitnahmen litten. Sie waren in den vergangenen Tagen von Rekord zu Rekord geeilt. Ein starker Arbeitsmarktbericht hatte im Handelsverlauf zunächst für etwas Erleichterung gesorgt, doch dann überwog insgesamt die Vorsicht angesichts des jüngst wieder aufgeflammten Streits zwischen den USA und China.

Der Dow legte um 0,17 Prozent auf 27.433,48 Punkte zu. Auf Wochensicht ergibt sich ein Plus von 3,80 Prozent. Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Freitag um 0,06 Prozent auf 3351,28 Zähler nach oben.

Der technologielastige Nasdaq 100 büßte 1,13 Prozent auf 11 139,39 Punkte ein. Der Auswahlindex Nasdaq Composite hatte zunächst mit Mühe noch einmal ein Rekordhoch erreicht, bevor er ins Minus drehte und am Ende knapp 1 Prozent verlor.

Der Arbeitsmarktbericht war mit besonderer Spannung erwartet worden, da er als Hinweis mit Blick auf die Frage gedeutet werden dürfte, ob der zunehmende Konjunkturoptimismus in den Vereinigten Staaten seine Berechtigung hat. Tatsächlich war den Daten zufolge in den USA die Beschäftigung im Juli überraschend deutlich gestiegen, womit der starke Einbruch in der Corona-Krise erneut etwas wettgemacht wurde.

Analyst Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets wies darauf hin, dass in den Zahlen die vergangenen zwei Wochen nicht inbegriffen seien, und damit auch nicht das steigende Infektionsgeschehen und die neuen regionalen Lockdowns. Ohnehin sei das Auf und Ab am Arbeitsmarkt derzeit in den Zahlen nur schwer festzuhalten, wie die rückwirkend kräftig nach oben revidierten Daten für Mai und Juni zeigten.

Mit Blick auf den wieder entflammten Streit zwischen Washington und Peking hatte die US-Regierung angekündigt, auf breiter Front gegen "nicht vertrauenswürdige Apps aus China" vorgehen und diese aus den App-Stores entfernen zu wollen. Dabei fielen Namen wie die Video-App Tiktok und der Messenger-Dienst Wechat. Die USA erhöhten vor dem geplanten Treffen beider Länder am 15. August den Druck auf China, schrieb der Experte Stephen Innes vom Broker AxiCorp. Die Regierung in Peking sprach von "Mobbing".

Kaum Bewegung an den Börsen in Asien

In Asien melden die heimischen Börsen kaum Bewegung. In Japan blieben die Aktienmärkte am Montag wegen eines Feiertages geschlossen. In China notierte derweil der Hangseng-Index zuletzt 0,36 Prozent bei 24.443 Punkten leicht im Minus.

RND/casc/dpa

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