• Startseite
  • Wirtschaft
  • Böllerverbot an Silvester – Weco-Chef warnt: „Dann gibt es die Branche nicht mehr“

Weco-Chef über Böllerverbot an Silvester: „Dann gibt es die Branche nicht mehr“

  • In die Debatte über mögliche Böllerverbote an Silvester mischen sich nun auch die Feuerwerkshersteller ein.
  • „Dann gibt es die Branche nicht mehr“, warnt Thomas Schreiber, Chef des größten deutschen Produzenten Weco.
  • Derweil haben erste Händler angekündigt, in diesem Jahr kein Feuerwerk verkaufen zu wollen.
|
Anzeige
Anzeige

Holland wagt, wovon auch deutsche Umweltschützer träumen: An Silvester wird in dem Nachbarland das private Feuerwerk verboten. Auch in Deutschland kocht eine Debatte darüber hoch. „Dann gibt es die Branche nicht mehr“, warnte Thomas Schreiber, Vorsitzender des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI), vor den Folgen.

Zuvor hatte es Antje Kappek, Fraktionsvorsitzende der mitregierenden Berliner Grünen, als wichtigen Schritt bezeichnet, Feuerwerk an Silvester zu verbieten – mit Verweis darauf, dass so Krankenhäuser entlastet und Neuinfektionen bei Silvesterfeiern verhindert würden. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schlug in eine ähnliche Kerbe. Schließlich erhöhe Feuerwerk auch die Luftbelastung, was das Risiko schwerer Covid-19-Verläufe steigere.

Video
Kein Feuerwerk zu Silvester?
0:59 min
Nur in manchen Städten Deutschlands gibt es sogenannte Böllerverbotszonen.  © RND
Anzeige

Für die Feuerwerksbranche wäre ein Totalverbot ein finanzielles Fiasko: „Einen Totalausfall könnten wir nicht überleben. Wir produzieren und importieren das ganze Jahr lang auf die drei Tage vor Silvester hin“, sagte Schreiber, der auch Geschäftsführer des größten deutschen Herstellers Weco ist. Das Unternehmen zählt etwa 450 Mitarbeiter. Schätzungen zufolge setzt der Handel mit Feuerwerk kurz vor Silvester etwa 122 Millionen Euro um.

Anzeige

Hoffen auf die Ministerpräsidenten

Anzeige

Weco und andere Hersteller haben ohnehin ein mageres Jahr hinter sich, nahezu alle Großfeuerwerke sind seit Ausbruch der Pandemie abgesagt worden. Die Hoffnung ruht dementsprechend auf dem Silvestergeschäft. Der VPI habe nun Briefe an die Ministerpräsidenten und die zuständigen Bundesminister geschrieben, so Schreiber. „Wir erhoffen uns Klarheit von der Runde der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten in der kommenden Woche“, sagte er.

Video
Böllerverbot an Silvester?
1:14 min
Silvester könnte dieses Jahr sehr ruhig werden: ganz ohne Böllerei und Feuerwerk.  © dpa

Geht es nach Schreiber, wird in der aktuellen Debatte nicht immer mit fairen Mitteln gerungen: „Wir versuchen, angesichts der Vorwürfe etwa der DUH sachlich zu bleiben“, kündigte Schreiber an. „Die Zahl der Verletzungen durch Feuerwerk etwa ist deutlich niedriger, als es bei denen heißt.“ Auch werde die Feinstaubbelastung durch Feuerwerk deutlich überschätzt, heißt es außerdem in einem Positionspapier des VPI.

Staatliche Hilfen benötigt

Anzeige

Sollte es zu einem Verbot kommen, bräuchten Hersteller wie Weco laut Schreiber ähnlich wie in Holland Staatshilfen. „Was mache ich ein Jahr lang mit meinen Beschäftigten, wenn die Lager voll sind und Abnehmer noch die Ware vom Vorjahr haben?“ Auch mahnte Schreiber, dass derzeit ohnehin schon viele Pyrotechnikfirmen auf Unterstützung angewiesen seien. Normalerweise leben diese als sogenannte Abbrenner von Großfeuerwerken. „Da erreichen uns als Verband jeden Tag Hilferufe.“

Um Großveranstaltungen gehe es bei der jetzigen Diskussion allerdings nicht, sagte Schreiber. „Aber im kleinen Kreis ist Silvester mit Feuerwerk coronakonform machbar“, zeigte er sich überzeugt. Zumal das Silvesterfeuerwerk aus seiner Sicht ein angemessener Jahresabschluss sein könnte: „Was läge denn näher, als den Corona-Schrecken Ende des Jahres mit Feuerwerk wegzuböllern?“, so Schreiber.

Allerdings bleibt abzuwarten, wie der Handel mit Silvester umgeht: In einer Umfrage von Chip.de kündigte die Baumarktkette Obi an, in diesem Jahr auf den Verkauf von Feuerwerk verzichten zu wollen. Weitere Händler sagten, sie hätten sich noch nicht endgültig festgelegt.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen