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Börsenstart: Schafft Oatly den Sprung raus aus der Nische?

  • Oatly geht am Donnerstag an der Börse an den Start.
  • Der Hersteller von Milchersatzprodukten auf Haferbasis soll so viel wert sein wie die Commerzbank.
  • Tatsächlich wächst das schwedische Unternehmen rasant, muss aber auch mit harter Konkurrenz rechnen.
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Hafermilch ist eigentlich sehr einfach herzustellen: Wasser, Haferflocken sowie etwas Salz und Zucker landen erst im Mixer, dann in einem feinem Sieb. Gut zehn Minuten dauert der Vorgang – aus dem Oatly das große Geschäft machen will. Die Schweden mit ihren aus vielen Supermarktregalen vertrauten Tetrapacks setzen voll auf Haferdrinks und andere Hafer-Ersatzprodukte für Kuhmilch. Und sie wollen am Donnerstag Milliarden mit einem Börsenstart einspielen.

Los geht es voraussichtlich zur (deutschen) Mittagszeit, konkret geht Oatly an der New Yorker Börse an den Start. 17 Euro pro Aktie sind als Ausgabepreis anvisiert. Mit insgesamt etwa 10 Milliarden Dollar (8,2 Milliarden) Euro wird das Unternehmen in etwa so bewertet wie die Commerzbank oder der LKW-Hersteller MAN – was bisherige Investoren wie die US-Talkshowlegende Oprah Winfrey oder der frühere Starbucks-Chef Howard Schulz mit Genugtuung zu Kenntnis nehmen dürften.

Dabei produziert Oatly, das in den 1990ern aus einem Forschungsprojekt zu Laktoseintoleranz entstanden ist, längst nicht mehr nur Haferdrinks: Kakao in Tetrapacks gehört ebenso zur Produktpalette wie Hafersahne zum Kochen und vegane Brotaufstriche in verschiedensten Geschmacksrichtungen. Und offenbar beherrschen die Schwedinnen und Schweden ihr Handwerk, ihre Drinks zählen laut Stiftung Warentest zu den Schmackhaftesten. Mit Starbucks hat das Unternehmen außerdem einen populären Partner, den es exklusiv mit Hafermilch beliefert. Als solche darf Oatly seine Produkte in der EU nicht bewerben, die Bezeichnung Milch ist tierischen Produkten vorbehalten.

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Kein Gewinn, aber viel Wachstum

Gewinn hat Oatly ausweislich seines Antrags bei der US-Börsenaufsicht SEC zuletzt allerdings nicht erwirtschaftet – was viele Aktionärinnen und Aktionäre kaum stören dürfte. Denn die Geschäftszahlen deuten auf großes Wachstumspotenzial hin: Oatly konnte seinen Umsatz im vergangenen Jahr auf 421 Millionen Euro verdoppeln. Selbst auf dem umkämpften US-Markt steigerte Oatly seinen Umsatz um 150 Prozent. Aus Sicht des Unternehmens wäre mehr drin gewesen, laut Börsenprospekt setzen bislang vor allem die Produktionskapazitäten dem Wachstum Grenzen.

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Hafermilch ist sehr nachhaltig

Das soll sich bald ändern, Fabriken von Oatly entstehen laut Börsenprospekt derzeit unter anderem in China, Russland, und Großbritannien. In den vergangen Monaten kamen außerdem Werke in den USA und den Niederlanden hinzu. Milchersatzprodukte sind ein globaler Wachstumsmarkt, Oatly zitiert Untersuchungen, denen zufolge allein in den USA in den vergangenen drei Jahren 20 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten den Milchkonsum zugunsten von Ersatzprodukten reduziert haben. In Deutschland geht das Thünen-Institut davon aus, dass die Umsätze mit Drinks aus Hafer, Soja und anderen Pflanzen jährlich um etwa 30 Prozent Umsatz zulegen.

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Zugleich können weder solche Zahlen noch der Börsengang darüber hinwegtäuschen, dass Oatly noch in einer Nische unterwegs ist: In Deutschland entfielen 2018 entlang von Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen nur 4 Prozent des Trinkmilchmarkts auf pflanzliche Ersatzprodukte. Bis Haferdrinks wirklich Mainstream werden, dürften entlang der bisherigen Wachstumsraten noch einige Jahre vergehen – auch wenn im Biosegment laut Nielsen schon 2018 30 bis 40 Prozent aller verkauften milchähnlichen Produkte aus Pflanzen hergestellt wurden.

Boykottaufrufe gegen Oatly

Nachhaltigkeit ist neben dem Geschmack das Hauptverkaufsargument von Oatly. „Wir sind kein perfektes Unternehmen oder nicht einmal nahe dran. Aber unsere Absichten sind gut“, heißt es denn auch auf der Homepage der Schweden. Das bestätigen viele Studien mit Blick auf die Umweltbilanz. Forscher der Universität Oxford etwa gehen davon aus, dass Hafergetränke nur ein Drittel des CO2-Ausstoßes von Kuhmilch aufweisen. Für einen Liter werden demnach knapp 90 Prozent weniger Fläche und 87 Prozent weniger Wasser benötigt. Unter allen pflanzlichen Milchalternativen ist Hafer damit eine der umweltverträglichsten.

Ob das genug Kundinnen und Kunden überzeugt, um die aktuelle Bewertung an den Börsen zu rechtfertigen, wird indes abzuwarten sein. Längst beschäftigen sich außerdem die Branchengrößen aus der Lebensmittelindustrie mit Milchalternativen. Danone etwa kaufte 2017 das US-Unternehmen White Wave für 12,5 Milliarden Dollar, schon damals erwirtschaftete White Wave so viel Umsatz wie Oatly heute. Auch Nestlé hat im vergangenen Jahr öffentlichkeitswirksam verkündet, bei der Entwicklung von pflanzlichen Milchersatzprodukten künftig intensiv mit Start-ups zusammenarbeiten zu wollen.

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Dann sind da noch die umweltbewussten Verbraucherinnen und Verbraucher, die Oatly Schwierigkeiten bereiten könnten. Im vergangenen Jahr etwa stieg der US-Finanzinvestor Blackstone bei Oatly ein. Dessen Chef Steve Schwarzmann gilt als Vertrauter des damaligen US-Präsidenten und Klimaleugners Donald Trump. Prompt hagelte es Boykottaufrufe – und im Netz zirkulierten viele Hinweise darauf, dass sich Haferdrinks ziemlich einfach selber herstellen lassen.

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