BMW in der Krise: So verteidigt Boss Zipse die umstrittene Dividende

  • Der bayerische Autobauer will knapp 1,7 Milliarden Euro Dividende ausschütten - und fordert gleichzeitig staatliche Kaufprämien.
  • Damit macht sich der Konzern angreifbar.
  • Bei der Hauptversammlung zeigte sich BMW-Boss Zipse unbeeindruckt.
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München. Mundtot gemacht hat die erste virtuelle BMW-Hauptversammlung die Aktionäre des Münchner Autoherstellers nicht. Per Internet haben sich diesmal 59 Aktionäre mit 127 Fragen zu Wort gemeldet. Im Schnitt der Vorjahre waren es zwölf Eigner mit 81 Fragen. Masse macht aber keine Klasse und vor allem keine Emotionen. Vor allem Letzteres bleibt beim Verlesen zusammengefasster Fragen auf der Strecke. Wer beim diesjährigen Eignertreffen nach Atmosphäre gesucht hat, musste vor die BMW-Zentrale gehen, in der Vorstände und Aufsichtsräte vor Kameras saßen. Draußen vor der Tür protestierten derweil der Dachverband kritischer Aktionäre, Fridays for Future und andere Gruppen.

BMW hat mit Gegenwind zu kämpfen

Auf einer Grünfläche vor der BMW-Welt hatte in Anzug und Schutzmaske gehüllt ein als Manager verkleideter Aktivist Platz genommen, um auf einem Pappschild um “Spenden für Dividenden” zu betteln. “In der gegenwärtigen Krisensituation ist es nicht zu verantworten, angesichts des enormen Absatzrückgangs und der sich abzeichnenden tiefen Rezession Gewinne auszuschütten”, erklärte Markus Dufner vom Dachverband kritischer Aktionäre.

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Dividende und Kaufprämie: Passt das?

Wie andere deutsche Autobauer verzichtet BMW nicht auf eine Dividendenausschüttung, während zugleich für staatliche Kaufprämien geworben wird. In Frankreich üben hingegen Renault oder der Lastwagenbauer Volvo Dividendenverzicht. BMW, wo vor allem die reichen Aktionärsfamilien Quandt und Klatten profitieren, leistet sich eine Ausschüttung von knapp 1,7 Milliarden Euro. Wie es zusammenpasst, Boni an Manager sowie eine derartige Dividende auszuzahlen, gleichzeitig aber 30.000 BMW-Mitarbeiter kurzarbeiten zu lassen und Kaufprämien zu fordern, wollen drinnen bei der virtuellen Hauptversammlung auch Aktionärsvertreter wissen. Ob es nicht klüger sei, in Notzeiten Geld zusammenzuhalten und es nicht in Form hoher Dividenden zum Fenster hinauszuwerfen, fragen sie.

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BMW-Chef Oliver Zipse kann keinen Widerspruch erkennen. Kurzarbeitergeld sei keine Staatshilfe sondern eine Versicherung, in die BMW als Arbeitgeber einbezahlt habe. Die Kaufprämie brauche nicht BMW sondern die Konjunktur als Starthilfe. Die Dividende betreffe das Vorjahr. Die Coronakrise könne man dann an der Ausschüttung für 2020 ablesen. Das gelte auch für Vorstandsgehälter, sagt BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer. Die seien zu 70 Prozent erfolgsabhängig und gingen für das laufende Jahr dann automatisch nach unten. Freiwilligen Verzicht brauche es nicht. Bei rund 19 Milliarden Euro Liquiditätsreserve könne sich BMW eine Dividendenzahlung zudem problemlos leisten, merkt Finanzchef Nicolas Peter an.

Neue Wirtschaftsweise gegen Kaufprämien

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Wenn Autobauer wie BMW nach Milliardengewinnen aus den Vorjahren noch auf solchen Finanzpolstern sitzen, brauchen sie auch keine Kaufprämien für ihre Autos, vor allem dann nicht, wenn es um solche mit Verbrennungsmotoren geht, folgert Monika Schnitzer. Die Wirtschaftsweise berät neuerdings im fünfköpfigen Sachverständigenrat die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen und zeigt Verständnis mit kritischen Aktionären. Auch ihr sind Dividendenzahlungen in Corona-Zeiten ein Dorn im Auge.

Draußen vor der Tür der BMW-Welt gibt es noch weit radikalere Forderungen. “SUVs zu Straßenbahnen”, steht auf einem Plakat. BMW müsse den Bau vor allem schwerer und klimaschädlicher Geländewagen einstellen und künftig klimaschonende Straßenbahnen oder Elektrobusse bauen, fordern Aktivisten.

Schienenfahrzeuge und Elektrobusse gehören nicht zum Produktspektrum von BMW, stellt Zipse nüchtern klar. Zudem senke man 2020 trotz Corona-Krise den eigenen Flottenausstoß an klimaschädlichen Abgasen gerade um ein Fünftel und erfülle damit alle neuen EU-Abgasgrenzwerte. “BMW kann auch Krise”, findet der Konzernchef.

RND

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