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Bloomberg: November 2020 bislang stärkster Börsenmonat seit mehr als 30 Jahren

  • Neue Hoffnungen auf Impfstoffe lassen die Börsianer jubeln und Aktien in die Höhe schießen.
  • Der Finanznachrichtendienst Bloomberg hat hochgerechnet, dass der November 2020 bislang der stärkste Börsenmonat seit mehr als drei Jahrzehnten ist.
  • Doch es gibt auch pessimistische Stimmen.
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Frankfurt am Main. Das war wieder ein Tag der Zuhauseaktien: Das Papier des Mahlzeitendienstes Delivery Hero ragte am Mittwoch unter den Werten des Deutschen Aktienindex (Dax) hervor. Es legte bis zum Nachmittag zeitweise mehr als 2,5 Prozent zu. Der Titel profitiert von der größten Pandemie seit hundert Jahren. Aber auch viele andere Dividendenpapiere haben mitten in der Corona-Krise erstaunliche Sprünge nach oben hingelegt. Wie passt das alles zusammen? Noch herrscht Optimismus. Doch mahnende Stimmen werden lauter.

Der Finanznachrichtendienst Bloomberg hat hochgerechnet, dass der November 2020 bislang der stärkste Börsenmonat seit mehr als drei Jahrzehnten ist. Der global ausgerichtete Aktienindex MSCI World hat in diesem Monat um rund 13 Prozent zugelegt. Etwas Vergleichbares ereignete sich zuletzt 1988. Das wichtigste US-Börsenbarometer, der Dow-Jones-Index, sprang am Dienstag erstmals in seiner 136-jährigen Geschichte über die Marke von 30.000 Punkten. Am Mittwoch startete er mit leichten Verlusten in den Handel.

Hoffnung auf Impfstoff lässt Aktien nach oben schießen

Was ist bloß in die Börsianer gefahren? Die aktuelle Standarderklärung: Die Akteure am Finanzmarkt setzen auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung, weil die Covid-Seuche dank Impfstoffen bald wirksam eingedämmt werden kann. Dazu der bevorstehende Regierungswechsel in den USA, mit Joe Biden als Präsident, der für mehr Berechenbarkeit stehe und die schwelenden Handelskonflikte befrieden könne.

Das hat die Aktien von Airlines, Reisekonzernen aber auch von Flugzeug- und Autobauern in die Höhe katapultiert – als Gegenreaktion auf die voran gegangenen steilen Abstürze. Eine kleine Auswahl: Die TUI-Aktie hat allein im November rund zwei Drittel an Wert gewonnen. Beim Flugzeugbauer Airbus sind es in den zurückliegenden sechs Monaten 56 Prozent, hier kommt gewissermaßen als Bonus hinzu, dass der Konzern im nächsten Jahr in den erweiterten Dax aufsteigen dürfte. Aber auch bei BMW ging es um 50 Prozent nach oben.

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Der Dax hat im vergangenen halben Jahr um 16 Prozent zugelegt. Er pendelt seit gut zwei Wochen zwischen 13.000 und gut 13.300 Punkten – letzteres sind noch 600 Zähler weniger als der historische Höchstwert, der Mitte Februar erreicht wurde. Gestern konnte sich der Dax bis zum Nachmittag mit geringen Abschlägen bei rund 13.260 Punkten halten.

Wachstum in Asien und Digitalisierung

Die Finanzmarktprofis teilen sich derweil immer deutlicher in zwei Lager auf: Die Optimisten und die Pessimisten. Zu Ersteren gehört Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Fondsgesellschaft DWS. Er rechnet damit, dass es mit den Aktien noch weiter aufwärts geht. Sein am Mittwoch vorgelegter Marktausblick geht für 2021 bei den Dividendenpapieren in einem globalen Plus von um die 8 Prozent aus.

Der Fokus beim Wachstum werde in Asien liegen. Bei den Branchen sieht er Internettechnologie (Stichwort: Digitalisierung) und „Climate Tech“ vorne. Mit Letzterem meint er alles, was mit Klimaschutz zu tun hat. Er ist davon überzeugt, dass bis 2030 die jährlichen Investitionen in grüne Energien im Schnitt mehr als doppelt so hoch liegen werden wie 2019. Schwerpunkte: Solar- und Windenergie, Stromtransport und smarte Netze.

Ultralockere Geldpolitik könnte noch lockerer werden

Als weitere belebende Faktoren führt er neben Wirtschaftswachstum und positiven Covid-19-Überraschungen das niedrige Zinsniveau an. Dafür sind die Notenbanken verantwortlich. Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, hat mehrfach betont, dass sie bereit ist, alles zu mobilisieren, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Konkret dürfte das bedeuten, dass im Dezember die ultralockere Geldpolitik noch etwas stärker gelockert wird, was Unternehmen finanzielle Spielräume verschafft, es Banken einfacher macht, Kredite zu vergeben und Staaten die Möglichkeit bietet, sich preiswertes Geld am Anleihemarkt zu besorgen.

Insolvenzen und Kreditausfälle könnten Banken schwer schaden

Genau in der wachsenden Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten sehen die Pessimisten ein zunehmendes Problem. Schon im Sommer hatte der Internationale Währungsfonds davor gewarnt, dass Verbindlichkeiten untragbar werden könnten. Insolvenzen wären die Folge. Kreditausfälle könnten Banken in die Tiefe reißen – nebst Crashs an den Börsen. Eine schwer zu bremsende Spirale nach unten würde einsetzen.

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Auslöser dafür könnte eine Verschärfung der Corona-Pandemie werden. So warnen die Aktienanalysten der Schweizer UBS-Bank in einer aktuellen Studie, dass verschärfte nationale Lockdowns die Anleger sehr schnell in die Flucht schlagen könnten. Neue Spannungen im Welthandel und ein Anspringen der Inflation (wegen der enormen Geldmengen, die Notenbanken in die Wirtschaft pumpen) könnten hinzu kommen. Diese Risiken seien „so global und weitreichend, dass nicht nur ein diversifiziertes internationales Aktienportfolio, sondern sogar ein wichtiger Index wahrscheinlich darunter leiden würde“, so die Schweizer UBS-Bank.

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