Blaulichtfilterbrillen: Was bringen sie wirklich?

  • Blaues Licht von Computerbildschirmen soll die Augen müde und trocken machen, bei manchen sogar zu Kopfschmerzen führen.
  • Optiker empfehlen empfindlichen Menschen deshalb Blaulichtfilterbrillen. Diese sollen die Symptome lindern.
  • Forscher geben in einer neuen Studie aber Entwarnung: Echte Netzhautschäden verursacht das blaue Licht sowieso nicht.
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Hannover. Viele Menschen starren jeden Tag stundenlang auf Bildschirme: Bei der Arbeit am Computer, in der Pause am Handy und abends vor dem Fernseher. Einige bekommen davon Probleme mit den Augen. Sie werden trocken und müde, manche bekommen auch Kopfschmerzen oder können sich schlechter konzentrieren. Dieses sogenannte Office-Eye-Syndrom kommt von zu viel blauem Licht, warnt der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen und rät zu Blaulichtfilterbrillen.

„Rückmeldungen sehr positiv“

„Das blaue Licht ist sehr energiereich, und es gibt Menschen, die darauf empfindlich reagieren. Die Blaulichtfilterbrillen sind keine Zauberbrillen, sie beseitigen nicht alle Probleme, aber sie können die Symptome lindern“, sagt Augenoptikermeister Giovanni Di Noto.

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In seinem Geschäft in Bückeburg ist die Nachfrage nach Blaulichtfilterbrillen in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Mittlerweile verkauft er etwa jede zweite Brille mit einem sogenannten Blueblocker. „Die Rückmeldungen sind sehr positiv“, sagt Di Noto.

Netzhautschäden nicht zu befürchten

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die warnen, dass die Blaulichtfilterbrillen nur eine Masche seien, um den Absatz anzukurbeln. Schließlich gibt es sie auch ohne Sehstärke für Menschen, die sonst gar keine Brille brauchen.

Jedenfalls seien langfristige Netzhautschäden durch Blaulicht nicht zu befürchten, geben Spezialisten für Augenheilkunde bei der deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft Entwarnung. Sie erklären, dass der Blaulichtanteil im Freien um ein Vielfaches höher sei als der Blaulichtanteil aus künstlichen Quellen. So betrage die natürliche Beleuchtungsstärke bei bedecktem Winterhimmel in unseren Breitengraden etwa 5000 lux, an einem Sonnentag sogar bis zu 100.000 lux.

Ein sehr hell eingestellter Computerbildschirm bleibe dagegen unter 500 lux. „Diese Lichtstärke ist viel zu gering, um Netzhautschäden an den Augen hervorzurufen“, beruhigt Sehforscher Michael Bach vom Universitätsklinikum Freiburg. „Auch wenn Kinder durch coronabedingten Fernunterricht stundenlang vor Bildschirmen sitzen, sind zumindest Blaulicht-Augenschäden dadurch nicht zu befürchten.“

Blaulicht hemmt Schlafhormon Melatonin

Augenoptiker Di Noto verweist dagegen darauf, dass es zu diesem Thema noch gar keine Langzeitstudien gibt. Gut erforscht sei dagegen, dass das Blaulicht die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemme.

Tatsächlich wurde bereits nachgewiesen, dass langes Schauen auf Smartphones und LED-Monitore am Abend zu Einschlafproblemen führen kann. Denn der Botenstoff Melatonin steuert die biologische Uhr des Menschen und damit seinen Schlaf-Wach-Rhythmus entscheidend mit. Deshalb gibt es bei den meisten Smartphones mittlerweile auch die Möglichkeit, einen Blaulichtfilter einzustellen, der die Farben wärmer macht.

Neue Studie bestreitet Wirkung von Blaulichtfiltern

Aber auch da halten die Experten der Deutschen Opthalmologischen Gesellschaft dagegen: Sie verweisen auf eine Studie aus den USA, die erst vor wenigen Monaten erschienen ist. Darin haben die Forscher die Wirkung der „Night Shift“-Einstellung am iPhone untersucht. Die Funktion dimmt bei Apple-Geräten den Blauanteil vom Displaylicht, um eine eventuelle Wirkung auf den Schlaf zu reduzieren.

Das Ergebnis der Studie mit 167 Probanden: „Es gab keinen Unterschied in Bezug auf die Schlafqualität zwischen der Gruppe, die die Night-Shift-Einstellung aktiviert hatte, und der Gruppe, die keine Night-Shift-Funktion aktiviert hatte, oder der Gruppe derer, die gar kein iPhone genutzt hatten“, berichtet Bach.

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Brillen mit Blue Blocker kaum teurer

Wer dennoch eine Blaulichtfilterbrille ausprobieren möchte, der muss sich vor gefärbten Gläsern nicht mehr sorgen: „Anfangs hatten die Gläser mit Blueblocker einen starken Blaustich, das ist heute nicht mehr so“, beruhigt Di Noto. „Im aufgesetzten Zustand bemerkt man keinen Unterschied mehr zu einer normalen Brille. Nur wenn man ein weißes Blatt Papier unter die Gläser legt, erkennt man einen leichten Hauch Gelb-Blau.“

Und auch die Kosten sind überschaubar: Wer sowieso eine neue Brille mit Sehstärke braucht, zahlt für den zusätzlichen Blaulichtfilter etwa 20 Prozent mehr pro Glas. Wer keine Sehschwäche hat, muss für eine reine Blaulichtfilterbrille ohne Dioptrien in etwa die gleichen Kosten wie für eine normale Brille einplanen.

Der Blaulichtfilter kann in fast alle Brillengläser integriert werden, egal ob der Träger kurzsichtig oder weitsichtig ist oder eine Gleitsichtbrille braucht. Neuerdings gibt es außerdem auch Kontaktlinsen mit Blaulichtfilter, allerdings meist nur als Tageslinsen.

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