Blasenrisiko: Mieten stagnieren, Wohnungspreise steigen

  • Seit rund zehn Jahren läuft der Immobilienboom in Deutschland schon.
  • Doch nun könnten die Zeiten rasant wachsender Mieten vorbei sein, heißt es in einer neuen Studie.
  • Anders sieht es beim Kauf von Wohnungen aus - was kein gutes Zeichen ist.
Anzeige
Anzeige

Hamburg. Nach Jahren kräftig steigender Mieten in vielen Städten verzeichnen Experten Anzeichen einer Beruhigung am Immobilienmarkt. Im dritten Quartal stagnierten die Neuvertragsmieten im Bundesdurchschnitt, teilte der Immobilienspezialist F+B am Donnerstag in Hamburg mit. Gemessen am zweiten Quartal habe es in einigen der 50 teuersten Städte Deutschlands gar Rückgänge gegeben, so das Institut, das Daten für Mietspiegel erstellt sowie Städte und Gemeinden berät. Vermieter seien wegen der Regulierung der Wohnungsmärkte vorsichtiger, meinen die Forscher. Bei den Kaufpreisen etwa für Eigentumswohnungen sieht F+B hingegen keine Entspannung.

Die Neuvertragsmieten in begehrten Städten wie in Köln, Würzburg, Ingolstadt und Karlsruhe seien etwas gefallen, heißt es in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. In Berlin, wo der rot-rot-grüne Senat am Dienstag ein Gesetz für einen Mietendeckel auf den Weg brachte, gab es demnach ein deutliches Minus von 1,4 Prozent.

Die Daten legten eine allmähliche Marktberuhigung nahe, erklärte F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner. Ein Grund sei die zunehmende Regulierung des Wohnungsmarktes etwa in der Hauptstadt. "Vermieter agieren bei neuen Verträgen angesichts der politischen Großwetterlage zurückhaltender." Zudem wirke die verschärfte Mietpreisbremse. Seit Januar müssen Vermieter die Konditionen alter Mieter offenlegen und bei überhöhten Mieten auch Geld zurückzahlen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Mieten in Metropolen steigen langsamer

Neuvertragsmieten bilden nur einen kleinen Teil des Immobilienmarktes ab, signalisieren aber die Richtung. Auch lässt sich die Stagnation von Juli bis September schwer als Ausreißer bezeichnen, da F+B schon das dritte Quartal in Folge eine Stabilisierung der Mieten beobachtet. Zu Jahresbeginn waren die Mieten in neuen Verträgen gemessen am Vorquartal erstmals seit 2005 leicht gefallen, im zweiten Quartal wuchsen die Mieten im Schnitt ebenfalls nicht. Eine ähnliche Entwicklung beobachtet der Immobilienspezialist Empirica: Ihm zufolge steigen die Mieten in Metropolen immer langsamer, in manchen deute sich eine Stagnation an, erklärte er.

Die Daten bedeuten aber nicht, dass Mieter vollends aufatmen können. F+B misst eine Stagnation der Neuvertragsmieten nur zum zweiten Quartal 2019 (plus 0,0 Prozent). Gemessen am Vorjahresquartal ging es Schnitt um weitere 0,7 Prozent nach oben - in nachgefragten Städten teils deutlich kräftiger. Die Bestandsmieten, die den Großteil des Marktes abbilden, kletterten von Juli bis September um 0,3 Prozent gemessen am zweiten Quartal und um 1,4 Prozent zum Vorjahresquartal.

Dennoch sind die neuen Daten im seit rund zehn Jahren laufenden Immobilienboom bemerkenswert. Binnen eines Jahrzehnts sind die Neuvertragsmieten im Bundesschnitt nach Angaben von F+B um fast 20 Prozent geklettert. Während auf dem Land viele Wohnungen leer stehen, gingen die Mieten in manchen begehrten Städten durch die Decke.

Kaufpreise laufen den Mieten davon

Derweil laufen die Kaufpreise den Mieten davon. Eigentumswohnungen verteuerten sich laut F+B im dritten Quartal um 1 Prozent gemessen am Vorquartal und um satte 5,9 Prozent zum Vorjahr - viel stärker als Ein- und Mehrfamilienhäuser. "Trotz Warnungen vor einer Preisblase vor dem Hintergrund eines sich anbahnenden Konjunkturabschwungs geht die Schere zwischen Preisen und Miete auseinander", sagte Leutner.

Er verwies etwa auf Warnungen der Bundesbank, wonach Wohnungen und Häuser in Städten bis zu 30 Prozent überteuert seien. Die Nachfrage nach Immobilienkrediten habe die Erwartungen von Geldhäusern erneut weit übertroffen, hatte die Bundesbank erst am Dienstag mitgeteilt. Doch angesichts der Niedrigzinsen und Milliarden an freiem Kapital an den Finanzmärkten fließe viel Geld in den deutschen Immobilienmarkt. "Insofern rechnet F+B aktuell nicht mit einer Trendwende."

RND/dpa