Black Friday: Aufpassen beim Kauf über Ratenfinanzierung

  • Mit dem Black Friday startet der große Einkaufsrausch vor Weihnachten.
  • Viele Verbraucher nutzen wegen der Corona-Pandemie vor allem den Onlinehandel.
  • Oft gehen dabei Einkaufswünsche nur per Ratenkredit vom Onlinehändler in Erfüllung – das ist zwar bequem, aber auch teuer.
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Stuttgart. Der alljährliche Shoppingrausch steuert auf seinen Höhepunkt zu. Am Black Friday und dem darauffolgenden Cyber Monday sowie den Tagen danach werden Deutschlands Verbraucher die meisten Geschenke für das Weihnachtsfest kaufen. Bedingt durch die neuen Verschärfungen für den Einzelhandel wird gerade das Einkaufen im Internet den großen Händlern neue Rekordumsätze bringen.

Damit die Wünsche auch zum großen Teil finanziell machbar sind und in Erfüllung gehen können, helfen viele Onlineshops und bieten den Kunden an, den Einkauf in Raten zu zahlen. Das verspricht auf den ersten Blick, dass der Kunde so ganz bequem und augenscheinlich ohne finanziellen Stress zu seinem persönlichen Einkaufserlebnis kommt. Doch wer sich die Kreditkonditionen von Onlinehändlern genauer anschaut, wird merken, dass diese Angebote oft (sehr) teuer sind.

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Alle Ratenkonditionen liegen über den üblichen Sätzen

Das Vergleichsportal Verivox hat dazu einmal die Finanzierungskonditionen der drei umsatzstärksten Onlinehändler Amazon, Otto und MediaMarktSaturn ausgewertet. Dazu wurden die Konditionen für zwei Modellfinanzierungen ausgewertet. Eine über 2500 Euro mit zwei Jahren Laufzeit und eine über 4000 Euro mit einer Laufzeit von vier Jahren.

Günstigster Anbieter beim Ratenkauf ist demnach der weltweit größte Onlinehändler Amazon. Der US-Konzern bietet seinen deutschen Kunden generell einen effektiven Jahreszins von 7,69 Prozent an. Die Laufzeit kann auf Kundenwunsch bis auf maximal 48 Raten, sprich vier Jahre, ausgedehnt werden. Amazon arbeitet hier mit der Hamburger Direktbank Barclaycard zusammen.

Der deutsche Traditionskonzern Otto verlangt derweil nahezu das Doppelte wie Amazon: 15,31 Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren – so die Analyse von Verivox. Bei einer Laufzeit von vier Jahren bietet Otto einen ermäßigten Zinssatz von 15,20 Prozent zur Finanzierung an. Bei MediaMarktSaturn finanzieren Kunden derweil ihren Einkauf zum Effektivzins von 8,49 Prozent. Zur Verdeutlichung der Zinskonditionen, diese einmal mit einem Zahlenbeispiel:

Abschreckende Zinssummen bei einer Laufzeit von 4 Jahren

Will ein Kunde einen Einkauf von 2500 Euro mit einer Laufzeit von 2 Jahren finanzieren, dann zahlt er bei den drei großen deutschen Onlinehändlern zwischen 198 und 390 Euro Zinsen. Bei einer Finanzierung von 4000 Euro für eine Laufzeit von vier Jahren kommen Otto-Kunden auf Kosten von 1269 Euro, bei den Onlineshops von MediaMarktSaturn auf 703 Euro. Amazon, der Primus der Branche, bietet die Ratenkaufoption nur für Beträge bis 3000 Euro an.

Die Zahlen können einen Verbraucher eigentlich nur abschrecken. Doch das tun sie selten. Denn der Ratenkauf über einen Onlinehändler hat einen scheinbaren Vorteil, der sehr oft zieht: Er ist bequem. Allerdings muss diese Bequemlichkeit entsprechend teuer bezahlt werden. Wer größere Konsumwünsche finanzieren möchte, sollte am Ende daher doch lieber einmal die eigene Hausbank nach einer Kreditmöglichkeit befragen.

Laut der Verivox-Analyse erhält die Mehrheit der Verbraucher einen Ratenkredit über 4000 Euro mit vier Jahren Laufzeit bei günstigen Banken zum Effektivzins von 2,43 Prozent. Das bedeutet am Ende eine Zinszahlung von 199 Euro. Das sind 1070 Euro weniger als bei der oben genannten teuersten Händlerfinanzierung.

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Der volldigitale Kreditabschluss

Der Klick beim Onlinehändler auf den Button „Einkauf finanzieren“ erfolgt bei vielen Verbrauchern aber nicht nur wegen des bequemen Services – oftmals eilt es auch. Schließlich will man „just in time“ den Einkauf durchführen und nicht erst wieder zu einer Bank rennen. Doch auch wer es eilig hat, muss nicht auf einen händlerunabhängigen Kredit verzichten. „Immer mehr Banken ermöglichen bereits einen volldigitalen Kreditabschluss“, sagt Experte Oliver Maier bei Verivox. „Dann dauert es oft nur 24 bis 48 Stunden, bis der Kreditantrag genehmigt und das Geld ausgezahlt wird.“

Beim volldigitalen Kreditabschluss identifiziert sich der Kunde per Videochat, die Onlinesignatur ersetzt hierbei die eigene Unterschrift von Hand. Etwaige Dokumente, welche die Bank gegebenenfalls anfordert, werden durch den Kunden über ein Onlineformular hochgeladen. Manche Banken führen die Bonitätsprüfung schon vollautomatisch und in Echtzeit über den sogenannten digitalen Kontoblick durch. Dann geht es mit der Kreditbewilligung noch schneller und es werden keine Unterlagen mehr benötigt.

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Bei bestimmten Beträgen die Nullzinsfinanzierung nutzen

Auch Amazon mit seiner Partnerbank, der Hamburger Direktbank Barclaycard, verfährt bei seinem Ratenkredit so. Der Kunde wird beim Klick auf den Button „Einkauf finanzieren“ automatisch auf ein Onlineformular von Barclaycard weitergeleitet und die genehmigte Kreditanfrage wird dann durch das sogenannte Web-Ident-Verfahren durchgeführt.

Kunden müssen aber auch nicht bei jedem Finanzierungswunsch einen Bankenkredit als Lösung ansehen. Das ist oftmals gar nicht möglich. Denn „für Beträge unter 1000 Euro vergeben die meisten Banken keinen Kredit“, sagt Oliver Maier und ergänzt: „Wenn Verbraucher kleinere Einkäufe in wenigen Teilbeträgen abbezahlen möchten, kann der Ratenkauf über den Händler also eine gute Lösung sein.“ Während Otto und MediaMarktSaturn bei größeren Summen gut zulangen, bieten die beiden Onlinehändler derweil für Laufzeiten bis zehn beziehungsweise zwölf Monate derzeit laut Verivox eine Nullzinsfinanzierung an.

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