Bitkom: Deutsche Unternehmen bei künstlicher Intelligenz am Scheideweg

  • Künstliche Intelligenz (KI) gilt als wichtige Schlüsseltechnologie der Zukunft.
  • Bei ihrer Entwicklung rangieren deutsche Firmen oft ganz vorne.
  • Bei der Anwendung zögern sie.
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Maschinenlernen in Form künstlicher Intelligenz (KI) ist keine ferne Science Fiction, sondern vielfach gelebte Realität. Das findet zumindest Achim Berg. „Ich weiß nicht, ob kleine Unternehmen immer wissen, dass sie KI im Einsatz haben“, sagt der Chef des heimischen Digitalverbands Bitkom und nennt Anwendungsbeispiele von Logistik und Routenplanung über Kundenanalyse bis Schadenserkennung bei Unfallautos. Falls die gut 600 Firmen aller Branchen, die Bitkom zu KI im eigenen Betrieb gefragt hat, aber korrekt Auskunft gegeben haben, liegt einiges im Argen. Demnach setzen aktuell ganze acht Prozent KI bereits ein, 30 Prozent planen es. „Das ist zu wenig, wenn es sich um eine Zukunftstechnologie für alle Branchen handelt“, stellt Berg klar.

Zugleich signalisieren die Zahlen dezentes Erwachen. Bei einer Befragung im Vorjahr hatten noch sechs Prozent angegeben, KI einzusetzen und 22 Prozent, das zu planen. Aber gemessen an Bedeutung und Fortschritten mit selbstlernenden Computeralgorithmen bedürfe es größerer Schritte in der deutschen Wirtschaft, findet der Bitkom-Chef. Denn allgemein rechnet er branchenübergreifend mit KI-Durchdringungsraten binnen drei bis fünf Jahren von deutlich jenseits 50 Prozent. Von dieser Entwicklung dürfe sich Deutschland nicht abkoppeln, zumal man auf Herstellerseite einige Weltmarktführer zu bieten habe.

Deutschland im Autobau bei künstlicher Intelligenz weltweit führend

Das ist zum Beispiel Celonis aus München. Das Unternehmen hat mittels KI-basierter Software das sogenannte Process Mining erfunden, womit IT-Prozesse in Firmen aller Art auf Schwachstellen untersucht und zeit- wie kostensenkend eliminiert werden können. Weltweit dominierend ist auch die Kölner DeepL, die Fremdsprachentexte mittels KI übersetzt. Was traditionelle Branchen angeht, sei Deutschland im Autobau und der Medizintechnik bei KI weltweit führend, ergänzt Berg.

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Bemerkenswert ist, dass die insgesamt noch relativ wenigen Firmen, die KI im eigenen Betrieb einsetzen oder planen das zu tun, vorwiegend bei deutschen Anbietern und erst in zweiter Linie bei US-Firmen kaufen, wie Bitkom ermittelt hat. Denn allgemein weisen von Bitkom befragte Firmen hierzulande den USA eine Führungsrolle bei KI zu. Dahinter sehen sie deutsche KI-Anbieter knapp vor China aktuell auf Rang zwei. Zugleich schätzen sie, dass die USA in den nächsten zehn Jahren ihren Vorsprung ausbauen und China und Deutschland bei KI deutlich überflügeln werden.

Politik muss KI-Leuchtturmprojekte finanziell fördern

Nach Ansicht von Bitkom droht das wirklich und vor allem wegen zögerlicher Anwendung der Technologie hierzulande. Das hat Gründe. Deutlich mehr als zwei Drittel aller befragten Firmen haben zwar mittlerweile die bahnbrechende Bedeutung von KI erkannt. Jedes zweite Unternehmen findet aber keine Experten, um sie im eigenen Betrieb zu verankern. Ähnlich viele führen finanzielle Engpässe und fehlende Zeit als Grund an. Berg lässt das nicht gelten. „Keine Leute, kein Geld, keine Zeit dürfen keine Gründe gegen KI sein“, betont er. Zeit müsse man sich für ein Thema dieser Bedeutung als verantwortlicher Manager nehmen. Experten finde, wer das auch wolle und Geldmangel könne als Pandemiefolge nur kurzfristig eine Entschuldigung sein.

„KI muss jetzt mit Schwung in die Betriebe gebracht werden“, fordert Berg. Die Realität sieht anders aus. Mehr als jedes zweite von Bitkom befragte Unternehmen habe erklärt, weder KI im Einsatz zu haben, noch das zu planen. Je kleiner der Betrieb, desto säumiger sei er. Großunternehmen hätten dagegen oft eigene KI-Abteilungen. In der Pflicht sieht der Bitkom-Chef nicht nur die Wirtschaft und ihre Manager selbst sondern auch die Politik. Die müsse rasch dafür sorgen, dass an deutschen Hochschulen mehr KI-Experten ausgebildet werden und KI-Leuchtturmprojekte finanziell fördern.

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