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Konten eingefroren

Bitcoin verliert drastisch an Wert: Kryptokrise lässt auch deutsche Sparer um ihr Geld zittern

Nach dem starken Anstieg geht es mit dem Bitcoin wieder steil abwärts.

Nach dem starken Anstieg geht es mit dem Bitcoin wieder steil abwärts.

Preisschwankungen sind Bitcoin-Anleger gewohnt, doch aktuell läuft eine besondere Nervenprobe: Innerhalb weniger Tage hat das Digitalgeld rund ein Drittel seines Werts verloren. Am vergangenen Freitag kostete ein Bitcoin rund 30.000 Dollar, bis Montagnacht rutschte der Preis fast auf 20.000 Dollar. Die Erholung am Dienstag dauerte nur wenige Stunden, dann drehte der Kurs wieder nach unten.

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Celsius Networks friert die Konten ein

Verschärft wird die Lage durch die Probleme der Plattform Celsius Network. „Wegen extremer Marktbedingungen“ hat der amerikanische Finanzvermittler die Guthaben seiner Kundinnen und Kunden bis auf Weiteres eingefroren. Das trifft auch Sparerinnen und Sparer in Deutschland: Wer bei der Berliner Neobank Nuri das sogenannte Bitcoin Ertragskonto hat, kommt vorerst ebenfalls nicht an sein Geld.

Wie lange das anhalten wird, sei noch nicht klar, sagte ein Nuri-Sprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, von unserem Partner Celsius detailliertere Informationen zur Dauer des Auszahlungsstopps zu bekommen.“ Die Zahl der betroffenen Kundschaft und die gefährdeten Summen nennt Nuri nicht. „Ein Bruchteil“ der knapp 500.000 Kundinnen und Kunden nutze das Ertragskonto, sagte der Sprecher lediglich.

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Kunden zogen offenbar immer mehr Geld ab

Celsius ist offenbar Opfer und gleichzeitig Beschleuniger des Kursrutsches an den Kryptobörsen. Die Plattform bietet Dienstleistungen rund um Kryptowährungen an, unter anderem sammelt sie bei Sparerinnen und Sparern Bitcoin ein und verleiht sie gegen Zins an andere Kundinnen und Kunden – letztlich das klassische Geschäftsmodell einer Bank. Nach eigenen Angaben hat Celsius 1,7 Millionen Kundinnen und Kunden, deren Bitcoin-Guthaben sich auf mehrere Milliarden Dollar belaufen.

Offenbar zog die Kundschaft zuletzt aber immer mehr Geld ab. Man habe alle Abhebungen und Überweisungen ausgesetzt, teilte das Unternehmen Montagfrüh mit und berief sich auf eine entsprechende Klausel in den Geschäftsbedingungen, die das möglich mache. Die genauen Gründe werden nicht genannt, auch die Gegenmaßnahmen bleiben offen. „Es liegt viel Arbeit vor uns und wir prüfen verschiedene Optionen. Dieser Prozess wird Zeit brauchen und es kann Verzögerungen geben.“

Mehr weiß man auch in der Berliner Nuri-Zentrale nicht. Man könne zu den Gründen des Zahlungsstopps „aktuell noch keine genaueren Aussagen machen“. 2015 unter dem Namen Bitwala gegründet, zählt Nuri zu den größeren deutschen Fintechs. Mit der Nuri-App kann man sein Konto verwalten, aber auch in Kryptowährungen investieren. Die eigentlichen Bankleistungen erbringt allerdings die Solarisbank. Nuri selbst hat keine Banklizenz und ist bei der Finanzaufsicht Bafin lediglich als Vermittler registriert.

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Wie das Geschäft funktioniert

Die Celsius-Schieflage trifft das Nuri Bitcoin Ertragskonto, das nach Unternehmensangaben seit Montag nicht mehr neu abgeschlossen werden kann. Beworben wurde es als Rezept gegen Nullzinsen und Inflation. „Die Zeit der niedrigen Zinsen ist endlich vorbei“, hieß es auf der Webseite. „Unsere Partnerschaft mit Celsius Network verschafft dir Zugang zu Ertragsraten, die du mit einem Oldschool-Bankkonto nicht erreichen könntest.“ Mit dem Ertragskonto „wächst der Wert deiner Bitcoins um bis zu 3 Prozent pro Jahr. Und zwar von ganz allein.“

Das Prinzip: Nuri reicht die Bitcoins seiner Sparer an Celsius weiter, wo sie an andere Plattformteilnehmerinnen und ‑teilnehmer verliehen werden. Diese zahlen Zinsen, an denen die Nuri-Kunden beteiligt werden. Die Höhe der Zinsen und damit der Ertrag auf dem Nuri-Konto hängt von der Nachfrage nach Krediten ab. „Wenn die Kreditnachfrage hoch ist, kann Celsius eine höhere Rendite für die nachgefragte Kryptowährung zahlen“, erklärt der Nuri-Sprecher. Zuletzt habe sie bei 3 Prozent pro Jahr gelegen.

Die Anleger tragen vollständig das Risiko der Insolvenz von Celsius Network.

Nuri GmbH

Risikohinweis für das Bitcoin Ertragskonto

Die Kehrseite findet sich unter den vorgeschriebenen Risikohinweisen. „Für den Kunden besteht das Risiko des Totalverlusts“, heißt es da. Denn Nuri wirbt zwar mit 100.000 Euro Einlagensicherung – aber nicht für dieses Produkt. „Die Anleger tragen vollständig das Risiko der Insolvenz von Celsius Network“, steht in den Risikohinweisen, bei einem Celsius-Ausfall springe niemand ein. Zudem unterliege das Unternehmen „keiner umfangreichen staatlichen Aufsicht“.

Wann und wie die Bitcoin-Sparer ihre Guthaben wieder nutzen können, ist völlig offen. Nuri werde „weiterhin nachdrücklich darauf bestehen, dass unsere Kunden so schnell wie möglich wieder Auszahlungen durchführen können“, sagte der Sprecher. Celsius erklärte, man habe die Konten eingefroren, um die Liquidität zu sichern und die Vermögenswerte zu schützen. Die Zinsen würden den Konten weiterhin gutgeschrieben.

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Kryptomarkt steht unter Stress

Für Kryptowerte dürften die Zeiten allerdings unruhig bleiben. Hier schlagen noch viel stärker als an der Aktienbörse die wachsenden Risiken und die Sorgen vor schnell steigenden Zinsen durch. Beides vertreibt die Anlegerinnen unjd Anleger aus den riskanten und zinslosen Kryptowerten.

Der Bitcoin als größte und bekannteste Kryptowährung war bis zum vergangenen Herbst steil auf 67.000 Dollar gestiegen. Mit der beginnenden Zinsdiskussion rutschte er allerdings genauso steil wieder ab. Anfang April schaffte er noch einmal ein Zwischenhoch bei knapp 50.000 Dollar, danach hat er sich innerhalb von zehn Wochen mehr als halbiert.

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