Biotech-Aktien: Welches Unternehmen macht das Rennen um den Impfstoff?

  • An den weltweiten Aktienmärkten befinden sich weiterhin viele Anleger im Corona-Impfstoff-Hype.
  • Positive Studienergebnisse lassen Aktienkurse auf Rekordhochs schnellen, wie das jüngste Beispiel Astrazeneca am Montag zeigte.
  • Doch an der Börse auf das richtige Unternehmen zu setzen ist somit schwierig.
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An den Börsen ist einmal mehr der Impfstoff-Hype ausgebrochen. Analyst Chris Hussey von Goldman Sachs sprach jüngst von ermutigenden Nachrichten bezüglich eines Impfstoffs gegen Covid-19. Diese schürten Hoffnung auf eine Erholung der Wirtschaft und kämen mithin an der Börse gut an. Die Hoffnung auf neue und baldige Corona-Impfstoffe ließen dann auch die Aktienkurse diverser Biotech- und Pharma-Unternehmen in den vergangenen Tagen deutlich klettern.

Generell haben die größten Pharmaunternehmen der Welt nach einer Wachstumspause 2019 wieder Fahrt aufgenommen und insbesondere ihre Innovationsanstrengungen verstärkt. So steigerten laut einer EY-Studie aus dem Juni 21 untersuchte Konzerne ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 14,6 Prozent – nach einem Minus von 0,8 Prozent im Jahr 2018. An dem Zuwachs hatten fast alle Unternehmen ihren Anteil: 16 der 21 Konzerne erhöhten ihre Forschung und Entwicklung-Ausgaben.

Corona-Krise kommt der Branche zugute

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Die Branche hat sich so als Innovator in Stellung gebracht, was ihr aktuell in der Corona-Krise zugutekommt. Innerhalb kürzester Zeit hat die Gesamtbranche bis Anfang Juni laut einer EY-Recherche 161 Impfstoff-Kandidaten für Covid-19 und 242 therapeutische Wirkstoffkandidaten hervorgebracht sowie mehr als 700 Tests entwickelt oder bereits auf den Markt gebracht.

Alexander Nuyken, Branchen-Experte bei EY, ist sich sicher: “Für das Unternehmen, das den Impfstoff hat, wird es ein Gamechanger.” So schnell dürfte das aber wohl nicht passieren. Es gebe keine Garantie für einen sicheren und wirksamen Impf- beziehungsweise Wirkstoff, so Nuyken. Doch wer hat in diesem Wettrennen die besten Karten?

Wer macht das Rennen?

Gute Chancen zu den wenigen Gewinnern zu gehören, hat GlaxoSmithKline (GSK). Das britische Unternehmen gilt als der weltweit führende Impfstoffhersteller und erzielte zuletzt rund neun Milliarden Dollar Umsatz auf dem Gebiet. Das Unternehmen arbeitet mit Sanofi an einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus.

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GlaxoSmithKline hat sich nun beim deutschen Biotech-Anbieter Curevac eingekauft. Das Tübinger Unternehmen erhält im Zuge einer strategischen Kooperation vom britischen Pharmakonzern eine Millionensumme. GlaxoSmithKline beteiligt sich mit umgerechnet 150 Millionen Euro an Curevac, was einem knapp zehnprozentigen Anteil am Tübinger Biotech-Unternehmen entspricht.

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Gemeinsam wollen Curevac und GlaxoSmithKline an mRNA-Technologie und Antikörpern gegen Infektionskrankheiten forschen. Curevacs bestehende klinische Entwicklungsprogramme zu mRNA-Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus sowie gegen Tollwut seien aber nicht Teil der Kooperation, so die Unternehmen. Inwieweit dies auch in den nächsten Monaten so bleibt, dürfte spannend werden.

Impfstoffentwickler aus Deutschland

So oder so wird Curevac aber auf jeden Fall weiter zu den wichtigsten Unternehmen im Bereich der Corona-Impfstoffentwicklung gehören. Ebenso wie das Biotech-Unternehmen Biontech aus Mainz, das ebenfalls von einer Allianz mit einem großen US-Pharmakonzern wie Pfizer bei der Entwicklung eines Impfstoffs profitieren kann.

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Am Montag hatten beispielsweise Pfizer und Partner Biontech gemeinsam gemeldet, dass eine erste Liefervereinbarung mit Großbritannien für einen noch in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoff geschlossen wurde.

Beide Unternehmen, Curevac und Biontech, sind derzeit auch die einzigen Impfstoffentwickler aus Deutschland im Pharma-Bereich, der einst von bekannten Konzernen wie Bayer, Boehringer oder Merck geprägt war. Doch die einstigen Größen sind heute im margenreichen Bereich der Impfstoffentwicklung kaum mehr aktiv.

Viel Entwicklungsgeld wird umsonst investiert

Einer der Großen in der Branche ist auch der britische Pharmariese Astrazeneca. Zusammen mit der Eliteuniversität Oxford hat der Konzern nun Daten zu einem Impfstoffkandidaten veröffentlicht, die Analysten zufolge ebenfalls Hoffnung machen.

In dem renommierten Medizinjournal “The Lancet” publizierten die Experten positive Studienergebnisse, wonach der mögliche Astrazeneca-Impfstoff eine Antwort des Immunsystems hervorrufe und auch sicher sei. Ernsthafte Nebenwirkungen habe es nicht gegeben.

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Biotech-Aktien bleiben eine Spekulation

An der Börse werden solche Nachrichten sehr schnell aufgegriffen. Nicht wenige Investoren hoffen bei vielen kleinen Biotech-Aktien auf den großen Durchbruch. Wie wichtig sich dabei neue Studienergebnisse der Unternehmen auf Kurse auswirken, zeigte der Montag.

Der Aktienkurs von Astrazeneca war vor den erwarteten Testergebnissen auf ein Rekordhoch gestiegen. Wären die Ergebnisse weniger positiv ausgefallen, wäre es damit wohl schnell vorbei gewesen.

Ein harter Wettkampf

Die Suche nach dem Impfstoff oder einer Therapie gegen Covid-19 ist ein sehr harter Wettkampf in der Branche. Experte Nuyken: “Bei der Suche wird viel Entwicklungsgeld umsonst investiert: Nach unserer Einschätzung werden 97 Prozent der derzeit erprobten Impfstoffe nicht das Licht der Welt erblicken. Unter den Therapeutika bleiben am Ende drei bis vier Präparate übrig, die angewendet werden.”

Biotech-Aktien gehören daher nicht erst seit der Corona-Krise zu den spekulativeren ihrer Art, da die Suche nach einem zuverlässigen neuen Wirkstoff im Biotech- und Pharmasektor häufig der berühmten Suche einer Nadel im Heuhaufen gleicht.

RND/casc/dpa

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