Billigfleisch: Aldi regelt, was die Politik nicht geschafft hat

  • Aldi prescht vor und will bis 2030 Billigstfleisch aus seinen Regalen und Kühltheken verbannen.
  • Damit könnte der Discounter branchenweite Standards setzen.
  • Und ihm würde etwas gelingen, woran die große Koalition zuletzt gescheitert ist, meint Christoph Höland.
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Hannover. Vor gut einer Woche musste die Große Koalition ihr Scheitern bei einem zentralen Vorhaben eingestehen: Das vom Bundeslandwirtschaftsministerium erarbeitete Gesetz zum Tierwohllabel landete statt im Bundestag im Papierkorb. Jetzt hat Aldi die Politik überholt.

Denn der Discounter will knallhart auslisten: Ab 2030 soll das Steak von Aldi mit Sicherheit von Tieren stammen, die schon einmal das Tageslicht gesehen haben. Frischfleisch aus den Haltungsstufen 1 und 2 sucht man dann bei Aldi in Nord und Süd vergeblich. Das macht Fleischfabriken nicht zu Ponyhöfen, ist aber vielleicht ein Anfang.

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Doch mit Anfängen tat sich die Agrarpolitik zuletzt schwer: Das Tierwohl-Label scheiterte, weil die SPD die Fleischwirtschaft dazu zwingen wollte. Die Union lehnte das ab. Dabei ging es wohlgemerkt um einen Packungsaufdruck, nicht um ein flächendeckend verpflichtendes Mindestmaß an Tierwohl.

Landwirte werden Hilfe brauchen

Das verlangt nun Aldi von seinen Lieferanten und durchschlägt womöglich den gordischen Knoten, der die Fleischwirtschaft seit Jahren blockiert. Denn längst ist klar, dass Konsumentinnen und Konsumenten ebenso wie Landwirtschaft und Tierschutzorganisationen mit dem Status Quo unzufrieden sind. An echten Veränderungen ist die Politik aber stets gescheitert.

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Nun legt Aldi vor, der Rest des Handels wird wahrscheinlich nachziehen. Doch der selbst für Fachleute überraschend ambitionierte Kurswechsel bringt für die Politik neue Aufgaben mit sich: Die Stallumbauten, die nun im Eiltempo nötig werden, kosten Geld und erfordern Genehmigungen. An beidem mangelte es zuletzt.

Dabei lagen Lösungsvorschläge von Thünen-Institut und Borchert-Kommission längst auf dem Schreibtisch von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Sie oder ihr Nachfolger werden sie wieder auspacken müssen, sowohl um der Tiere als auch um der Landwirte Willen. Denn die Aldi-Entscheidung zeigt: Für die Landwirtschaft der Zukunft sind große Würfe nicht nur nötig, sondern auch möglich.

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