Kolumne „Greenformation“

Bern statt Doha: Was wir beim Mieterstrom von der Schweiz lernen können

Fotovoltaikanlagen auf dem Dach eines Mietshauses.

Fotovoltaikanlagen auf dem Dach eines Mietshauses.

Wenn im neuen Jahr sich die Strompreise verdoppeln, können sich jene 1,5 Millionen Einfamilien­haus-Besitzer glücklich schätzen, die rechtzeitig eine Fotovoltaik­anlage und – noch besser mit einen Batteriespeicher – haben installieren lassen. Für Bewohner von Mehr­­parteien­häusern, vor allem für Mieter, wurden dagegen bislang gerade mal 5000 sogenannte Mieter­strom­projekte realisiert. Das entspricht einem mageren Prozent aller PV‑Anlagen in der gleichen Größenklasse.

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Anders in der Schweiz: Schon 10.000 Zusammenschlüsse für Eigenversorgung, kurz ZEV, sind dort seit 2018 entstanden. Die alternative Energie­gemeinschaft der Eidgenossen ist ein Erfolgsmodell. Hätten wir in Deutschland vergleichbare Möglichkeiten, könnten – die Zahlen aus der Schweiz einmal hochgerechnet – bereits rund eine Million Mieter­haushalte billigen PV‑Strom beziehen. Was ist anders?

Für alle Gebäude einer Energiegemeinschaft gibt es nur noch einen Netzanschluss, hinter dem Zähler übernimmt sie die Versorgung. Über 50 Unternehmen stehen in der Schweiz dafür bereit, darunter auch Netzbetreiber. Die Grundstücke müssen nicht einmal mehr nebeneinander liegen. Öffentliche Wege dürfen gekreuzt werden. Die Gemeinschaft kann selbst Verbindungen bauen oder übernehmen, um keine öffentlichen Netze nutzen zu müssen.

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Wie die Heizung gilt auch die PV‑Anlage oder der Speicher als ein Teil des Gebäudes. Mieter sind daher an die Energie­gemeinschaft gebunden, die aber nicht teurer sein darf als der Netzbezug. Finanzielle Vorteile müssen geteilt werden. Der ZEV tritt als Energie­gemeinschaft zwischen den klassischen Energie­versorger und die individuelle Eigen­versorgung. Obwohl nicht in der EU, setzt die Schweiz eine wichtige EU‑Vorgabe anders als Deutschland konsequent um.

Näher als Doha, von wo künftig ein Teil des Erdgases für Deutschland kommen soll, liegt das schöne Bern. Von dort könnte die Bauministerin ein Modell importieren, das gleichermaßen die chronisch schlechte Klimabilanz des Gebäudesektors verbessern und die Stromkosten der Mieter senken kann.

Holger Krawinkel ist Energieexperte, Stadt- und Regionalplaner. Er schreibt an dieser Stelle im wöchentlichen Wechsel mit Claudia Kemfert, Kerstin Andreae und Frank-Thomas Wenzel über den grünen Umbau der Wirtschaft. Alle bisherigen Beiträge der Kolumne „Greenformation“ finden Sie hier.

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