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  • Berliner StartUp will veganen Käse herstellen - mit Milchproteinen aus Hefebakterien

Wenn Hefe Milch gibt: Berliner Start-up will Käse ohne Kuh herstellen

  • Ob aus Soja, Hafer oder Erbsen: Milchersatzprodukte haben bislang weder den Geschmack noch die Eigenschaften des Originals.
  • Ein Berliner StartUp hat nun einen Weg gefunden, mit Hefebakterien naturidentische Milchproteine zu erzeugen.
  • Daraus könnte authentisch schmeckender Käse werden – und ein Milliardengeschäft, das das Klima schützt.
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Hannover. Dass Kühe pupsen, ist für das Klima ein Problem: Die Milchwirtschaft ist für etwa 4 Prozent des Ausstoßes an Klimagasen in Deutschland verantwortlich, weltweit sieht es wegen der methanhaltigen Flatulenzen kaum besser aus. Das Berliner Start-up Formo setzt deshalb auf Hefebakterien, die anstelle der Vierbeiner Milchproteine erzeugen. Seit Montag hält das Unternehmen einen Rekord, was Finanzierungsrunden in der europäischen Foodtech-Branche anbelangt.

Dabei steht das erst 2019 unter dem Namen Legendairy gegründete Unternehmen noch ganz am Anfang. Eine Massenfertigung gibt es bislang nicht, frühestens 2023 könnte etwa Formo-Mozzarella auf den Tellern von Verbraucherinnen und Verbrauchern landen. Das vollmundige Versprechen: Käse von Formo werde den gleichen Geschmack, die gleiche Textur und die gleichen Eigenschaften wie tierischer Käse haben.

Hefebakterien erzeugen Milchprotein

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Möglich machen soll das die weiterentwickelte sogenannte Präzisionsfermentation: Mithilfe von Kuh-Genen umprogrammierte Hefe wird mit Kohlenstoff und Stickstoff gefüttert, sie produziert naturidentisches Milchprotein. Später kommen noch pflanzliche Fette hinzu, sodass eine Masse entsteht, aus der Käse reifen kann. 20-mal effizienter als die Milcherzeugung durch Kühe sei das – was sowohl niedrigere Kosten als auch deutlich weniger CO₂-Emissionen garantiere, sagt das Unternehmen.

Bei Investoren, die sich spätestens seit dem Beyond-Meat-Erfolg vermehrt für Foodtechs interessieren, kommt das gut an: 50 Millionen Euro hat Formo jüngst eingesammelt, laut Fachportal Crunchbase mehr als jedes andere europäische Foodtech in einer vergleichbaren Finanzierungsrunde.

Die Geldgeber EQT Ventures, Agronomics und Elevat3 Capital sind geradezu euphorisch: „Das ist erst der Anfang der Milchproduktrevolution“, jubelte Elevat3-Gründungspartner Christian Angermayer am Montag.

Die Milchbranche ist im Umbruch

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Tatsächlich steht der Milchwirtschaft ein Umbruch bevor: Drinks aus Soja, Hafer oder Erbsen boomen ohnehin, sind aber letztendlich Ersatzprodukte, die weder nach Milch schmecken noch deren Eigenschaften haben. Umso größer war die Aufregung unter Landwirten, als die Hochland-Molkerei Anfang 2021 beim israelischen Start-up Remilk einstieg. Das setzt wie Formo auf Fermentationsprozesse, will echt schmeckende und dennoch künstliche Milch herstellen.

76 Prozent der Deutschen würden solche tierfreien Milcherzeugnisse gern ausprobieren, fanden kürzlich Wissenschaftler der US-Universität Bath in einer – auch von Formo unterstützten – Studie heraus. Verbraucherinnen und Verbraucher in anderen Ländern halten es demnach ähnlich.

Alternative Proteinquellen werden Milliardengeschäft

Und so bedient Formo einen Trend, den jüngst auch die Boston Consulting Group (BCG) bestätigt hat: Von derzeit 2 Prozent könnte der Anteil alternativer Proteinquellen am weltweiten Proteinmarkt bis 2035 steigen auf bis zu 11 Prozent steigen, heißt es im jüngst erschienen „The Protein Transformation“ genannten Bericht der BCG. Weltweit würden dann etwa 290 Milliarden Dollar mit künstlich erzeugten Proteinen umgesetzt, was in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Finnland entspreche.

Auf ein Stück dieses ziemlich großen Käselaibs schielt nun Formo – und könnte aus Sicht von Barbara Siegert Erfolg haben: Bislang böten pflanzliche Ersatzprodukte nicht den gleichen Geschmack wie das Original. Die Milch zu ersetzen erinnere Verbraucherinnen und Verbraucher außerdem an den unbeliebten Analogkäse, meint die Nahrungsmittelexpertin von Munich Strategy.

Näher am traditionellen Prozess der Käseherstellung

„Käse aus Mikroorganismen dagegen ist näher am traditionellen Prozess der Käseherstellung und kann den Verbraucherwunsch nach Ursprünglichkeit und Natürlichkeit möglicherweise besser erfüllen,“ sagt Siegert, die selber jahrelang in der Milchwirtschaft tätig war.

Ob Formo das gelingt, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Doch die Berliner sind optimistisch, auch mit Blick auf die Konkurrenz. „Die exzellente Zusammensetzung unserer Investoren zusammen mit unserem interdisziplinär aufgestellten Team bringen uns in eine einzigartige Position, den neuen Goldstandard bei Käse zu definieren“, erklärte Co-Gründer Raffael Wohlgensinger am Montag.

Vorerst will Formo indes kleine Schritte gehen: Mit dem nun eingesammelten Geld werde das Team von 20 auf 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wachsen und eine erste Pilotanlage für die Massenfertigung bauen. Auch sollen neben Mozzarella weitere tierfreie Käsesorten entwickelt werden, laut „Handelsblatt“ unter anderem Emmentaler, Gruyère und Appenzeller.

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