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Benzinpreis von 2 Euro? Warum das trotz steigendem Ölpreis unwahrscheinlich ist

  • In den letzten Wochen kletterte der Ölpreis immer weiter nach oben – ebenso wie der Benzinpreis.
  • Müssen sich Autofahrer schon bald auf Benzinpreise von 2 Euro pro Liter einstellen?
  • Experten sind skeptisch und meinen, dass der Ölpreis langfristig sogar sinken könnte.
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An der Tankstelle kannten die Benzinpreise zuletzt nur eine Richtung – nach oben. Zuletzt markierte der Benzinpreis einen neuen Jahresrekord mit durchschnittlich 1,48 Euro für Super E10 im Mai. Steigen die Preise an der Zapfsäule jetzt weiter? „Insbesondere der CO2-Preisfaktor und der Rohlölpreis werden in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen“, erklärt ADAC-Sprecherin Katja Legner gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Ende Mai stieg der Ölpreis für Brent auf über 70 Dollar je Barrel.

Ölpreis und CO2-Abgabe: Benzinpreise steigen

Die Einführung der CO2-Abgabe hatte bereits zu Jahresbeginn Folgen an den Tankstellen: Dort verteuerten sich Benzin und Diesel um acht Cent, so der ADAC. Weil der CO2-Preis jährlich angehoben werden soll, geht der ADAC von weiteren deutlichen Preissteigerungen an den Tankstellen aus. „Wichtig ist es aus Sicht des ADAC, die finanziellen Möglichkeiten vieler Bürger nicht zu überschätzen und eine breite Akzeptanz von klimapolitischen Maßnahmen sicherzustellen“, meint Legner gegenüber dem RND.

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Dass der Ölpreis und damit auch die Preise an der Tankstelle weiter so stark ansteigen, ist unter Experten umstritten. Rohölanalyst Christian Reuter von der NORD/LB sagte im Gespräch mit dem RND: „Der Ölpreis kommt nur gedämpft beim Autofahrer an. Von April 2020 bis heute hat sich der Ölpreis fast verdoppelt, der Benzinpreis aber nicht“.

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Ohnehin sind Benzinpreis und Ölpreis nicht vollständig miteinander gekoppelt: „Die Übersetzung vom steigenden Rohölpreis auf den Benzinpreis ist sehr schwierig, weil da noch viele Faktoren mit reinspielen – etwa Steuern“.

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Dennoch rechnet auch Reuter damit, dass die Ölpreise kurzfristig weiter steigen werden. „Dieses Jahr steigt der Ölpreis entsprechend der konjunkturellen Entwicklung. Aber ich sehe ihn nicht mehr sehr viel höher – möglicherweise bei etwa 75 Dollar pro Barrel“, so der Rohölexperte. Er glaubt, die OPEC versuche gerade auszuloten, wie weit sie den Ölpreis noch erhöhen kann. Zu hoch dürfte er aber nicht mehr steigen. Denn das Risiko sei zu hoch, durch einen zu hohen Rohölpreis die Wirtschaft abzuwürgen.

Sinken die Preise im nächsten Jahr?

„Die OPEC hält gerade viel Öl zurück, um den Preis hochzuhalten“, erklärt Reuter. Hintergrund ist, dass die Nachfrage nach Öl von der OPEC noch immer geringer als vor der Corona-Pandemie ist. Das hatte zuletzt für große Einbußen bei der OPEC gesorgt. „Inzwischen ist der Markt wieder gut von der OPEC gesteuert und sie sind an einem höherem Ölpreis interessiert“, meint Reuter.

Dennoch rechnet er damit, dass sich der Ölpreis im nächsten Jahr wieder nach unten entwickeln wird. Der Rohölexperte der NORD/LB rechnet mit einem Preis von 60 bis 65 US-Dollar pro Barrel. Denn langfristig will auch die OPEC mehr Öl verkaufen und mit dem Iran, der bisher boykottiert wurde, scheint eine Einigung in Sicht. Das wären immerhin ca. bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag mehr, was laut Reuter deutlich ins Gewicht falle.

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Statt des Ölpreises könnte aber eine Erhöhung der CO2-Steuer die Spritpreise beflügeln. Aktuell wird diskutiert, die CO2-Abgabe auf Benzin deutlicher als geplant zu erhöhen. Dafür sprach sich die Grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock aus. Kritik gibt es von Olaf Scholz (SPD), der sich gegen weiter steigende Benzinpreise aussprach. Tankstellenketten wie Aral sehen vor allem die CO2-Besteuerung als künftigen Preistreiber: „Nach Berechnungen der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) wird dies eine Erhöhung der Preise für Benzin bis auf 13 Cent je Liter im Jahr 2025, für Diesel bis 15 Cent je Liter (2025) zur Folge haben – jeweils ohne Mehrwertsteuer und Nebenkosten“, so Peter Kretzschmar von BP Europa (Aral) gegenüber dem RND. Allerdings gebe es noch so viele variable Kosten, dass künftige Preisentwicklungen aus Sicht von Aral/BP eher Spekulation sei. Zurückhaltend äußert sich auch die Tankstellenkette Total gegenüber dem RND: Sie rechnet mit weiteren Steigerungen des Benzinpreises. „Doch wieviel das sein wird, ist nur sehr schwer vorherzusehen“, heißt es.

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