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Glyphosatfiasko: Bayers verheerende Fehler

  • Monsantos Unkrautvernichter Roundup bleibt ein Milliardenrisiko.
  • Konzernchef Baumann hat die Dimension der Glyphosatdebatte nicht verstanden.
  • Er liefert Argumente für mehr Vielfalt an der Spitze, meint Stefan Winter.
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Werner Baumann konnte es kaum erwarten: Gerade war der Finanzmann 2016 zum Bayer-Chef aufgestiegen, da schob er den größten Kauf der Firmengeschichte an. Er wurde zu ihrem größten Desaster. Rund 60 Milliarden Euro zahlte Bayer für Monsanto – nicht zuletzt wegen dessen damals wertvollen Unkrautvernichters Roundup. Heute sind selbst Bayer und Monsanto zusammen weniger wert – wegen Roundup. Zehntausende Käufer haben wegen Gesundheitsschäden geklagt. Und nach der jüngsten Ablehnung eines Vergleichs weiß niemand, wie viele noch folgen werden.

In Leverkusen mag man sich als Opfer einer Klageindustrie sehen und auf den Rückhalt der US-Umweltbehörde Epa verweisen, die bei sachgemäßer Verwendung keine Gesundheitsrisiken durch den Wirkstoff Glyphosat sieht. Doch jenseits dieses Streits bleibt der Monsanto-Kauf ein Ergebnis verheerender Fehleinschätzungen.

Die immensen Haftungsrisiken in den USA fürchtete auch 2016 schon jeder Dax-Vorstand. Die Bedeutung gesellschaftlicher Debatten für das Geschäft war ein Trendthema, das Wort Reputationsrisiko in aller Munde. Baumanns Vorgänger Marijn Dekkers soll Monsanto auf solche Risiken abgeklopft haben und ließ die Finger davon.

Ein beherrschbares Problem gerät außer Kontrolle

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Sein Nachfolger verstand es nicht, hielt Schadensersatzklagen nur für ein Zahlenspiel und griff zu. Baumann lieferte damit das Paradebeispiel eines abgeschotteten Topmanagers, dessen Fantasie jenseits des Geschäftsmodells endet. Dass sich draußen Werte ändern, politische Prioritäten verschieben, eine neue Richtergeneration entscheidet – er sah es offenkundig nicht. Und Baumann ist nicht der Einzige mit eingeschränktem Blickfeld. Wer Argumente für mehr Vielfalt in Vorständen sucht, für unterschiedliche Herkunft und Blickwinkel: Bayers Monsanto-Kauf liefert ein schlagendes Beispiel.

Dort geriet ein vermeintlich beherrschbares Problem außer Kontrolle. Paradoxerweise erhält nur das Ausmaß der Fehlleistung dem Konzern die Unabhängigkeit und seinem Chef den Job: Glyphosat bleibt buchstäblich eine Giftpille gegen jeden, der Bayer zum Schnäppchenpreis übernehmen würde. Und Baumann soll bis 2024 im Amt bleiben, weil niemand anders diese Suppe auslöffeln will.

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