„Hätten uns mehr Vorlauf gewünscht“: Neue FFP2-Maskenpflicht in Bayern bringt Händler in Bedrängnis

  • Einzelhändler sehen die in Bayern angekündigte Pflicht, FFP2-Masken in Handel und Nahverkehr zu tragen, kritisch.
  • Es gebe keinen Grund für die neue Regelung, heißt es beim Handelsverband Deutschland – schließlich seien Geschäfte keine Corona-Hotspots.
  • Zugleich befürchtet der HDE Versorgungsengpässe, weil die Maskenpflicht in zusätzlichen Pausen fürs Personal resultieren könnte.
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Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht die in Bayern angekündigte Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske im Handel kritisch. Zwar trügen viele Kunden schon jetzt beim Lebensmitteleinkauf eine solche hochwertige Maske. „Das kann aber kein Grund sein, dies jetzt verpflichtend vorzuschreiben“, sagte Sprecher Stefan Hertel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Die bayerische Landesregierung hatte am Dienstag angekündigt, dass ab kommender Woche im Handel und im Nahverkehr eine Maske des Typs FFP2 getragen werden müsse. Diese höherwertigen Masken gewährleisten laut Gesellschaft für Aerosolforschung sowohl einen Schutz anderer Menschen vor Ansteckung als auch einen Schutz des Trägers. Vor allem letzteres können herkömmliche Mund-Nasen-Schutze und OP-Masken nicht im gleichen Maße wie FFP2-Masken bieten.

„Natürlich muss dann auch sichergestellt werden, dass die Versorgung mit bezahlbaren FFP2-Masken jederzeit flächendeckend gegeben ist“, betonte Hertel angesichts des bayerischen Vorstoßes. Aus Sicht der bayerischen Landesregierung ist das aktuell der Fall. Allerdings kündigte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) an, die Preisentwicklung von FFP2-Masken im Blick behalten zu wollen. Eine Ausgabe zusätzlicher kostenloser Masken an Bedürftige ist in Bayern bislang nicht geplant.

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Zumindest im bayerischen Ableger des Handelsverbands kommt die neue Regelung gut an: „Es ist ein logischer Schritt, denn die Fallzahlen gehen bisher nicht zurück“, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann, am Dienstag. Die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske sei ein Schlüssel, dies zu ändern und „ein Türöffner, den Einzelhandel wieder zu öffnen“. Allerdings sieht Ohlmann die relativ kurze Zeit zwischen Ankündigung und Umsetzung kritisch. „Wir hätten uns mehr Vorlauf gewünscht“, sagte er.

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FFP2-Maskenpflicht sorgt in Bayern für Diskussionen
1:56 min
Kritikpunkte sind vor allem die Kosten und die teilweise schlechte Verfügbarkeit.  © Reuters
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Muss das Personal mehr Pausen machen?

Indes befürchtet man beim Bundesverband HDE, dass das Tragen einer FFP2-Maske auch für Beschäftigte im Handel verpflichtend werden könnte. „Das könnte im Ergebnis zu Versorgungsengpässen aufgrund einer massiven Personalnot im Lebensmittelhandel führen“, warnte Hertel. Ihm zufolge sehen die Vorgaben der Unfallversicherung eine maximale Tragedauer vor, danach würden Pausen empfohlen. „Das ist mit der aktuellen Personaldecke für viele Unternehmen nur schwer darstellbar und kurzfristig kaum zu kompensieren“, erklärte der Sprecher.

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Hertel bekräftigte, bisher sei der Einkauf auch ohne FFP2-Maskenpflicht kein Hotspot für Coronainfektionen. „Die Erkrankungen unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Handel bewegen sich im unauffälligen Bereich“. Deshalb sei letzten Endes fraglich, ob eine FFP2-Maskenpflicht im Handel für die Pandemiebekämpfung geeignet und erforderlich sei.

Werden die FPP2-Masken knapp?

Inwiefern der Handel die nun steigende Nachfrage nach FFP2-Masken bedienen kann, ist derweil ebenfalls unklar. Zwar hätten die Apotheken die erste Stufe der „Mammutaufgabe“ bei der Beschaffung und Ausgabe von vielen Millionen kostenlosen FFP2-Masken seit Mitte Dezember gut bewältigt, erklärte ein Sprecher des Apothekenverbands ABDA gegenüber dem RND. „Ein kurzfristiges, bundesweites Ausrollen dieses Bayerischen Modells würde die Nachfrage nach FFP2-Masken noch einmal erhöhen“, erklärte er aber.

Dem ABDA-Sprecher zufolge ist derzeit schwer abschätzbar, wie sich Angebot und Nachfrage nach den Schutzmasken entwickeln – auch weil die FFP2-Masken nicht apothekenpflichtig seien und weil es verschiedene Bezugsquellen gebe. Tatsächlich sind etwa auf Amazon noch zahlreiche FFP2-Masken für etwa 2 Euro pro Stück zu bekommen. Anders sieht es im stationären Handel aus: Ausweislich des Onlineportals der Drogeriekette DM waren FFP2-Masken am Dienstag in zahlreichen Münchener Filialen nicht vorrätig.


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