Bauerndemos: Tausende Landwirte legen Verkehr in Städten lahm

  • Traktoren auf den Straßen gegen die Agrarpolitik aus Berlin: Tausende Bauern protestieren derzeit bundesweit.
  • In mehreren Städten und Regionen kommt es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.
  • Agrarministerin Klöckner zeigt Verständnis - hat aber auch klare Erwartungen.
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Berlin. Tausende Bauern sind seit dem Morgen in Deutschland unterwegs: Sie wollen mit ihren Traktoren in zahlreiche Städte fahren und damit gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung protestieren. In mehreren Städten kommt es zu Verkehrsbehinderungen. Unter anderem in Hannover, Stuttgart, Würzburg und Hamburg bildeten sich Staus.

Auch in Bonn kam es zu chaotischen Zuständen auf den Straße.,Dem Bonner "General Anzeiger" zufolge wurden zwischenzeitlich Brücken gesperrt, es seien deutlich mehr Traktoren als erwartet zu den Demonstrationen gekommen. In der früheren Bundeshauptstadt sollte auch die Hauptkundgebung des Protesttags stattfinden, 8000 bis 10000 Teilnehmer wurden erwartet. Bis zum Mittag waren es dem General-Anzeiger zufolge allerdings nur 4000 - wobei wohl mehrere Konvois erhebliche Verspätung hatten.

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Zehntausende Bauern demonstrieren deutschlandweit gegen die Agrarpolitik
0:52 min
In ganz Deutschland haben zehntausende Bauern gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung protestiert  © AFP
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Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte vor Beginn der Proteste Verständnis für die Sorgen der Bauern. Zugleich wies die stellvertretende CDU-Chefin auf nötige Veränderungen in der Landwirtschaft hin. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mahnte unterdessen mehr Schutz für Insekten in der Landwirtschaft an. Zur Begründung nannte sie den zahlenmäßigen Rückgang bei Feldvögeln.

In Brandenburg startete der Protest am Morgen. Landwirte zogen mit einer Sternfahrt nach Berlin. Rund 200 Traktoren und andere Landwirtschaftsmaschinen waren auf Brandenburgs Straßen Richtung Berlin unterwegs, wie die Polizei twitterte.

Die Demonstrationen der Landwirte richten sich gegen die Pläne der Bundesregierung unter anderem für mehr Natur- und Tierschutz in der Landwirtschaft und zum Schutz des Grundwassers vor Nitrat, das etwa durch Überdüngung in den Boden gelangt. Diesen Plänen hat auch Klöckner zugestimmt. "Wir möchten, dass die Politik und Verbände mit uns als Basis sprechen", sagte Meike Schulz-Broers vom Organisationsteam des Netzwerks "Land schafft Verbindung". In diesem haben sich Zehntausende deutsche Landwirte über Facebook und WhatsApp zusammengeschlossen.

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Bauerndemos in mehreren deutschen Städten

Die aktuelle Politik gefährde Familienbetriebe, warnten die Bauern. Außerdem führe "Bauernbashing", also etwa herablassende Äußerungen über Landwirte, in vielen Bereichen zu Ärger in der Berufsgruppe. In Berlin wollen 1000 Bauern mit ihren über 100 Traktoren zur Siegessäule fahren. Auch in Bonn, München, Würzburg, Bayreuth, Erfurt, Rendsburg, Hannover, Oldenburg, Stuttgart, Freiburg, Leipzig und Görlitz haben Landwirte Proteste angekündigt.

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Kritik an Schulzes Äußerungen gab es vom FDP-Bundestagsabgeordneten Karlheinz Busen. "Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat gut reden, wenn sie mehr Insektenschutz von den Landwirten fordert - sie muss das ja nicht bezahlen", sagte der Agrarpolitiker der Deutschen Presse-Agentur. Statt gegen die Landwirte zu regieren, müsse Schulze dringend mit Betroffenen sprechen. Sonst drohe die Stimmung auch hierzulande hochzukochen wie in den Niederlanden, sagte Busen. Dort hatte es zuletzt auch gewalttätige Proteste von Bauern gegeben.

Hinweis: Der Text wird laufend aktualisiert

RND/dpa