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  • Bahnstreik und Arbeit: Was für Beschäftigte bei Verspätungen und Zugausfällen gilt

Wegen des Bahnstreiks zu spät zur Arbeit? Diese Regeln gelten für die Beschäftigten

  • Ab Donnerstagmorgen streiken die Lokführerinnen und Lokführer der Bahn erneut.
  • Reisende müssen mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen.
  • Beschäftigte müssen trotzdem dafür sorgen, pünktlich zur Arbeit zu kommen, sie tragen das sogenannte Wegerisiko.
Lena Köpsell
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Berlin. Ab Donnerstagmorgen um 2 Uhr müssen Reisende mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Der erneute Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist für ganze fünf Tage angekündigt und geht bis in die Morgenstunden des kommenden Dienstag. Der Arbeitskampf der GDL stellt auch viele Pendlerinnen und Pendler vor Probleme. Welche Rechte haben sie in dieser besonderen Situation? Und gilt der Streik als Entschuldigung, wenn man es nicht pünktlich ins Büro schafft?

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Darf man wegen des Bahnstreiks einfach zu Hause bleiben?

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Nein, ohne Absprache geht das nicht. In vielen Berufen ist Home­office eine gute Alternative – durch die Corona-Zeit sind viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber da auch flexibler geworden. Es ist aber wichtig, rechtzeitig mit der Chefin oder dem Chef zu sprechen und sich eine Erlaubnis einzuholen. Wenn Home­office nicht möglich ist, können Arbeitnehmer an den Streiktagen eventuell kurzfristig Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen.

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GDL kündigt bislang längsten Streik an
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Der Personenverkehr soll nach Angaben der GDL ab dem 2. September betroffen sein. Die Fronten zwischen Bahn und Gewerkschaft sind verhärtet.  © Reuters

Darf der Arbeitgeber den Lohn kürzen, wenn man wegen des Bahnstreiks zu spät kommt?

Grundsätzlich gilt erst einmal: ohne Arbeit kein Lohn. Wenn der Beschäftigte nicht arbeitet und nicht krankgemeldet ist oder sich im Urlaub befindet, bekommt er kein Geld. Das gilt ohne Ausnahme, egal ob den Arbeitnehmenden beim Zuspätkommen ein Verschulden trifft oder nicht. Es handelt sich bei einem Ausfall öffentlicher Verkehrsmittel aufgrund eines Streiks ebenso wie bei widrigen Witterungs­verhältnissen wie Glatteis oder Schnee um ein sogenanntes Wegerisiko, das der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin zu tragen hat. Das heißt, es liegt in seiner oder ihrer Verantwortung, pünktlich zur Arbeit zu kommen.

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Kann man die verpasste Arbeitszeit einfach nachholen und länger bleiben?

Auf das Nachholen der verpassten Arbeitsstunden haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keinen gesetzlichen Anspruch. Es sei denn, das ist in Tarifverträgen, Betriebs­vereinbarungen oder mit mündlichen Abmachungen so geregelt.

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Kann der Arbeitgeber bei einer Verspätung mit einer Abmahnung drohen?

Hier kommt es, anders als bei der Kürzung des Lohns, auf die Frage des Verschuldens an. Sprich: Kann man dem Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin einen Vorwurf machen? Hat er oder sie beispielsweise den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin nicht informiert oder sich nicht ausreichend darum gekümmert pünktlich zur Arbeit zu kommen? „Wenn ich nichts für die Verspätung kann, kann mir weder eine Abmahnung noch eine Kündigung ins Haus flattern“, sagt der Berliner Arbeitsrechtler Alexander Bredereck dazu. Er empfiehlt, den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin bei einer Verspätung unverzüglich zu informieren wie bei einer Erkrankung auch. Es reiche nicht aus, darauf zu verweisen, dass der Streik in der Zeitung angekündigt wurde.

Und wann ist der Arbeitnehmer bei einem Bahnstreik schuld am Zuspätkommen und wann nicht?

Das kommt immer auf die jeweilige Situation an. Wenn die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer nichts von einem geplanten Streik mitbekommen hat, weil es der erste Streik nach einer langen Zeit ist, dann kann man ihr oder ihm dafür in der Regel keinen Vorwurf machen. Es ist etwas anderes, wenn man sich im Dauerstreik befindet und die Arbeits­niederlegung nicht überraschend stattfindet.

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Generell sollte man sich so verhalten, dass einem nichts vorgeworfen werden kann. Das heißt, man muss zumutbare Anstrengungen unternehmen, um pünktlich ans Ziel zu gelangen, sich also beispielsweise früher auf den Arbeitsweg machen oder aufs Auto umsteigen. Aber auch hier gibt es Grenzen: Nicht zumutbar ist es, schon einen Tag vorher zur Arbeit zu fahren oder Kosten für eine Taxifahrt zu zahlen, deren Höhe in keinem Verhältnis zum Gehalt steht.

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