Der Bahnstreik endet: Wie geht es jetzt weiter?

  • Am Freitagmorgen um 2 Uhr endet der Bahnstreik der GDL.
  • Gewerkschaft und Bahn zeigen sich offen für weitere Verhand­lungen, man wolle aber erst nach dem Streik Bilanz ziehen.
  • Auch der politische Druck auf eine schnelle Beilegung des Konflikts wächst.
Lena Köpsell
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Berlin. Am Freitag um 2 Uhr morgens sollte der Spuk vorbei sein. Dann wollten die Lokführerinnen und Lokführer ihren zwei­tägigen Bahnstreik beenden und die Züge wieder zuverlässig durch die Republik steuern. Das versprach Gewerkschaftschef Claus Weselsky am Mittwochabend in Berlin.

Aber wie geht es jetzt nach dem Streik weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Welche Auswirkungen hatte der Streik?

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Die Bahn konnte aufgrund des Streiks nur jeden vierten Fernzug und etwa 40 Prozent aller Regionalzüge anbieten. Auf vielen Strecken kam es zu Zugausfällen und teilweise stark überfüllten Zügen. Der Staatskonzern setzt nach eigenen Angaben alles daran, nach dem Ende des Streiks in der Nacht zu Freitag schnellstmöglich wieder zum Regelbetrieb zurückzukehren.

Ist der Streik jetzt vorbei, oder gibt es weitere Zugausfälle?

Der Streik endet am Freitagmorgen, der Arbeitskampf der GDL aber könnte noch weitergehen. Die Lokführergewerkschaft droht bereits. Sollte die Bahn kein verbessertes Angebot vorlegen, werde man mit weiteren Arbeits­kampf­maßnahmen beginnen müssen, sagte Gewerkschaftsboss Weselsky am Mittwoch. Darüber wolle man kommende Woche beraten.

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Wann setzen sich Bahn und GDL wieder an einen Tisch?

Das ist die große Frage. Ein zeitliches Ultimatum habe die GDL nicht gestellt, sagte Weselsky, man wolle dem Management der Bahn Gelegenheit geben, auf den Streik mit einem neuen Angebot zu reagieren. Wie es nach dem Streik konkret weitergehen soll, lässt die GDL offen. Man werde am Freitag nach dem Streik Bilanz ziehen, hieß es auf Anfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND). Auch die Bahn hält sich bedeckt. Am Mittwoch hatte Personalvorstand Martin Seiler betont, dass die Bahn verhandlungsbereit sei. Daran habe sich nichts geändert, teilte eine Sprecherin dem RND am Donnerstag mit.

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Welche Lösungen für den Tarifkonflikt gibt es?

Die Forderungen der GDL und die Angebote der Bahn liegen gar nicht so weit auseinander. Das sieht auch der verkehrs­politische Sprecher der SPD, Tino Schopf, so. „Ein guter Kompromiss träfe sich irgendwo in der Mitte und täte weder der Bahn weh noch zöge er einen Gesichtsverlust für die GDL nach sich“, sagte Schopf dem RND.

Die GDL fordert Lohnerhöhungen von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen. Auch die Bahn bietet 3,2 Prozent mehr Geld, will wegen der Milliardenverluste in der Pandemie die Erhöhung aber später wirksam werden lassen und pocht auf eine Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen – allerdings kein Corona-Zuschlag.

Kann die Politik den Streit befrieden?

Die Grünen sehen eine Lösung in der Abschaffung des Tarifeinheitsgesetzes. „Wir fordern seit Langem, dass dieses Gesetz abgeschafft wird, weil dadurch Streitigkeiten zu großen Streits aufgeblasen werden. Die Regierungsfraktionen tragen für dieses unsägliche Gesetz die Verantwortung. Es ist unverständlich, dass die SPD daran festhält“, sagte Stefan Gelbhaar, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, dem RND. Die Deutsche Bahn solle erwägen, das Tarifeinheitsgesetz nicht anzuwenden.

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Das 2015 verabschiedete Gesetz sollte eigentlich die Macht kleiner, aber gut organisierter Sparten­gewerk­schaften wie der GDL brechen. Es sieht vor, dass in einem Konfliktfall zwischen Arbeitnehmervertretungen die jeweils mitglieder­stärkste Gewerkschaft den Ton angeben darf. Das wäre bei der Deutschen Bahn und ihren Tochterunternehmen in den meisten Fällen die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Wie lässt sich der Betriebsfrieden bei der Bahn wiederherstellen?

Tino Schopf, verkehrspolitischer Sprecher der SPD, sieht das eigentliche Problem im Konkurrenzkampf der beiden Bahn­gewerk­schaften EVG und GDL. „Die GDL schlägt aufgrund geringerer Mitgliederzahlen immer die lauteren Töne an, um buchstäblich nicht unter die Räder zu kommen. Langfristig kann es im Konzern DB AG nur konstruktiv vorangehen, wenn sich die beiden Gewerkschaften untereinander einmal an einen Tisch setzen und besprechen, wie es weitergehen soll. Einseitige Muskelspiele bringen in der Sache nichts und schaden letztendlich nur dem Fahrgast“, sagte er.

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Bahnstreik: Hunderttausende Reisende betroffen
2:12 min
Der Lokführerstreik hat die Deutsche Bahn bundesweit mit Wucht getroffen und für zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen gesorgt.  © Reuters

Aus der FDP kommt die Forderung nach einer Schlichtung. „Der Streik hat Deutschland quasi für zwei Tage lahmgelegt. Angesichts von Corona und der wirtschaftlichen Situation war das ein Tiefschlag“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Liberalen im Bundestag, Oliver Luksic. „Eine möglichst schnelle und faire Lösung wäre daher im Interesse aller“, fügte Luksic hinzu.

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