Azubis: Der schwierige Berufseinstieg in der Corona-Zeit

  • Deutschlands Konjunktur ist erst einmal die Puste ausgegangen.
  • Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren am Arbeitsmarkt.
  • Weil Betriebe den Rotstift ansetzen, könnte es im Herbst auch deutlich weniger Ausbildungsplätze geben.
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Stuttgart. Die Corona-Krise hat die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland weiter nach oben schnellen lassen. Ein Ende der dramatischen Entwicklung am Arbeitsmarkt ist erst einmal nicht in Sicht.

Junge Menschen, die in den vergangenen Wochen ihren Schulabschluss bereits unter widrigen Corona-Umständen gemacht haben, könnten die prekäre Situation der Wirtschaft in Deutschland und weltweit auch am Ausbildungsmarkt zu spüren bekommen. Denn wenn wichtige Einnahmen fehlen, geraten nicht nur bestehende Ausbildungsverhältnisse in Gefahr, auch künftige Angebote der mehr als 400.000 Ausbildungsbetriebe in Deutschland werden unsicherer.

Die Partner der sogenannten Allianz für Aus- und Weiterbildung (Vertreter der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit, der Länder, der Gewerkschaften und der Arbeitgeber) haben jedoch zuletzt Maßnahmen vereinbart, um die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Ausbildung abzufedern: Eine Insolvenz eines Unternehmens soll zum Beispiel einem erfolgreichen Abschluss einer dualen Ausbildung nicht im Wege stehen. Hierfür ist eine Prämie für Betriebe angedacht, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen. Die Prämie soll zunächst bis zum Jahresende befristet sein.

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Bundesregierung verspricht Garantie auf Ausbildungsplatz

Zudem verspricht die Bundesregierung im Rahmen ihres Konjunkturpaketes derzeitigen und angehenden Azubis eine Ausbildungsplatzgarantie. Unternehmen, die ihr Ausbildungsplatzangebot in diesem Jahr im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringern, erhalten für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag demnach eine einmalige Prämie in Höhe von 2000 Euro. Diese wird nach Ende der Probezeit ausgezahlt. Betriebe, die das Ausbildungsplatzangebot sogar erhöhen, erhalten für die zusätzlichen Ausbildungsverträge 3000 Euro.

Sollte sich dagegen die Situation auf dem Ausbildungsmarkt verschärfen, ist ein befristetes Programm geplant, das den Ausbildungsbetrieben die Möglichkeit bietet, Teile der Ausbildung an überbetriebliche Bildungsstätten zu übertragen.

“Wir kämpfen um jeden Ausbildungsplatz”

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“Wir kämpfen um jeden Ausbildungsplatz”, sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. “Bewerbt euch um einen Ausbildungsplatz, geht auf die Betriebe zu, nutzt die vielen Ausbildungsplatzbörsen und Beratungsangebote”, empfiehlt der Deutsche Gewerkschaftsbund jungen Menschen.

Man sage zugleich den Betrieben, dass sie ausbilden sollen: “Kümmern Sie sich um Auszubildende, damit der Corona-Krise nicht die Fachkräftekrise folgt”, so Hannack. Denn all diejenigen, die jetzt nicht ausgebildet werden, fehlten den Unternehmen als qualifizierte Fachkräfte, wenn sich die Wirtschaft wieder erhole.

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Studierende fordern Unterstützung in Corona-Krise
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In Bonn kritisieren Studenten die zuständige Bundesministerin, weil sie keine finanzielle Unterstützung in der Corona-Krise bekommen.  © Christoph Scherbaum/Reuters

Bundesweit ist man bemüht, die Situation in den Griff zu bekommen – auch wenn die Industrie- und Handelskammern sowie die Agentur für Arbeit beobachten, dass sich der Bewerbungs- und Auswahlprozess für Ausbildungsplätze durch den Lockdown in diesem Jahr verzögert. In Hamburg beispielsweise baut die Freie und Hansestadt den Jugendlichen, die trotz Bewerbung keinen Ausbildungsplatz finden, verstärkt Brücken ins Arbeitsleben. So besteht in den Ausbildungsvorbereitungsklassen die Möglichkeit, die Schulzeit um bis zu sechs Monate zu verlängern und Prüfungen nachzuholen.

Trotzdem weniger Ausbildungsbetriebe

Dass die Programme und Prämien notwendig sind, zeigt ein Blick in den eigentlich wirtschaftlich starken Südwesten. Laut Zahlen des Industrie- und Handelskammertags Baden-Württemberg (BWIHK) wird rund ein Drittel der dortigen Ausbildungsbetriebe gar nicht mehr oder weniger ausbilden als im Vorjahr. Vor allem die kaufmännischen Berufe sind betroffen. In diesem Bereich geben 36 Prozent der teilnehmenden Betriebe an, gar nicht mehr oder weniger ausbilden zu wollen.

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Sorge wegen der Übernahme

Auch Azubis, die bereits während der Corona-Krise in einem Betrieb gearbeitet haben, haben oft Sorge, wie es um ihre Übernahme steht. Hier kann jedoch teilweise Entwarnung gegeben werden: Die bestehenden tarifvertraglichen Regelungen zur Übernahme blieben weiter bestehen, solange keine neue Vereinbarung im Betrieb getroffen worden sei, sagt die IG Metall.

Wenn eine Übernahmevereinbarung innerhalb der letzten sechs Monate vor Ende der Ausbildung geschlossen wurde, behält diese demnach ihre Wirksamkeit. Die Gewerkschaft rät jedoch Azubis, sich hierzu beim Betriebsrat zu erkundigen.

Infos von Gewerkschaften und Kammern

Generell unterstützen die Industrie- und Handelskammern die Arbeitsagenturen dabei, Azubis aus insolventen Unternehmen in Betriebe zu vermitteln, in denen sie ihre Ausbildung fortsetzen und beenden können. Dazu wird die gemeinsame Lehrstellenbörse der IHK als Plattform genutzt.

Auf einer speziellen Internetseite hat auch der DGB Informationen und Hilfestellungen für Auszubildende, junge Beschäftigte und Studierende zusammengefasst:

Die Bundesagentur für Arbeit stellt derweil auf ihrer Internetpräsenz ein Selbsterkundungstool für junge Menschen zur Verfügung, da aktuell der Zugang zu persönlicher Beratung erschwert ist.

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