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  • Autovermieter Sixt bekommt neue Chefs – Erich Sixt wechselt in Aufsichtsrat

Erich Sixt nimmt Abschied mit einem Seitenhieb auf die Politik

  • Deutschlands größter Autovermieter bekommt neue Chefs.
  • Erich Sixt wechselt in den Aufsichtsrat.
  • Sein wichtigstes Ziel im letzten Jahr hat er erreicht.
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Er hat Konkurrenten verspottet, über Politiker gelästert und die Kanzlerin mit Sturmfrisur zur Werbefigur gemacht. Jetzt will es Vollblutunternehmer Erich Sixt ruhiger angehen lassen. „Ich habe das Pensionsalter um zehn Jahre überschritten und gehe jetzt in Teilruhestand“, erklärte der 76-Jährige zur letzten Bilanzvorlage als Firmenchef.

Sein Rückzug ist nicht komplett, denn Mitte Juni will er sich von der Sixt-Hauptversammlung in den Aufsichtsrat des Autovermieters und dort zum Vorsitzenden wählen lassen. Dieser direkte Wechsel ist nach den Maßstäben guter Unternehmensführung zwar verpönt – angesichts der Aktienmehrheit seiner Familie aber trotzdem sicher.

Die Nachfolge ist lange geklärt

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Im Gegensatz zu anderen Familienunternehmen ist die Nachfolge längst geklärt. Neue und gleichberechtigte Co-Chefs werden die Söhne Alexander und Konstantin, die beide seit 2015 dem Vorstand angehören und zuletzt bereits für Schlüsselprojekte verantwortlich waren. Sorgen, dass diese Doppelspitze wie viele andere davor zerbrechen könnte, versuchte der 41-jährige Alexander Sixt zu zerstreuen: „Es passt kein Blatt zwischen uns, wir teilen uns schon länger einen gemeinsamen Schreibtisch.“

Mit seiner Werbung für Umzugswagen traute sich Sixt 2016 auf politisches Terrain.

Obwohl sein drei Jahre jüngerer Bruder lediglich den Vertrieb verantwortet und er selbst mit Strategie, Einkauf und Personal mehr Verantwortung hat, sieht er das neue Chef-Duo als völlig gleichberechtigt an. Die vierte Generation habe großen Anteil daran, dass das börsennotierte Unternehmen im Corona-Jahr 2020 noch einen Minigewinn von 2 Millionen Euro geschafft habe, lobte Vater Erich.

Die schwarzen Zahlen machte aber nur der Verkauf des Leasinggeschäfts möglich. Aussagekräftiger ist der bereinigte operative Gewinn, der 2020 von plus 308 Millionen Euro mit 82 Millionen Euro in die Verlustzone gestürzt ist. Die Umsätze sind parallel um 40 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro eingebrochen.

„Es ist positiv gelaufen, viel besser als bei anderen Touristikunternehmen“, findet der scheidende Seniorchef dennoch. Als Maßstab dienen ihm der Flugverkehr, der um gut drei Viertel eingebrochen ist, und die Verluste anderer Autovermieter teils in Milliardenhöhe. Der Patriarch spürt nach einem Jahr Pandemie nun sogar Frühlingsstimmung durchs Unternehmen wehen.

Dafür, dass Sixt vergleichsweise gut abgeschnitten hat, musste allerdings auch das eigene Personal bezahlen. In der Krise wurden trotz Kurzarbeit und eines Kredits der staatlichen KfW-Bank rund 2000 Jobs gestrichen. Ende 2020 haben für Sixt weltweit noch 6100 Menschen gearbeitet.

Sixt-Flotte 2020 um ein Viertel verringert

Zugleich wurde in den USA von 65 auf 100 Vermietstationen kräftig expandiert. Dort ist Sixt mit nur wenig mehr als einem Prozent Marktanteil bislang eine abgeschlagene Nummer vier im Markt. Mit den neuen Stationen sieht der Firmensenior dort nun langfristige Wachstumsschübe programmiert. In Deutschland ist Sixt mit knapp 40 Prozent Marktanteil mit großem Abstand die Nummer eins und in Europa mit 17 Prozent nahe dran.

In die Gewinnzone hat sich Sixt auch durch den Abbau der Vermietflotte gerettet, die der größte Kostenfaktor des Mobilitätsdienstleisters ist. Um ein Viertel auf knapp 114.000 Autos weltweit wurde die Sixt-Flotte 2020 verringert. Inklusive Personal wurden so 600 Millionen Euro gespart.

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„Ich hasse Verluste“, sagt Erich Sixt. Mit roten Zahlen habe er die Führung keinesfalls abgeben wollen. Denn Verlust habe Sixt in den gut 50 Jahren, seit er an der Spitze des Konzerns steht, noch nie geschrieben. Das könnte auch ein Argument für seinen jetzigen Abschied gewesen sein. Denn dafür, dass 2021 nicht noch der gerade vermiedene Verlust droht, wollte Sixt nicht die Hand ins Feuer legen. „Eine Prognose wäre nicht seriös, weil ich nicht weiß, was sich die Bundesregierung noch einfallen lässt“, schoss der Manager in Richtung Politik. „Da malt ein Virologe ein Katastrophenszenario, und schon ist es passiert“, ätzte Sixt noch einmal streitlustig zum Abschied. Es sei auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt zum Gehen.

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