Autotrends: Hybridmodelle kommen langsam aus der Nische heraus

  • Hybridmodelle erfreuen sich inzwischen mehr Beliebtheit.
  • Automobilhersteller setzen zudem auf elektrounterstützte SUV.
  • Beide Trends zusammen dürften das Thema des Jahres 2020 werden.
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Das Autojahr 2019 hat zwei klare Gewinner: Die SUV-Mode ist zum Massenphänomen geworden, und der Hybridantrieb kommt langsam aus der Nische heraus. Beide Trends zusammen dürften das Thema des neuen Jahres werden: Hybrid-SUV sind die wirtschaftlichen Gewinner der neuen Abgasvorschriften.

2019 wurden in Deutschland so viele Autos verkauft wie seit der Abwrackprämie vor zehn Jahren nicht mehr. Gegenüber dem schwachen Vorjahr stieg der Absatz um 5 Prozent auf 3,6 Millionen Personenwagen. Besonderen Schub brachte der Dezember mit fast 20 Prozent Zuwachs gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat. „Der deutsche Pkw-Markt lief 2019 außerordentlich stark“, sagte Reinhard Zirpel, Präsident des Importeurverbands VDIK.

Produktion in deutschen Werken hat nachgelassen

Der Rest der Welt tat sich zuletzt schwerer, was auch die deutschen Hersteller zu spüren bekamen: Nach Angaben ihres Verbands VDA schrumpfte der Autoexport um 13 Prozent. Entsprechend ging die Produktion in deutschen Werken um 9 Prozent auf 4,7 Millionen Autos zurück. Das Wachstum des deutschen Markts geht zum größten Teil bereits auf das Konto der alternativen Antriebe. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) wurden 285.000 Hybridfahrzeuge verkauft, knapp 80 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihr Absatz stieg im Jahresverlauf kontinuierlich, vor allem Plug-in-Hybride, deren Batterie am Stromnetz wieder aufgeladen werden kann, setzen sich immer mehr durch.

Im neuen Jahr werden die Hersteller diese Fahrzeuge mit Macht in den Markt drücken, denn sie sind der Schlüssel, um die neuen Abgasvorschriften zu erfüllen, solange sich die reinen Elektroautos noch nicht durchgesetzt haben. Die neu zugelassenen Autos in Europa dürfen in diesem Jahr nur noch durchschnittlich 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Der reale Wert liegt allerdings noch um die Hälfte höher – und jedes Gramm Überschreitung wird pro Fahrzeug 95 Euro kosten. Plug-in-Hybride unterbieten den Grenzwert dagegen deutlich und können im besten Fall sogar Bonuspunkte, sogenannte Supercredits, sammeln: Autos, die im Abgastest WLTP weniger als 50 Gramm CO₂ ausstoßen, zählen doppelt.

Hybride sind noch ziemlich teuer

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Die Kehrseite der Plug-in-Hybride: Die Technik ist teuer, sperrig und schwer. Deshalb wird sie vorzugsweise in größere SUV eingebaut, deren Kunden besonders zahlungswillig sind. In kurzer Zeit hat sich der Anteil der Stadtgeländewagen am deutschen Markt auf 20 Prozent verdoppelt. Hinzu kommen die vom KBA gesondert gezählten „echten“ Geländewagen mit 10 Prozent. Das rustikale Design lockt die Kunden vor allem von den Kompaktwagen und den Minivans weg. VW – wie immer spät auf den Trend aufgesprungen – hat gerade angekündigt, noch mehr Modelle auf den Abenteuerlook zu trimmen.

So dürften Hybrid-SUV für die Autohersteller in den nächsten Monaten das Mittel der Wahl sein: Dank des zusätzlichen Elektromotors drücken sie den CO₂-Wert und werden vom Staat mit einer Kaufprämie gefördert. Dank des vergleichsweise hohen Preises bringen sie aber trotz der aufwendigen Technik Gewinn in die Kasse. Bei kleineren Autos in der Kompaktklasse ist das kaum noch möglich. „Große SUV mit positiven Deckungsbeiträgen hybridisieren“, hat VW-Chef Herbert Diess als Devise ausgegeben.

Normalisierung trotz Rückgang

Eigentlich war einmal der Diesel ausersehen, die Dickschiffe sparsam zu machen, doch mit dem Abgasskandal hat er rapide an Bedeutung verloren. Rund ein Drittel der Neuwagen hat einen Selbstzünder unter der Haube, vor wenigen Jahren war es noch mehr als die Hälfte – und in der Branche ist man froh, dass nun offenbar die Talsohle erreicht ist.

Das neue Jahr wird nach Überzeugung der Autoexperten bei der Unternehmensberatung EY nicht ohne Verwerfungen abgehen. Die Hersteller hätten 2019 genutzt, um noch einmal die konventionellen Modelle nach den alten Abgasvorschriften in den Markt zu drücken. Nun werde es erst einmal eine Delle geben, bevor in der zweiten Jahreshälfte neue Elektroautos womöglich die Nachfrage ankurbeln. Unterm Strich werde der deutsche Markt deshalb in diesem Jahr um 3 bis 5 Prozent schrumpfen. Der VDIK stellt sich sogar auf 7 Prozent Rückgang ein, sieht darin aber eine „Normalisierung“.

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