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  • Automobilindustrie: Darum ist der Vertrauensverlust in die Autobranche fatal

Fataler Vertrauensverlust in die Autobranche

  • Niemand hört mehr auf die Autobranche.
  • Das ist verständlich, aber falsch.
  • Der Wechsel zur E‑Mobilität braucht mehr politische als finanzielle Hilfe, meint Stefan Winter.
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Die sechs bewegtesten Jahre der Autoindustrie passen in einen halben Tag: Am Morgen kündigten die Verbraucherzentralen eine Dieselmusterklage gegen den Daimler-Konzern an. Mit dem Abgasskandal begann die Irrfahrt der einstigen Vorzeigebranche.

Kurz darauf mühte sich Hildegard Müller, dessen Folgen einzudämmen: Die geplant strikte Abgasregulierung dürfe niemanden überfordern, sagte die VDA-Präsidentin, die nach dem Skandal ins Amt kam. Und wenig später meldete sich ihr größtes Mitglied zu Wort und profilierte sich als Kämpfer für die Zukunft: VW-Chef Herbert Diess, in dessen Haus alles begann, ist sehr für strikte Regulierung und will mit anderen Konzernchefs den Klimaschutz voranbringen. Der Eindruck ist ein bisschen disparat.

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Dieselskandal: Verbraucherschützer verklagen Daimler
1:01 min
Nachdem bereits Automobilbauer Volkswagen im Fadenkreuz von etlichen Untersuchungen stand, wollen Verbraucherschutz­organisationen nun auch gegen Daimler vorgehen.  © dpa
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Früher galt: Wenn sich die Autobranche äußerte, hörte die Politik hin

Sie waren einmal eine Macht. Ob es nun besonders cleveres Lobbying war oder die schiere Wucht von einer Million Arbeitsplätzen: Wenn sich die Automobilindustrie äußerte, hörte die Politik hin. Das ist vorbei. Der Missbrauch dieser Macht für diverse Hinterzimmer-Deals und in der Folge der Abgasbetrug haben die Verhältnisse ins Gegenteil verkehrt.

Viele hören der Autoindustrie bewusst und ausdrücklich nicht mehr zu. Sie können sich auf viele Erfahrungen mit billiger Stimmungsmache berufen. Die Älteren mögen sich erinnern: Auch Rußfilter und Katalysator galten der Branche einst als ungeheure Last.

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Es braucht klare, europaweit einheitliche Ziele und Rahmenbedingungen

Doch diese Stimmung ist fatal. Denn Müller hat einen Punkt, wenn sie davor warnt, Folgen politischer Entscheidungen zu „banalisieren“. Tatsächlich hat sich das Klimabewusstsein in Europa so dynamisch entwickelt, dass andere Dinge kaum noch hinterherkommen. Die aktuelle Elektroeuphorie ist im Wesentlichen ein westeuropäisches und chinesisches Phänomen. Schon in den östlichen EU-Ländern ist davon wenig zu spüren.

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So richtig der Weg also ist: Seine Konsequenzen sind alles andere als banal. Um ihn zu gehen, braucht die Branche nicht einmal riesige Subventionen. Sie braucht klare, europaweit einheitliche Ziele und Rahmen­bedingungen. Dagegen kann niemand etwas haben. Aber dafür muss man den Konzernen zuhören.

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